Im Zeitalter des großen Thrash Metal-Revivals, wo quasi an jeder Straßenecke die nächste Prügelcombo einen Plattenvertrag angeboten bekommt, fällt es sichtlich schwer, überhaupt den Blick fürs Wesentliche zu behalten. Das Überangebot guter Thrash-Acts führt automatisch zu Problemen: Gut für die Szene - schlecht fürs Portemonnaie !!!
Wenn mich in diesem Jahr jemand fragen würde, welche drei Thrash-Scheiben ich ihm bedenkenlos empfehlen würde, dann wäre auf jeden Fall der SWASHBUCKLE-Drittling "Crime always pays" dabei. Nach den beiden beachtlichen Vorgänger-Alben "Crewed by the damned" und "Back to the noose" geben sich Admiral Nobeard und seine Crew erneut die Ehre, um die Flagge des Piraten-Thrash hochzuhalten. Zugegeben, dieses Piraten-Image ist sicherlich nicht jedermanns Sache, und bei schneller Betrachtung auch äußerst fragwürdig. Denn durch dieses Freibeuter-Bohei lenkt das Trio vor allem von ihrer größten Stärke ab: Nämlich verdammt geile Songs zu schreiben !!!
Auch auf "Crime always pays" zocken SWASHBUCKLE eine saucoole Melange aus reinrassigem Oldschool-Thrash und mächtigem Moshcore, der man sich als Headbanger eigentlich kaum entziehen kann. Irgendwo in einer stilistischen Schnittmenge aus NUCLEAR ASSAULT , ANTHRAX , S.O.D. , SUICIDAL TENDENCIES und der lebenden Hardcore-Legende PRO-PAIN rüpeln SWASHBUCKLE zielstrebig drauflos, und zeigen der großen Thrash-Konkurrenz, wo der Kapitän den Rum holt. Dabei legt das Trio keinen gesteigerten Wert auf anspruchsvolle Kompositionen, filigrane Gitarrensoli oder sonstigen Prog-Kokolores...nichts da, SWASHBUCKLE stehen auch anno 2010 für simplen Haudrauf-Thrash der Spitzenklasse. Songs wie "Where victory is penned" , "Crime always pays" , "At the bottom of a glass" (Hit!) , "This rounds on you" , "Surf-n-turf" oder das heftige "To steal a life" punkten vor allem durch die energische Gitarrenarbeit (Riffs, Riffs, Riffs!) , und entwickeln aber spätestens im Refrain höchsten Mitgröhl-Charakter. Frontman Nobeard gröhlschreikeift dabei mit einer Galligkeit ins Mikrofon, wie ein blinder Passagier nach der zehnten Runde "Kiel holen". Sic!
Während "Raw doggin' at the raw bar" als dreckiger Groove-Ohrwurm zu Buche schlägt, überraschen SWASHBUCKLE auf "The gallow's pole dancer" mit einem kultigen Disco-Break zum Schieflachen. Einer der größten Pluspunkte dieses Piraten-Trios ist einfach, dass sie sich selber nicht so ernst nehmen...Hauptsache der Spaßfaktor stimmt !!! Bestes Beispiel für diese Lockerheit ist der rabiate Hassbatzen "Powder keg", dessen trinkseeliger Freibeuter-Chorus dem Hörer automatisch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Etwas feingeistiger sind dafür "You bring the cannons, we'll bring the balls" , "A time of wooden ships & iron man" und der Quasi-Opener "We are the storm", bei denen SWASHBUCKLE ihr Gespür für tolle Melodiebögen auf die Spitze treiben.
Tja, und wie auch schon auf den beiden Album-Vorgängern, so gibt es auf dem neuen 16-Tracker auch einige Akustik-Nummern zu bestaunen, die das brutale Thrash-Geballer allerbestens abrunden. Angenehme Folk-Verschaufpausen wie "Legacy's allure" , "Of hooks & hornswogglers" sowie das bedrohlich einläutende "Slowly wept the sea" schlagen wieder eindeutig den Bogen zum Piraten-Konzept, und gewinnen durch den Einsatz von Violine (mit freundlicher Unterstützung von ELUVEITIE) einen richtig feinen Glanz.
Fazit: Das dritte SWASHBUCKLE-Langeisen ist sicherlich eine lohnende Anschaffung für jeden Thrashcore-Fan auf diesem Erdenrund. Im Vergleich zum direkten Vorgänger "Back to the noose" ist eine großartige Weiterentwicklung zwar nicht unbedingt auszumachen, was die Band aber durch das durchgehend hohe Energielevel mehr als ausgleicht. "Crime always pays" bietet 53 Minuten allerbeste Haudrauf-Unterhaltung, die unglaublich viel Spaß macht. Spaß, verdammt nochmal...und dafür erhalten die drei Langbärte wohlverdiente 5 Sterne für ihr kleines Schatzkistchen.