In Amerika gibt es diesen Crashkurs seit 1999. Welches Publikum dafür verantwortlich ist, dass er eine zweite Auflage erlebte und bei Zweitausendundeins sogar in der dritten Auflage erscheint, weiß ich nicht. Verstehen kann ich aber, wenn erfahrene Regisseure und Drehbuchschreiber selten dazu gehören und ihn sogar heftig kritisierten. Denn Jeremy Vineyard, ein filmbesessener Medienautor wartet noch immer darauf, eines Tages Regie bei einem Spielfilm führen zu können und vermittelt in seinem Kurs nur das Basiswissen. Aber das macht er so verständlich und gut, dass es Anfänger ziemlich schnell begreifen. Allerdings liegt dies auch an der Zusammenarbeit mit dem Illustrator und Storyboard-Zeichner Jose Cruz, der die Theorie perfekt veranschaulicht.
Mit fünf Sternen bewerte ich diesen Crashkurs, weil er dazu dienen kann, dass aus Handgestricktem halbwegs Professionelles wird. Denn obwohl junge Smartphone- und Videokamerabesitzer häufig ins Kino gehen und nächtelang DVDs anschauen, haben sie häufig Defizite in der Kunst des Beobachtens. Und wenn sie dann selber Szenen des Alltags filmen, fehlt ihnen das Gespür für filmische Grund- und Kompositionstechniken. Zu welchen Ergebnissen dieses Manko führt, können wir dann auf YouTube sehen.
Nebst den einfachen Regeln für absolute Beginners finden wir aber auch theoretische Erläuterungen und Übungen für Fortgeschrittene und Besitzer professioneller Ausrüstungen. So gibt es Kapitel über Kranbewegungen, Kamerabewegungen, Perspektiven, Kameratechniken, Schnitt und weitere Techniken, zu denen beispielsweise Farbfilter, Tonmischung oder Computerbilder gehören.
Autor und Illustrator reduzieren selbst komplexe Themen auf wenige Sätze und Bilder. Das braucht Mut und birgt die Gefahr, von professionellen Filmemachern nicht ernst genommen zu werden. Ich sehe in diesem Konzept jedoch eine Qualität, die selten anzutreffen ist. Und wer mehr wissen möchte, für den gibt es immer einen Tipp, in welchem Film die vorgestellte Technik zu sehen ist. Schade finde ich einzig, dass auf ein Literaturverzeichnis verzichtet wurde. Ein solches hätte ich noch wichtiger gefunden als das Filmregister, welches das Aufsuchen von Lieblings- oder Beispielfilmen erleichtert.
Mein Fazit: Wer Filme drehen oder analysieren will und eher zu den Anfängern gehört, erhält mit diesem Crashkurs eine hervorragende Einführung in die verschiedenen Techniken, Stilelemente, Tricks und Hilfsmaterialien. Für sie ist der Kurs gedacht. Auch wenn der Autor natürlich ein größeres Publikum anpeilt.