Diesen Crinelli finde ich eigentlich ausgesprochen unsympathisch. Der Kaffee schmeckt ihm nicht, ständig gehen ihm Leute auf die Nerven, er schläft schlecht, raucht wie ein Besessener, fliegt im Hubschrauber und bekommt prompt Rückenschmerzen, Regen läuft ihm in den Mantelkragen, und so weiter und so weiter. Eine echte Nervensäge, genau der Typ, den ich im richtigen Leben auf den Tod nicht ausstehen kann und auch als Fiktion nur begrenzt ertrage. Es spricht für die Erzählkunst von Werner Köhler, dass ich dem Buch trotzdem vier Sterne gebe. Die Geschichte ist nämlich so gut geschrieben und so gut recherchiert, dass man den nervenden Kommissar gerne erträgt, da man wissen will, wie's weitergeht. Das war auch beim letzten Buch so, weshalb ich dieses überhaupt angefangen habe. Die Handlung ist ausgesprochen spannend, mit moderater Gewalt (das meiste ist schon passiert, wenn der Kommissar auftaucht), aber viel klassischer Detektivarbeit, gewürzt mit der zusätzlichen Dimension von Crinellis Familienverwicklung. Empfehlenswert.