Nach einigen Vergleichen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man beim Croozer Cargo den höchsten Nutzwert fürs Geld bekommt. Insbesondere die umsteckbare, gekröpfte Deichsel hebt ihn von den günstigeren Kopien ab:
1.) muss man sich nicht damit herumplagen, den Anhänger vor dem Getränkemarkt anzuschließen sondern benutzt ihn stattdessen gleich als Einkaufwagen.
2.) ist die Ladefläche im Betrieb waagerecht. Bei vielen anderen Hängern mit Tiefdeichsel ist die von der Seite gesehene Linie zwischen Radnaben und Kupplung parallel zur Ladefläche. Durch die unterschiedlichen Radgrößen von Fahrrad und Anhänger ergibt das eine Schrägstellung der Ladefläche. Das verhindert zwar, dass die Ladung beim Bremsen nach vorne rutscht -aber dafür liegt sie zwangsläufig ganz hinten, was nicht immer optimal ist. Beim Croozer ist das durch die in zwei Ebenen gekröpfte Deichsel besser gelöst.
Das Fahrverhalten ist einwandfrei. Bei Tiefdeichsel-Anhängern sind die Längsschwingungen durch die meistens vorhandene Feder etwas ausgeprägter als bei Kupplungen mit Kugelkopf (also fast allen Hohdeichsel-Anhängern und einigen Tiefdeichsel-Exoten), aber dafür äußern sie sich eben auch nicht als harte Schläge und wirken an einer viel günstigeren Stelle auf das Fahrrad ein.
Die Räder des Croozer haben einen deutlich negativen Sturz, was die Kippneigung reduziert.
Solange die Ladung nicht klappert, ist er ein erfreulich ruhiger Begleiter.
Übrigens: die Ladefläche zwischen den Rahmenstreben (also direkt am Boden) ist abweichend von den Herstellerangaben nur ca. 72x47cm groß (große Getränkekisten sind 40x30cm groß, es passen also locker 2 rein), 2cm darüber ergibt sich das hier im Shop angegebene Maß von 76x47cm. Aber die Bordwände aus Stoff lassen natürlich einigen Freiraum für Ladung, die nicht hart und kastenförmig ist.
Über die Rostanfälligkeit kann ich noch nichts sagen, aber da ich an vielen Stellen davon gelesen habe, habe ich noch vor der ersten Fahrt alle neuralgischen Punkte mit Konservierwachs aus dem Kfz-Zubehör eingesprüht. Für die Räder wird das übrigens auch im Handbuch empfohlen.
Die Abdeckplane ist in der Handhabung einwandfrei, sofern man sie immer von der linken Seite her öffnet. Die Klettverschlüsse sind sicherlich nicht die hochwertigsten und dass die Plane nicht gleich in wasserdicherter Ausführung mitgeliefert wird, soll wohl den Zubehörverkauf ankurbeln.
Die negativen Punkte:
- Der Kunststoffboden macht zwar einen robusten Eindruck, ist aber eher für gleichmäßige Druckverteilung ausgelegt. Außerdem ist er materialbedingt sehr glatt. Das Verhältnis aus Gewicht und Stabilität ist ein guter Kompromiss, aber ein Boden mit wabenförmigem Unterbau (wie bei Kunststoffkisten)wäre wohl noch besser. Zwischen den Rädern gibt es eine Querstrebe unter dem Boden, ich hätte mir noch eine zweite davon im vorderen Bereich gewünscht. Ich habe mir im Baumarkt für rund 5,-¤ eine passende Platte aus Birke Multiplex zusägen lassen, die wird lackiert, mit Gummistreifen beklebt, einfach in den Hänger gelegt und löst das Problem.
- Die Feder an der Kupplung ist bei Geradeausfahrt geknickt. Möglicherweise ist das vorteilhaft fürs Fahrverhalten, aber beim An- und Abkuppeln ist es eher lästig, zumal die Kunststoffhülsen in der Kupplungsaufnahme nur eingeklebt sind. Wenn man genügend Platz hat, kann man natürlich das Fahrrad schräg stellen und bei entspannter Feder verkuppeln.
- Was mich wirklich stört, weil unnötig: mit der Deichsel in Handwagen-Stellung setzt der Hänger auf der Deichsel-Kulisse auf, wenn man ihn abstellt. Das ließe sich so leicht vermeiden, z.B. durch Kunststoffklötzchen unter den vorderen Ecken des Rahmens. Hinten setzt er auf den Kunststoffkappen der "Stoßstange" auf (bei entsprechend hecklastiger Beladung), da gibt es widerum nichts zu meckern.
- Ich habe die Schnellspannachse an meinem Fahrrad immer ziemlich fest angezogen (noch fester traue ich mich nicht -nach fest kommt ab, außerdem müsste bei Veränderung des Drucks das Lagerspiel des Hinterrades neu eingestellt werden). Trotzdem wird die Achskupplung während der Fahrt hin- und hergedreht, was der Pulverbeschichtung am Ausfallende sicherlich schon jetzt zugesetzt hat. Wegen der Schutzblechbefestigung kann ich die Kupplung nur nach unten weisend montieren -immerhin geht das beim Croozer, andere Modelle bieten die Möglichkeit nicht. Ich werde die Kupplung wohl an der Halterung des Hinterbauständers montieren, dann ist auch das Problem gelöst.
Eine Weber-Kupplung kann das zwar besser, kostet aber allein schon gut halb so viel wie ich für den ganzen Hänger bezahlt habe.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden und meine Erwartungen wurden erfüllt. Die Problemchen lassen sich alle mit etwas handwerklichem Geschick beheben. Den gleichen Nutzwert bei höherer Qualität gibt es bezahlbar höchstens beim Monz Bluebird, aber mit einer zweiteiligen Kupplung, Cargo-Aufbau und Abdeckplane kostet auch der schon das doppelte.