"Dies ist erst unser zweiter gemeinsamer Auftritt vor Publikum und wir machen uns in die Hosen vor Angst", sagte Stephen Stills im August 1969 zu ca. einer halben Mio. Menschen beim legendären Woodstock-Festival. Das tat Ihrer Performance jedoch keinen grossen Abbruch. Die erste Single "Marrakesh Express", geschrieben von Graham Nash und eigentlich für die Hollies gedacht - bei denen er noch einige Monate zuvor seine Brötchen verdiente - aber von ihnen nie zu Ende produziert, war gerade auf den Markt gekommen und chartete in den Top 40. Zur Zeit des Woodstock-Festivals waren also nicht gerade viele Songs der neuen Gruppierung Crosby, Stills And Nash bekannt, Ihre Namen waren jedoch in aller Munde und man sprach schon beim in jenen frühen Tagen von einer Supergruppe. David Crosby hatte sich bereits bei den Byrds einen gemacht und war an einigen Hits beteiligt (z.B.: "Eight Miles High"). Mit der Zeit schrieb er immer mehr Songs und trat aus dem Hintergrund der Band vor, kam dann aber in Konflikt mit Roger McGuinn, dem selbsternannten Bandleader und verließ im Jahre 1967 die Byrds. Während eines Festivals machte er einen Gastauftritt bei Buffalo Springfield und vertiefte dabei seine Bekanntschaft zu Stephen Stills und auch zu Neil Young, den Köpfen der Band - Stills schrieb beispielsweise deren Megahit und einzigen Charterfolg "For What It's Worth". Cass Elliott von den Mamas And The Papas machte Crosby dann auch noch mit Nash bekannt und somit ward eine der grössten Freundschaften der Musikgeschichte geboren. Das erste Album "Crosby, Stills And Nash" ist neben "Deja Vu", bei dem Freund Young beteiligt ist - er hatte bereits in Woodstock einen Gastauftritt - der beste Release dieser Supergruppe. Stills zeigt sich am produktivsten und wirft einige Folkrock-Klassiker ab. Mal rockig auf "Wooden Ships", der in Kooperation mit Crosby geschrieben wurde, mal subtil mit "You Don't Have To Cry" und "Helplessly Hoping" - einfach relaxed und wunderschön. Den Opener "Suite: Judy Blue Eyes" - im übrigen auch der 2. Single-Hit - könnte man fast als progressiv bezeichnen und der Schlußsong "49 Bye-Byes" rundet das ganze Album auf einfache und doch unvorhersehbare Weise ab. Auch Crosby liefert starkes Material ab: Der zweite rockigere Song neben "Wooden Ships", "Long Time Gone" geht auf seine Kappe und kommt auch gleich zu Beginn des Woodstock-Films vor. Ebenso das psychedelische "Guinnevere" dürfte als Meisterwerk bezeichnet werden und unterscheidet sich vom restlichen Material auf diesem Album. Es zeigt wie perfekt die Stimmen der drei Künstler aufeinander abgestimmt sind und was für atmosphärische Musik diese Jungs schaffen können. Die Songs von Nash, dem Zartesten in der Gruppe sind wie immer gute Laune Songs wie z.B. "Pre-Road Downs" oder "Marrakesh Express" - echter Oldies-Stil halt - oder auch Schöne Balladen wie "Lady Of The Island". Alles in allem ein tolles Album. Es ist vielleicht nicht so eingängig und als Einstieg auch nicht so geeignet wie der Nachfolger "Deja Vu", denn man muss sich etwas reinhören und an den Stil gewöhnen, aber es ist ein absoluter Klassiker und vor allem klingt es spontan und frisch, nicht zuletzt wegen seiner bewusst minimalistischen Produktion.