Dieses ist die preisgünstigste (neue) Soundkarte, die ich empfehlen würde, wenn etwas mit einem ordentlichen Line-In gesucht wird. Mag heute auch hochwertiger(!) Onboardsound (etwa eine gute ALC889-Implementation) bei richtiger Einstellung schon solide Tonqualität bieten, bei den Eingängen hapert es doch allzuoft an Klirr und Störabstand. So kann sich die Audigy SE ausgangsseitig von solchen Lösungen nicht allzuweit absetzen, auch wenn die Verzerrungswerte auf den Frontausgängen doch noch 6-10 dB niedriger sind. Eigene Rechenkapazitäten bietet sie auch nicht, verbaut ist nur ein vergleichsweise "dummer", erstmals auf der Audigy LS verwendeter Chip.
Wer allerdings mit Sampleraten von 48 oder 96 kHz über den Line-In aufnehmen will, der bekommt hier gute Qualität geboten, denn mit dem Wolfson WM8775 ist ein ordentlicher Consumer-ADC an Bord und die Eingangsstufe scheint brauchbar gemacht. Die erzielbare Dynamik liegt bei ca. 95 dB(A) oder etwas drüber, Klirr unter 0,002%. (Vom Mikrofoneingang würde ich indes keine Wunder erwarten, wie üblich. Es funktionieren Creative-übliche Elektret-Mics, mono mit Stereostecker.) Es gilt allerdings einige Details zu beachten:
* Die Hardware unterstützt bei analogem Betrieb ausschließlich 48 und 96 kHz, unter Windows manuell umzustellen. Eine Anzeige der aktuellen Samplerate erübrigt sich damit.
* Der Eingang ist nicht allzu empfindlich und braucht schon recht ordentlich Pegel für Vollaussteuerung (geschätzt 500 mVrms).
* Die Polarität eingangsseitig ist invertiert. (Nach der Aufnahme leicht zu korrigieren und i.d.R. unkritisch.)
* Es gibt einen Zeitversatz von genau einem Sample zwischen linkem und rechtem Kanal. (Dito - im Zweifelsfall links das erste Sample wegschnippeln. Treibersache? Nur für ein SDR ist die Karte damit schlecht geeignet, solange die Software nicht gegensteuern kann.)
* Wenngleich die Karte auch in älteren Rechnern läuft (mehr als PCI 2.1 ist nicht nötig), können doch wenigstens die Windows-Treiber nicht als übermäßig effizient gelten. Auf einem mit PIII-800EB ausgestatteten BX-Board unter Windows 2000 SP4 auf aktuellem Stand und Treiber 1.04.0077 war die Systemauslastung in 24/96 nicht unter 9-13% zu bekommen, bei 48 kHz ca. 4-9%, egal ob mit DirectSound oder Kernel-Streaming. Heruntertakten des Systems auf die Hälfte (bei gleichem PCI-Takt) verdoppelte die Werte. Immerhin, früher waren es mal lächerliche 18% bei 48 kHz und vollem Takt, im Gegensatz zu 1% oder weniger bei einer betagten Terratec DMX XFire oder Aureon Sky/Space (oder einem ISA-Fossil wie der AWE64, dann natürlich bei 44,1).
* Treiber-Wehwehchen (1): Nur Grundrauschen bei Aufnahme? Einmal Aufnahmequelle auf Mic-In und dann wieder auf Line-In stellen - voilà, Signal da.
* Treiber-Wehwehchen (2): Einseitiger Kanalausfall nach Ruhezustand? Einmal Standby und zurück, notfalls zweimal.
* Treiber-Wehwehchen (3): Wer auch mit 1.04.0090 unter Vista/7 nicht glücklich wird, das erwähnte P17X Support Pack versuchen.
* Betrübssystem-Wehwehchen: Eine 24-Bit-Aufnahme will unter Windows 2000 offenbar nur mit Kernel-Streaming oder ASIO (per ASIO4All) gelingen. Sollte ab XP kein Thema mehr sein, vorausgesetzt die Anwendung macht mit (Audacity z.B. nicht, hier heißt es selbst mit ASIO-Unterstützung kompilieren, und das ist nichts für Anfänger).
(Diese Erfahrungen basieren sämtlich auf der abgesehen von einem anderen DAC fast baugleichen, etwas älteren SB Live! 24-Bit. Deren CS4382 war sowieso Verschwendung, begrenzt doch die Ausgangsstufe die Dynamik auf nicht allzuweit über 90 dB(A).)
Tips in Sachen Ausgang:
* Nach Installation die EAX-Konsole aufrufen und einen evtl. aktivierten Effekt
abschalten.
* Für 44,1-kHz-Material am besten hochwertiges Software-Resampling verwenden - das treiberseitige tut's für den Hausgebrauch (bei den "richtigen" Audigy-Karten war's ja ausgesprochen lausig), ist aber keineswegs ideal.
* Geht dem Frontausgang an niederohmigen Kopfhörern gerade im Baßbereich die Puste aus, so kann man es mit dem heißen Ende des Lötkolbens und z.B. 470 µF zwischen V+ und V- am NJM4556 versuchen - die Siebung aller Spannungen ist preisbedingt durchweg sehr sparsam gehalten und sorgt auch für das eine oder andere meßtechnisch nachweisbare Artefakt.
Wenn die fragezeichenhaltigen Zahlungsmittel etwas lockerer sitzen, würde ich die Asus Xonar DS empfehlen (PCI 2.2, bessere Teilequalität und -dimensionierung). Bei noch klammeren Finanzen könnte man die Soundblaster 5.1 VX in Erwägung ziehen, dafür gibt es aber keinerlei XP-Treiber, und natürlich ist sie noch knapper kalkuliert. Den Gebrauchtmarkt gibt es natürlich auch noch.