Diese Musik war nie wirklich tot, erinnern wir uns an die 90er, an Mike Flowers' großartiges Remake von ,Wonderwall', dann Robbie Williams mit ,Swing When You're Winning', von den teils gelungenen Latin Adaptionen bekannter Klassiker aus allen Genres von ,Senor Coconut' ganz zu schweigen. Und auch die Altstars konnten noch Achtungserfolge damit feiern wie bspw. Paul Anka mit seinem ,Rock Swings' Album.
Michael Buble stieg aber in den letzten Jahren zum ungekrönten König des Easy Listening auf, und ich behaupte jetzt mal zurecht.
Ganz geschickt positionierte er sich mit der Zeit irgendwo zwischen Frank Sinatra und Robbie Williams und was er als songwriter zu wenig liefert (auf dem aktuellen Album ist nur ein eigener Titel drauf), das gleicht er mit seinem stimmlichen Können, der gelungenen Songauswahl und den geschmackvollen Arrangements der songs aus.
Das unzerstörbare ,Cry Me A River' kommt bspw. im 70er-Jahre-Bond-Titeltrack Gewand daher und ist großartig arrangiert - es ist sogar fast zwingender, als die vergessene, aber herrlich dreckige Aerosmith Version.
,All Of Me' ist klassischer Sinatra, und auch ,Georgia On My Mind' weicht arrangementmäßig kaum vom Original ab, ist aber äußerst gefühlvoll interpretiert. Mit Van Morrison's ,Crazy Love' kann man sowieso kaum etwas falsch machen und Buble's eigenes ,Haven't Met You Yet' braucht kompositorisch den Vergleich mit den Klassikern auf diesem Album nicht zu scheuen.
Auch bemerkenswert: wie er den Eagles Hadern ,Heartache Tonight' nach Las Vegas verpflanzt, ohne ihn seiner power zu berauben.
Das Duett mit Sharon Jones ,Baby (You've Got What It Takes)' klingt dann wie ein besserer Filmsong zu einem der unseligen Elvis Streifen, ist aber ganz wunderbar auf sixties gemacht. Einzig bei der etwas zu schleppenden Version des Dino Klassikers ,You're Nobody ,Til Somebody Loves You' wünscht man sich das Original zurück.
Für ein Produkt dieser Sparte geht das alles aber mehr als in Ordnung. Buble wird nie ein dreckiger Blueser, oder verzweifelter songwriter werden, und schon gar kein Rocker, aber aus dem milchgesichtigen Kuschelbären wurde auf jeden Fall ein äußerst talentierter Las Vega crooner, der einen eigenen unverwechselbaren Ton gefunden hat und der durch seinen chramanten Vortrag durchaus zu überzeugen weiss.
Wenn schon easy listening, dann so.