Zunächst einmal: die Bewertung von "Crazy" ist mir sehr schwer gefallen und ich habe lange gezögert überhaupt eine Rezension zu schreiben.
Dies liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein Mädchen bin und gewisse Hemmungen habe über ein Buch, das von Jungen handelt, zu schreiben, da ich viele ihrer Gefühle einfach nicht so gut nachvollziehen und beurteilen kann. Nach "Crazy" scheinen Jungen die meiste Zeit an Sex und den Sinn des Lebens zu denken!
Mmh, ob das wirklich so stimmt wage ich zu bezweifeln.
Dass sie über Sex reden kann ich mir gut vorstellen, aber die Jungen die ich kenne grübeln und philosophieren keinesfalls über das Leben, wenn sie miteinander reden, da dies als absolut uncool gilt.
Nun ja, mal angenommen bei Benjamin und seinen Freunden ist das so, trotzdem fehlt der Geschichte etwas, durch das man mitfiebert und von der Handlung gefesselt wird. Ich musste mich stellenweise echt zwingen das Buch weiterzulesen, da es entweder um Sex oder um die philosophischen Gedanken pubertärer Jungen ging, die immer darauf hinaus liefen, dass das Leben "crazy" ist. Na toll!
Ich kann und will auch nicht glauben, dass alle Jungen nur an das Eine denken.
Was ist denn bitte mit Liebe?? Die fehlt in "Crazy" fast vollständig, aber vielleicht bin ich auch nur zu romantisch veranlagt!
Wo ich nun so viel gemeckert und kritisiert habe, komme ich erst einmal zum Inhalt und dann zum Positiven:
Benjamin ist sechzehn Jahre alt und muss wegen seiner schlechten Noten auf ein Internat. Dort trifft er Felix, Janosch, Kugli und Florian mit denen er über Sex, Mädchen und das Leben sprechen kann. Die fünf werden beste Freunde und schaffen es den grauen und langweiligen Internatsalltag lebendig und fröhlich zu gestalten.
OK, vergessen wir einmal die oben genannten Minus-Punkte, so ist "Crazy" doch ein sehr feinfühliges Buch, das ohne Mitleid erzeugen zu wollen, auf die Probleme von Halbspastikern eingeht. Ich habe selbst eine Freundin, die diese Behinderung hat und kenne daher ihre Wut und Verzweiflung, dass keiner diese Behinderung wirklich anerkennt. Vom Äußerlichen fällt es nur beim Laufen auf und sie bekommt in Mathe und Sport schlechtere Noten, da die Lehrer es wie die meisten Menschen einfach nicht nachvollziehen können!
"Crazy" zeigt diese Problematik hervorragend und man kann die Wut Benjamins absolut nachempfinden. Zu gleich strahlt das Buch förmlich voller Kraft und Zuversicht!
Allein dafür hat "Crazy" drei Sterne verdient, auch wenn der Rest mich nicht wirklich begeistern konnte.
Ansonsten fehlt der Story einfach die Würze und sie langweilt stellenweise sehr.
Einige Szenen sind dagegen wiederum ziemlich gut und witzig!
Fazit: Alles in allem ist "Crazy" wahrscheinlich ein gelungenes Buch für Jungen, Mädchen würde ich vom Kauf eher abraten!