Der Funkkontakt zu Chees Kollegen Delbert Nez ist abgebrochen -- nichts Ungewöhnliches im Reservat; Chee macht sich erst viel zu spät Sorgen. Das hat zur Folge, dass er zu spät zum Tatort kommt: Nez sitzt erschossen in einem brennenden Streifenwagen.
Ganz in der Nähe tapert ein betrunkener alter Navajo herum, ein Schamane namens Ashie Pinto. Er hat die Tatwaffe bei sich und äußert etwas, das man als Geständnis deuten kann. Der FBI kann die Akte schließen und tut das auch. Aber da sind all diese Ungereimtheiten...
Jim Chee und Joe Leaphorn sind aber beide weiter inoffiziell mit dem Fall befasst: Chee fühlt sich verantwortlich für den Tod seines Kollegen, den er alleingelassen hatte, und außerdem verteidigt seine Freundin Janet Pete den alten Pinto. Leaphorns verstorbene Frau wiederum war mit Pintos Nichte verwandt, und nun ist Leaphorn durch "Familienpflichten" an den Fall gebunden: Pintos Nichte hält ihren Onkel für unschuldig, und das tut auch die Anthropologin Louise Bourebonette, die sie begleitet und die lange mit Pinto zusammengearbeitet hat -- und die Leaphorn irgendwie beeindruckt.
Chee und Leaphorn ermitteln also zunächst getrennt, aus verschiedenen Gründen und Blickwinkeln. Es geht um weißgestrichene Felsen ausgerechnet dort, wo die Navajos traditionell Hexerei argwöhnen, und um alte Erzählungen über Butch Cassidy und Sundance Kid; es geht um einen zwielichtigen Historiker, der sich mit Butch Cassidy befasst und deswegen ebenfalls mit Pinto zusammengearbeitet hat, und der verschwunden ist; es geht um einen vietnamesischen Schullehrer, dessen Auto Chee kurz vor Nez' Ermordung in der Nähe des Tatorts sah und der in seinem Haus erschossen wird -- und es geht darum, wie der alte Pinto, der 200 Meilen entfernt lebte, zum Tatort kam. Vor allem geht es um den Koyoten in der Navajo-Mythologie, der die Harmonie stört und immer hungrig auf ein Opfer wartet.
Nach und nach können Chee und Leaphorn, zunächst jeder für sich, Zusammenhänge erkennen. Die Fäden scheinen ausgerechnet dort zusammenzulaufen, wo die Hexer (Skinwalker) auf ihre Opfer lauern...
In "Coyote Waits" spielt die Navajo-Mythologie keine so große Rolle für den Fall wie in einigen anderen Bänden um die Navajo-Cops Leaphorn und Chee. Dennoch ist sie präsent; die Mythen um den sinistren Koyoten, die kaum einer besser kennt als Ashie Pinto, ziehen sich als Motiv durchs Buch und bestimmen die Atmosphäre. Wie öfter bei Hillerman, so geht es auch hier nicht ausschließlich um die Aufklärung eines Mordes.
Vor allem geht es um den Koyoten der Navajo-Überlieferung und um das Unwesen, das er treibt -- und bei dem nicht immer die Guten gewinnen, leider.
Auch wenn die Handlung von "Coyote Waits" einige kleinere Längen hat -- spannend ist dieser Krimi allemal, vor allem aber gut geschrieben, mit stimmigen Personen- und Landschaftsschilderungen, und ganz nebenbei lernt man ein wenig die fremde Welt der Navajos kennen.