Eigentlich war ich ja verwöhnt (iRiver iHP120), aber nachdem der alte Player akkumäßig immer kurzatmiger wurde reift der Enschluß einer Neuanschaffung. Das Fazit gleich mal vorweg: ich bin sehr zufrieden, trotzdem gibt es einige Punkte, die man durchaus auch nicht mögen kann:
Konzeptionell ist der Player mit einem Touchscreen versehen, die drei oberen Drucktasten lassen sich aber mit Funktionen belegen (Vol +/- und Skip fwd, bzw. Start/Stop). Die Tasten sind einigermaßen klein und die mittlere Taste (Skip) ist nicht wirklich leicht zu tasten. Sprich, für die "Blindbedienung" gibt es von mir Minuspunkte. Wer den D2 bedienen will, wird ihn also in der Regel aus der Tasche, dem Rucksack, der Innentasche herausnehmen und Blickkontakt aufnehmen müssen.
Bedienung: die Benutzerführung ist wirklich angenehm selbsterklärend und gibt eigentlich keine Rätsel auf (die Bedeutung einiger weniger unwichtigerer Optionen muß man eben einmal nachschauen). Die Firmware kann man optisch aufpeppen (suche Themes in http://iaudiophile.net/forums), man kann auch die Koreanische Firmware 3.xx installieren (die Benutzeroberfläche ist auch dort in allen Sprachen) und den Player mit hübschen Flash-Skins ausstatten (muß man aber nicht und SOLLTE man nicht, wenn man audible-Dateien abspielen möchte, das geht mit der Koreanischen Firmware nicht). Kartenscan nach Musikbefüllung dauert bei einer größeren Karte schon mal etwas (1-2 Minuten bei 16GB), wenn keine Änderung vorgenommen wurde startet das Gerät in 2-4 Sekunden.
Navigation: entweder mit der Datenbank oder aber über Dateibrowser. Beide Möglichkeiten zu haben ist für mich ein riesiger Vorteil, gerade wenn man die weniger oft genutzten Dateiformate gerne nutzt (OGG, FLAC), denn mit den tags, da hat die Frimware bei OGG noch kleinere Sortierungsprobleme (Tracknummer).
Linux-Tauglichkeit: War für mich, neben der OGG Unterstützung ein mit ausschlaggebender Grund für den D2. Der Player wird als externe Wechseldatenträger einfach erkannt und eingebunden. Das gleiche gilt für die SDHC Speicherkarte. Die Datenübertragungsraten sind gut, bei Amarok kann man den Player und/der die SDHC Karte einbinden und munter Musik verwalten.
Der Klang: ein Lautstärkeproblem hat der kleine D2 nicht. Wer möchte kann sich gepflegt Hammer und Amboß ruinieren. Wem der "natürliche" Klang des D2 nicht paßt der kann mit allerlei Soundverbesserern nachhelfen. Neben einem 5-Band Equalizer, sind auch andere "Effekte" dabei, von denen ich BBE und MPEnhance hervorheben möchte. Diese beiden Effekte kann ich wirklich empfehlen, weil sie eben nicht wie Effekte klingen (wie z.B. SRS WOW, oder 3D Surround, o.ä.), sondern die Soundqualität tatsächlich verbessern. Natürlich gibt es auch Bass-Boost und anderes, aber, wer von der Audiophilen "so-wenig-wie-möglich"-Richtung kommt möchte solche Overkilleffekte eigentlich eher meiden. BBE (Stufe 1) und MPEnhance dagegen geben dem Sound des D2 für mich genau den richtigen kleinen Kick in Richtung mehr Transparenz, der mir bei "alles-Null" Einstellung fehlt (und das mit verschiedenen Kopfhörern).
Video: Der Bildschirm ist wirklich klasse, nur bei direktem Sonnenlicht gerät die Helligkeit an ihre Grenzen. Ich benutze für die Videoformatkonversion das Program iriverter (eine Konfigurationsdatei für den D2 gibt es im oben erwähnten Forum).
Aufnahmefunktion: nur ins wma-Format (mir völlig unverständlich), Qualität vom internen Mikro ist aber erstaunlich gut (für Alltagsmitschnitte versteht sich).
Radio: Ähm, das ist für mich ein Punkt auf den ich weniger Wert lege. Daher gibt es von mir TROTZ des schlechten Empfangs nur einen kleinen Punktabzug. Ich weiß nicht, ob es am Kopfhörer liegt (der ja die Antenne bereitstellt), aber mit meinen "Reisestöpseln" ist der Empfang unterirdisch. Das bekommen die allermeisten "Werbegeschenke" um Längen besser hin. Aua.
Ausstattung: eher mager, keine Kabelfernbedienung (liegt am Konzept), keine Adapterkabel für ext. Mikrofon oder TV.
Batterielebensdauer: die 52h sind ein grenzirreführender Idealwert. Ich höre überwiegend OGG -q8 (ca 296 kbit/s), da muß der D2 eben pro Minute Musik mehr Daten lesen, ich höre auch nicht auf Vol. 10 sondern meist zwischen 15 und 20 (von 50), ich tippe auch öfter mal den Touchscreen an. In der Praxis komme ich so auf ca. 22-26 Stunden (rum-)Spielzeit. Ich lade das Ding vielleicht alle drei bis vier Wochen einmal ganz auf (der D2 "tankt" allerdings auch bei der Dateiverwaltung immer ein bischen auf). Die Kapazität nimmt am Anfang mit den ersten paar Ladezyklen auch noch etwas zu.
Alles in allem hängt der D2 die Apfelkonkurrenz in der Soundqualität reichlich ab, unterstützt auch audiophilere Formate, braucht kein Sonderprogrämmchen, um ihn zu betanken, zeigt klaglos auch die großen Fotos von der Digikam am, spielt die (konvertierten) Diaschows munter ab, ist ein haptisches Vergnügen und Dank SDHC Kartenerweiterung auch im Prinzip unendlich groß (eine 16 GB Karte habe ich drin und 4GB Karten kosten fast nix mehr). Natürlich ist er nicht so sexy wie ein iPod Touch, allerdings finde ich ihn vom Gebrauchswert, eben gerade wegen der Unabhängigkeit von Formaten und Betriebssystem (oder Musikverwaltungsprogramm), bedeutend besser. Und das Wichtigste ist eh der Klang, und da punktet der D2 mächtig.