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52 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Nur die unerfüllte Liebe kann romantisch sein.", 26. Mai 2009
Die Freundinnen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson) verbringen einen Sommer bei entfernten Verwandten in Barcelona. Vicky ist verlobt und steht kurz vor der Hochzeit. Cristina will die Zeit nutzen, um sich von einem weiteren kürzlich erst verflossenen Liebhaber abzulenken. Das Beziehungsverhalten beider könnte nicht unterschiedlicher sein: Vicky ist sehr rational denkend, während Cristina sehr leidenschaftlich das Abenteuer sucht. In einem Restaurant tritt plötzlich Juan Antonio (Javier Bardem) an den Tisch der beiden Damen und lädt sie ganz unverfroren zu einem Ausflug nach Oviedo ein, um die Stadt zu besichtigen, Kultur zu studieren und so ganz nebenbei auch ein bisschen Liebe zu machen. Nachdem der erste Schock ob des ungewöhnlichen Angebots überwunden ist, schließt sich auch die vernünftige Vicky etwas widerwillig dem Kurztrip an. Juan Antonio gibt fortan den beiden Damen nicht nur einen Crashkurs in Sachen Liebe, mit der zentralen Frage, ob denn nur die unerfüllte Liebe romantisch sein könne. Nein, etwas unfreiwillig bringt er ihnen auch seine durchgedrehte Ex-Frau Maria Elena (Penelope Cruz) erst verbal und dann in Persona mit ihrem ganz eigenen und unverwechselbaren Charakter näher.
Woody Allen wollte den Film hauptsächlich als Hommage an die Stadt Barcelona verstanden wissen, was ihm aufgrund der opulenten und warmen Bilder des städtischen Ambientes auch gelungen ist. Das Tempo des Films ist recht hoch, die Szenen wie schon bei Scoop perfekt getaktet und von einem stimmigen Soundtrack untermalt. Die Verwendung einer Erzählstimme, die hörspielartig und teilweise ironisch durch die Handlung leitet, ist ein tragendes und aufwertendes Element. Allen driftet nicht in Klischees ab, sondern baut absichtlich mit Hilfe der Klischees und ganz subtilem Humor geschickt eine teilweise ins Groteske abdriftende Komödie auf, mit derer die Grenzen der gegensätzlichen Habiten ausgelotet werden. So sind alle auftauchenden Spanier Künstler, die aus dem Bauch heraus leben und entscheiden. Die Amerikaner als Gegenpart dagegen sehr auf Sicherheit bedacht, in gängigen konservativen Verhaltensweisen gefangen und sehr kopflastig. Alles, was mit einem Urlaubsflirt in der katalanischen Metropole träumerisch aus der sicheren Entfernung gemäßigter Klimazonen in Verbindung gebracht werden kann, wird von Allen absichtlich platt aufgetischt: Leckere Tapas, mundiger Rotwein, nächtliche Gitarrenmusik, Straßenfeste, das mediterrane Klima in einem warmen Ambiente einer Metropole am Mittelmeer und schließlich der Spanier, der die Frauen versteht und sich philosophisch in der Liebe auskennt. Allen schmeißt absichtlich seine Figuren in diese Sommernachtsfantasie herein und lässt sie mittels hintersinniger Dialoge in peinlichen Situationen über die üblichen Klischees stolpern. Da scheitert der erste Verführungsversuch schon mal an einer Magenverstimmung und beim flirtenden Füßeln an einem Vierertisch wird aus Versehen das falsche Bein erwischt. Er macht da in Barcelona weiter, wo er in London bei Scoop aufgehört hat. Schön zeichnet er die Veränderung aller Figuren und deren Einstellungen. Keine lässt er aus seinem Film so heraus wie sie am Anfang hereinkam. Er schafft so eine leicht beschwingte Komödie im alten Stil, die sehr kurzweilig und hintersinnig zum Schmunzeln anregt.
Das Bild der DVD liegt im Format 1,85:1 (16:9 anamorph) vor. Die Tonspur steht jeweils in Englisch und Deutsch in DD 3.0 zur Verfügung. Die deutschen Untertitel sind bei der englischen Tonspur ausblendbar. Die Erzählerstimme, die im Originalton von Woody Allen gesprochen wird, kann als stilistisches Mittel des Films nicht ausgeblendet werden. Als Bonusmaterial stehen lediglich Kinotrailer, Programmtipps und ein 4-minütiges Interview mit Penelope Cruz bereit.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Du hattest ein Rasiermesser in der Hand..., 7. Mai 2009
...und Du warst betrunken." Diese Äußerung von Juan Antonio(Javier Bardem) zeichnet ein ungefähres Bild von der geschiedenen Ehe zwischen ihm und Maria Elena(Penelope Cruz), aber dazu später.
Vicky(Rebecca Hall) und Cristina(Scarlett Johansson), zwei amerikanische Touristinnen, verbringen ihren Urlaub in Barcelona. Vicky steht kurz vor der Heirat mit Doug(Chris Messina), fühlt sich gebunden und sicher; Cristina will etwas erleben, ist flippig und nach allen Seiten offen. Als die beiden Frauen vom exzentrischen Maler Juan Antonio angesprochen werden, sind sie sprachlos. Juan Antonio will beide für ein Wochenende nach Oviedo einladen. Dort will er sie bewirten und lieben. Was für Cristina äußerst reizvoll erscheint, ist Vicky ein absoluter Graus. Aber plötzlich sind die drei dann doch unterwegs ins Wochenende. Vicky ahnt nichts Gutes, Cristina träumt von einer heißen Affäre und Juan Antonio erwartet eine "Menage trois" nach seinem Geschmack. In Oviedo kommt aber alles ganz anders. Daran ist vor allem Juan Antonios Ex-Frau Maria Elena Schuld. Aber lassen sie sich einfach überraschen, wie so ein "idiotisches Wochenende(O-Ton Vicky)" verlaufen kann...
Vicky Cristina Barcelona ist auf den ersten Blick nicht unbedingt als Woody Allen Film erkennbar. Natürlich ist der Plot ein wenig dialoglastig, aber das nicht übermäßig. Allen ist diese Geschichte äußerst locker und beschwingt angegangen, das merkt man dem Streifen wohltuend an. Egal, ob Cristina sich für die "Wahl der richtigen Unterhose" interessiert oder Maria Elena alle Konventionen sprengt. Dabei hat auch Allen erkannt, dass eine gute Geschichte immer einen Kreis beschreibt und kreative Intellektualität nicht allein ausreicht, um einen unterhaltenden Spielfilm für einen großen Zuschauerkreis zu produzieren. Es gibt wunderbar heikle Momente, tolle Aufnahmen und einen, über den gesamten Film, begleitenden Erzähler. Unterlegt werden die Bilder mit spanischer Gitarrenmusik, die so passend wie bezaubernd ist.
Was die Schauspieler angeht: Scarlett Johansson und Rebecca Hall spielen ihre Parts solide und sauber herunter. Javier Bardem verkörpert den Juan Antonio mit Herz und Schmerz, und Penelope Cruz ist, ohne wenn und aber, der Star in der Rolle der temperamentvollen, unberechenbaren Maria Elena. So ist Vicky Cristina Barcelona ein Woody Allen Film geworden, der auch für eine breite Fangemeinde höchst taugliche Unterhaltung bietet. Steigen sie einfach ein und fahren sie mit. Erst nach Barcelona, dann nach Oviedo und zum Schluss mitten in den Irrsinn hinein...
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Straße frei für alle Neurosen!, 25. Januar 2010
Komplizierte Beziehungsgeflechte, wunderschöne Bilder aus Barcelona,prima Musik und feurige Charaktere mit viel Sexappeal verleihen Vicky Cristina Barcelona den Woody-Allen-typischen Charme.Wunderschön gefilmte Locations, großartige Darsteller und ein hervorragendes Drehbuch inklusive starker Dialoge kann man ja vorraussetzen bei Altmeister Woody Allen. Und all dies bekommt man auch, eingebettet in eine sehr sinnliche Inszenierung, die in ihrer lockeren Verspieltheit ganz und gar zum mediteranen Set passt. Unter der heiteren Oberfläche lauert aber ein kaum zu übersehender Pessimismus, den Allen schon lange nicht mehr so melancholisch eingeflochten hatte, sodass der Film nicht völlig dem milden Stil der letzten Jahre zugehörig ist. Vom Zynismus alter Tage ist allerdings auch nichts mehr zu spüren, an diese Stelle ist eine tiefe Traurigkeit getreten - mit Altherrenromantik hat das aber nicht viel zu tun. Vielmehr spricht aus dem Film eine tiefe Sehnsucht nach leidenschaftlicher Liebe und die Unmöglichkeit an diesem Idealbild festzuhalten.
Fazit: Sex ohne Liebe ist ein hohles Erlebnis - aber von den hohlen Erlebnissen ist es eines der Schönsten. Ein Zitat vom Altmeister des Kinos - Woody Allen.
Absolut Empfehlenswert!!!
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