zuerst einmal: das ist kein konzertfilm. das ist eine dokumentation. ein film, über die kurzfristig einberufene usa- und kanada-tournee von csny.
aber auch das stimmt so nicht. in wahrheit ist dieser film ein porträt des bush-amerika, des amerika von paranoia, tiefer zerrissenheit, irakkrieg, hysterie.
wir sehen, wie die alten protestrocker sich noch einmal die gitarren über die (im fall von crosby und stills dramatisch gewachsenen) bäuche hängen, um gegen den krieg anzusingen. das kann man ganz, ganz leicht als lächerlich denunzieren, dabei hat es etwas ungemein würdevolles. vier künstler, die wissen, dass sie im grunde nichts verändern können, reiten noch einmal gegen die windmühlen an - weil sie MÜSSEN. das ist die edelste motivation für kunst überhaupt.
der film zeigt einerseits eine musikalische geschichte - wie eine alte band wieder zusammenfindet, wie auf schwache konzerte bessere und schließlich gute folgen, wie vier sehr unterschiedliche charaktere sich einer idee unterordnen. wir sehen aber auch, was diese tournee auslöst: zustimmung, ablehnung, diskussionen. höhepunkt des films ist das konzert im (alles andere als liberalen) atlanta. als neil young "let's impeach the president" anstimmt, verlässt ein großer teil des publikums empört die halle - um sich vor laufenden kameras in bemerkenswert hysterischer weise über dieses "unpatriotische" lied zu erregen. (dabei gibt es nichts patriotischeres, als den anführer das landes wegen erwiesender unfähigkeit und erwiesener lüge zur rede zu stellen).
neil young - der den film inszeniert hat - spart nichts aus, er stellt das geschehen in den zeitrelevanten kontext: body counts im irak, hinterbliebene von gefallenen, veteteranentreffen. auch die überwiegend kritischen pressestimmen zur tournee erspart er sich nicht. er hat sogar einen (sehr kritischen) "embedded journalist" auf der tournee mit, einen, der sonst mit den us-truppen im irak unterwegs ist.
das ist ein großartiger film, eine bemerkenswerte studie über ein damas waidwundes land, dessen große stärke ist, dass er - auf die richtigkeit seiner botschaft vertrauend - kritik nicht im geringsten ausbendet.
SO geht man mit kritischen stimmen um. SO befasst man sich mit den krämpfen des eigenen landes. dieser film ist so unendlich wertvoller als dumpfes rednecktum, wie es lynyrd skynyrd gerade mit ihrem neuen album vorführen. aber die waren ja schon damals - als neil young mit "southern man" die irrationalitäten des südens exakt analysierte - der meinung: "i hope neil young will remember, southern man don't need him round here no more". na klar: wer nicht so denkt wie wir, soll sich schleichen.
ein wunderbarer film, der zeigt, wie unsinnig denkverbote sind.