Rezension zum
Buch 'Credo, der Glaube, der uns alle verbindet,'
Bruder David Steindl-Rast
Mit einem Vorwort vom Dalai Lama.
Es hat den Anschein, dass es hier dem Mystiker, David Steindl-Rast gelungen ist, wissenschaftliche Theologie mit Mystik, die allen Religionen zugrunde liegt, zu verbinden. Mystik, die allen Religionen zugrunde liegt. In einer Sprache, die heute Verständigung ermöglicht.
Verständigung findet schon statt, wenn man aufhört, die Menschen, nach richtig und falsch zu sortieren.
Wissenschaftliche Theologie war immer mystisch,
da sie erfahrungsbezogen, aus einem Erfahrungsschatz
hervorgegangen ist.
Die Verbindung liegt in der mystischen Praxis.
Die mystische Praxis liegt seiner Erfahrung nach in der Dankbarkeit.
Dankbarkeit deshalb, weil sie uns im Moment mit unserem
tiefen Seinsgrund verbindet.
Ich bin Dankbar,- in diesem Moment: Bin ich.
Bin ich einfach mit dem 'ES gibt- mein Dasein' verbunden.
Die Freude, die in unseren dankbaren Augenblicken erfahren
wird, ist die Freude, die dem 'ES' des 'Es gibt' entspringt,
oder sich dort entfaltet.
Diese Art mystischer Praxis ist bei Meister Eckhart, Jakob Böhme, Angelus Silesius, Matthias Claudius bis Gerhard Tersteegen schon immer vorhanden und nachzulesen.
Gleichermaßen werden die Wachsamkeitsgleichnisse Jesu, von Eckhart Tolle und oder anderen Mystikern der Gegenwart gepriesen.
Der Autor besteht ausdrücklich darauf, dass er
der römisch- katholischen Tradition verpflichtet ist.
Denn genau diese Tradition war und ist es immer noch, die
das Evangelium Christi bis auf den heutigen Tag. Das gilt
für die Evangelische Kirche gleichermaßen.
Oder einfacher ausgedrückt, Bruder David zeigt sich seiner ureigensten Tradition zutiefst dankbar. Dort, wohin Gott uns stellt, finden wir das, was uns unmittelbar anspricht.
Als Mystiker ist er der Gegenwart verpflichtet und bringt
das christliche Glaubensbekenntnis, als Antwort auf das Evangelium, in gegenwärtige Sprache.
Sprache, die heute gesprochen und so verstanden wird,
wo Menschen sich begegnen.
Das ist: Jetzt, im gegenwärtigen Augenblick, mich zu mir und Gott zu bekennen.
Bekenntnis in gegenwärtiger Sprache ermöglicht auch wieder,
dass wieder- traditionellen Worte -
dankbar mitformuliert werden können.
Die Tatsache, dass in diesem Buch S.H. XIV. Dalai Lama das Vorwort schreibt, geht über einen christlich- buddhistischen Dialog weit hinaus.
Jahrzehnte lange zielgerichtete Freundschaft beider Männer wird in dem Vorwort deutlich. Auf unterschiedlichen Wegen das wiederzufinden, was uns alle verbindet.
Die Frage stellt sich dem Leser automatisch,
auch als eine Möglichkeit, Staunen und Dankbarkeit zu erfahren.
Das, was allen Menschen gleich ist, erfasst dann immer mehr Menschen im gegenseitigen Common Sense.
In der Weisheit, die alle verbindet.
Für ihn als bekennenden Christen,
ist diese Weisheit mit Jesus in die Welt gekommen.
Die neutestamentliche Begründung baut sowohl auf
theologisches Denken,
wie jahrzehntelanger mystischen Erfahrungsschatz als
Benediktinermönch. Beides lässt sofort - oder im Augenblick verstehen.
Nicht deshalb, wie Bruder David häufig betont,
weil der Mystiker ein besonderer Mensch ist,
sondern jeder Mensch ein besonderer Mystiker.
Zwei Zitate schließen sich aus diesem Grunde an:
1. von dem kürzlich verstorbenen spanischen Mystiker Raimundo Pannikar:
»Ich bin als Christ gegangen,'ich habe mich als Hindu gefunden,'und ich kehrte als Buddhist zurück,'ohne doch aufgehört zu haben, ein Christ zu sein.«
und
2. Karl Rahner, der die Zukunft der Kirche bekanntermaßen wie folgt zusammenfasst: Der Jesuitentheologe meinte schon vor Jahrzehnten: »Die Kirche der Zukunft wird mystisch sein oder sie wird nicht mehr sein.«
Hinweis David Steindl-Rast, Common Sense, die Weisheit, die alle verbindet.
Claudius Verlag, München 2009.
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