Ich hatte keine Wahl. Ich wollte einen mp3-Player, der das ganze stattliche Musikarchiv aufnimmt. Ich wollte nicht mehr aussuchen, was ich runterschmeiße, wenn ich etwas neues draufspiele. Folgende Mindestanforderungen hatte ich: OGG Vorbis Unterstützung, sehr guter Klang, mindestens 140 GB Platz, lange Akkulaufzeit, Linux-Unterstützung.
Als COWON den X7 offenbarte, machte es klick! Als zahlreiche User-Reviews auftauchten, die von zerschossener Datenbank berichteten, machte es erstmal wieder "Vorsicht". Letztlich konnte ich doch nicht widerstehen. Und ich bereue nichts.
--Zum Gerät an sich:
- Er ist groß (für einen Player). Er ist schwer (für einen Player). Er wirkt sehr solide, die Knöpfe haben einen satten Druckpunkt, nichts klappert. Die Position der Knöpfe ist gewöhnungsbedürftig (Laut/Leise links an der Seite, Hold/Aus rechts an der Seite, Menüknopf vorne zentral eingelassen). Handbedienung außer lauter/leiser ist hier NOCH unpraktischer als beim D2, Touchscreenbedienung also meistens Pflicht.
- Touchscreen: resistiv aber absolut ausreichend von Empfindlichkeit und Präzision. Gelegentlich geht mal ein Tapper "ins Leere", aber nichts, was mich integral stören würde. Die Auflösung ist vollkommen ausreichend, die Helligkeit ist, auf höchster Stufe, durchaus tageslichttauglich, sprich, die Sonne darf auch scheinen.
- Lautsprecher: nett, aber nichts dolles. Immerhin neigt er nicht arg zum Verzerren wenn er lauter soll. Bass ist eben Fehlanzeige, aber für ein Video zum schauen oder vorzeigen reicht es.
- Der Player braucht 8-10 Sekunden bis er hochgefahren ist, im Sleep-modus nur 2.
- Speicher: Ich habe etwa 16000 Stücke auf das Gerät übertragen, allerdings nicht en bloc, sondern immer mal wieder 15-20 GB. Bei der letzten Befüllung (S, T, U, V, W, XYZ) waren es etwas mehr als 40 GB. Da hat die Datenbankanktualisierung dann mal 4 Minuten gedauert. Übrigens, die 160 GB sind "Dezimal GB", also das was der Festplattenhersteller auf die Packung schreibt wenn er eine 1TB Platte verkauft, die der PC dann als 900 GB Platte erkennt. Beim Starten neuer Stücke und beim Wechsel gibt es eine Festplattengedenksekunde in der der Player den Song in den Arbeitsspeicher lädt, danach verstummt die Festplatte wieder.
- Der Player wird unter Linux anstandslos mit zwei Laufwerken (interner 2 GB Flash, und die große HDD) erkannt. Keine Zicken nach Dateitransfer (Nautilus Drag&Drop). Transfergeschwindikeit USB 2.0 üblich.
--Zur Bedienung:
COWON-typisch gewöhnungsbedürftig. Man hat drei Homescreens, auf denen man die Progrämmchen und Widgets verteilen kann, oder alternativ eine Art Listennavigation. Beides funktioniert. Das gleiche gilt für die Bedienelemente von Video/Radio/Photo oder Musik-Player, manchmal ist die Benutzerführung jedoch gewöhnungsbedürftig. Abspiellisten auf den Gerät zu erstellen ist Krude gelöst über eine Favoritenliste, die man jedoch nicht aus der Metadaten-Tag basierten Bibliothek hinzufügen kann, sondern dafür den Umweg über den Dateibrowser machen muß (war beim D2 auch schon so und bleibt eine Usability-Sünde).
Also eine geschliffene Benutzeroberfläche, wie bei den iProdukten, findet man hier nicht vor. Aber man kann damit leben. Oder: man muß nicht damit leben, denn es gibt alternative Bedienoberflächen für den X7 (im iaudiophiles.net Forum schauen, Stichwort UCI, oft gehen die für den COWON S9 und/oder J3 auch für den X7). Ich bin bei den UI von 'kizune' fündig und sehr, sehr glücklich geworden, Mit 'Lynx', 'Sense' und 'Leaf' (Herzlichen Dank an dieser Stelle!). Diese UI findet man ebenso im iaudiophiles.net Forum oder eine Suche mit "kizune.square7.de" anstrengen.
Alternative UI installiert man, indem man sie in den Ordner des Flash Laufwerks entpackt und zwar unter 'System/Flash UI/'. Der Player sollte dafür USB-seitig NICHT im MTP-Modus agieren, sondern im MSC-Modus, einstellbar in den System Settings. Ein Neustart des Players ist nach Umstellung/Installation erforderlich.
Zu 'Lynx', 'Sense' und 'Leaf': Lynx ist ein alternatives Hauptmenü, ich habe es als mainmenu2.swf ('1' ist die "Desktop-Oberfläche" von Cowon, '2' die "Textoberfläche" von Cowon) installiert. Leaf ist die Oberfläche für die Musik-Bibliothek, ermöglicht eine einfache und schnelle Suche und gibt einem auch mehr Möglichkeiten Playlisten zu erstellen; Sense ist eine Musik-Oberfläche. Alle drei arbeiten wunderbar zusammen und sind ein ECHTER Mehrwert an Benutzbarkeit und Eye-Candy.
--Zu den Bugs:
Ich habe gleich als erstes die Firmware-Version 2.08 aufgespielt, die augenscheinlich die Fehler mit Datenbankkorruption nach Aufspielen größerer Mengen Textdateien (die bekommt der Player als versteckte Ordnerbeschreibungs-Dateien bei OSX und z.T. auch manchen Linux Versionen untergejubelt) korrigiert (lt. Changelog). Echte grobe Fehler sind mit bisher nicht untergekommen. Usability-Sünden so ein, zwei, drei, aber Showstopper: keiner. Und die Usability Sünden sind mit den o.g. UCIs ohnehin Geschichte.
--Zum Klang:
Vorweg: die mitgelieferten Ear-Buds werden dem Gerät nicht gerecht. Sie sind Dreingabe. Ich verwende (nach einigem rumprobieren) Ultimate Ears SuperFi 5 Pro In Ear Kopfhörer.
ZONG! Der D2 war klanglich wirklich nicht schlecht. Wirklich, er war sogar gut, sehr gut. Tja. Jetzt ist er's nicht mehr. Zumindest gefühlt. Diese ausgewogene detailgetreue Klangfülle bereits mit allen Effekten (die reichhaltig zur Verfügung stehen) ausgeschaltet, ist wunderbar. WUNDERBAR. Mit den Klangeffekten kann man dann noch spielen und tatsächlich zum Teil noch mehr rausholen (BBE+, moderat eingesetzt, z.B.). Jetzt habe ich eine "behutsame" Regulierung gefunden, die den Kopfhörer wunderbar ergänzt (a bissel mehr unten rum). Räumlichkeit, Transparenz und Wumms in allen Lagen, die Höhen nicht übergestaltet, die Bässe knackig und ausnehmend gut aufgelöst.
Nichts, an das ich diese Kopfhörer bisher angeschlossen habe, klang so gut wie der X7.
Wow.
Chapeau!
--Laufzeit
Die 103h werden mal wieder auf Vol 15 (von 40), 128kbp mp3 gemünzt sein. Im Prinzip ist so eine Laufzeit-Aussage technisch vielleicht richtig, geht aber an der Zielgruppe vorbei, die der Speicherkapazität und den Klangeigenschaften des Players gerecht werdend höher-kbp codierte Musik abspielt und u.U. auch größere HiFi-Kopfhörer anschließt. Wer also FLAC oder OGG (q8) hört, der kann sich aufgrund der höheren, zu lesenden Datenmenge signifikant von der 100er Marke verabschieden. Zum Vergleich, der D2 hatte nominal 52h angegeben und es hat immer für mehr als 26h gereicht (OGG Vorbis Q8-9, Vol 20 von 50, dezente Klangoptimierung).
Eine Anmerkung zum Sleep-Modus: der ist in der Standardeinstellung eingeschaltet. Wer also gerne mit Musik im Ohr einschläft, dem schlummert auch der Player ein, mit dem Effekt, daß die gefühlte Spielzeit recht deutlich sinkt, genaue Angaben zum Stromverbrauch im Sleep-Modus konnte ich nicht auftreiben bzw. erheben, es empfiehlt sich aber in solchen Fällen den Sleep-Modus zu deaktivieren (geht im Settings Menü).
Die Laufzeit läßt sich also am besten mit "höchst solide" beschreiben (und wird nach ein paar Aufladezyklen auch noch besser). Derzeit habe ich bei einer Nutzung von 24 h Musikhören (Ogg Vorbis q8, 20h Lautstärke 16-19, den Rest mit 30-35 über kleine Akkuboxen), und dem Äquivalent von 90 Min Video (Rumdaddeln am Gerät bei Helligkeit nicht höher als 5) plus etwa 40 h Standby statt OFF noch 25% Ladestatus übrig.
--Zum ganzen Rest:
- Das Radio ist besser als das vom COWON D2 (was nicht schwer ist), allerdings von richtig gutem Empfang auch noch ein Stückchen weg.
- Der Photoviewer ist nett. Der Videoplayer ist auch ganz nett. Beides habe ich nur rudimentär getestet. Linux-User müssen halt i.d.R. einen Videokonverter bemühen, bzw. den vorhandenen an die Auflösung des X7 anpassen (480x272). Wem der vorhandene nicht gefällt installiert eben ein UCI dafür (ich empfehle die UCI "Vision", von 'Kizune'; Cowon sollte echt darüber nachdenken den Mann zu verpflichten ...).
- Der Dokumentenviewer ist ziemlich nutzlos, es ist ein reiner Textviewer.
- Nippeskram wie Notitzzettel in verschiedener Form, ein Kalender (ohne Erinnerungen oder Aufgaben; bei "Lynx": mit Terminen), Taschenrechner (in sehr komischem Layout; ein anderer kann als swf-Datei installiert werden, siehe S9 Forum iaudiophiles) und Stoppuhr/Countdown sind Beigaben, von denen ich nichts erwartet habe und die mehr oder weniger nutzlos bis ganz nett sind.
- Man kann Flash-Anwendungen installieren (z.B. einen besseren Taschenrechner, wer ihn braucht), zu finden und auszuprobieren im iaudiophiles-Forum bei den Playern S9 und J3.
- Bluetooth: nicht verwendet (suche: BT Kopfhörer und hochwertiger Klang ...). Ein Dateitransfer über Bluetooth ist nicht vorgesehen.
- Mitgelieferte PC-Software: nicht benutzt, daher keine Wertung.
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Fazit: Man muß sich erst klar machen, was man will, sonst wird man mit dem X7 unter Umständen unglücklich. Wer für den (stattlichen) Preis eine eierlegende Wollmilchsau mit Fönfrisur und ausgefeiltem Bedienkonzept sucht, der kauft besser einen iPod-Touch.
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