Wenn man - so wie ich - in den 1960er Jahren mit Klaus Doldinger, dem JAZZmusiker aufgewachsen ist (Klaus Doldinger, Ingfried Hoffmann (p, org), Helmut Kandlberger (b), Peter Trunk (b), Klaus Weiss (dr), Cees See (dr)), bedarf man zumindest einiger Minuten, um sich an die Musik von Doldingers Passport zu gewöhnen. Der swingende Rhythmus ist verschwunden, das Schlagzeug wird vorwiegend auf Hi Hat, Snare und Bass Drum gespielt, der Bass ist elektrisch, Orgel und Klavier sind durch ein Fender-Piano ersetzt.
Und Doldinger spielt vorwiegend Sopransaxophon, was ihm zugebenermaßen nicht schlecht gelingt.
Wollte man etwas spitzzüngig sein, könnte man sagen: Hier versucht eine deutsche Band, so ähnlich wie Weather Report zu klingen.
Aber es ist selbstverständlich nur ein Versuch. Das Kaliber von Zawinul, Shorter und den vielen guten Rhythmikern von WR, z. B. Pastorius und Erskine, haben die Passport-Leute nicht. Und Doldinger fehlt doch noch ein Quentchen, um sich mit Zawinul als Komponist messen zu können.
Gleichwohl: Schlecht ist diese Musik ganz gewiss nicht. Sie ist eine willkommene Abwechslung nach zwei Stunden Bigband-Swing, Bebop oder Cool Jazz. Die Musiker sind kompetent, der Klang ist nicht zu beanstanden.