Wie das nostalgisch aufgemacht Cover schon erahnen lässt, beschäftigt sich Jeff Beck hier mit einem frühen Vorbild aller elektrisch verstärkten Gitarristen: Es handelt sich um Cliff Gallup, der im Jahre 1956 in der Begleitband von Gene Vincent, den "Blue Caps", wahre Wundertaten an seiner Gretsch Duo Jet vollbrachte und der bis heute speziell im Kreis der Rockabilly-Freunde geradezu wie ein Heiliger verehrt wird. Ein Jahr (1956) und drei Dutzend Aufnahmen mit Vincent als Leadsänder genügten ihm für eine Aufnahme in die ewige Gitarren-Hall of Fame.
Ist seine Musterfunktion zum Beispiel bei Brian Setzer noch relativ offensichtlich zu hören, erstaunt es schon mehr, dass auch die Guitar Heroes der Sechziger auf Gallup abfuhren. Und so hat sich Jeff Beck mit dieser CD daran gemacht, seinem Vorbild ein Denkmal zu setzen und den Namen Gallup im kollektiven Gedächtnis zu bewahren.
Beck orientiert sich eng am Vorbild und verzichtet auf egozentrische Sperenzchen, seine tadellos eingestellte Begleitcombo gereicht diesem Vorhaben mit reichlich 50s-Schmelz und haufenweise Echoeffekt nur zum Vorteil. Nach den ersten Takten erscheinen vor dem geistigen Auge des Hörers bereits einschlägige Attribute der Fünfziger wie Straßenkreuzer mit blubbernden V8-Motoren und endlosen Flossen am Heck, Petticoatträgerinnen, Drive-Ins in Bonbonfarben mit Neonbeleuchtung und Pomadenfrisurenträger mit schwarzen Lederjacken. Ein Bühnenbild wie geschaffen für eine zünftige, nostalgische Rock'n'Roll-Party!
Den Musikern ist der Spaß bei den Aufnahmen jederzeit anzuhören, die Details stimmen, Jeff Beck hat sowieso keine Mühe, mit seinem Vorbild an Virtuosität mitzuhalten.
Eine gelungene und spritzige Hommage an einen der größten und zu Unrecht fast vergessenen "Guitar Heroes", wenngleich eine für Jeff Beck nicht unbedingt typische Einspielung.
Wer's wissenschaftlicher angehen will, kann die Aufnahmen auf "Crazy Legs" mit den Originalen von 1956 vergleichen, zum Beispiel auf dem "Gene Vincent Memorial Album" (seit 2008 auch auf CD).