Wenn man den Namen Mandy Moore hört, verbindet man damit meist einen blonden Britney Spears-Klon, der süße unschuldige Popliedchen trällert. Vor ein paar Jahren mag diese Assoziation ja noch gestimmt haben, aber sicherlich nicht mehr heutzutage. Moore hat sich optisch, musikalisch und stimmlich weit von dem Pop-Prototyp Britney emanzipiert. Während Britney nämlich in knappen Kleidchen versucht die Aufmerksamkeit ihrer allmählich schwindenden Fangemeinde auf sich zu lenken, hat Moore derartig verzweifelte Striptease nicht nötig. Wusste sie bereits als Schauspielerin („A walk to remember", „Saved!") zu überzeugen, zeigt sie sich auch auf ihrem Album „Coverage" erstmals gereift und stimmlich in voller Schönheit. Da werden eher Vergleiche zu Delta Goodrem oder Natalie Imbruglia augenscheinlich. Moore hat mit „Coverage" zudem einige Risiken auf sich genommen. Immerhin besteht das Album, wie der Titel erkennen lässt, nur aus Coverversionen, welche es in der Musiklandschaft allgemein wegen ihrer meist besseren Originale sehr schwer haben. Nicht in Mandys Fall! Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verstaubten Perlen der 70er für ihre zum großen Teil noch jungen Fans in ein frisches Gewand zu stecken. Moore verwendet durchweg echte Instrumente, so dass der Sound sehr erdig geworden ist. Auf ProTools wird weitgehend verzichtet. Die Stimme von Mandy zeigt sich im Gegensatz zu ihrem selbstbetitelten Vorgängerwerk sehr stark gereift, klingt kräftiger und gefühlvoller als früher. Das hatte ich ihr so eigentlich gar nicht zugetraut. Besonders bei den Albumhöhepunkten „The whole of the moon" und „Drop the pilot" glänzt sie mit ihrer Sangeskraft. Schön ist auch, dass die Stücke insgesamt auf Grund der gelungenen Instrumentierung und Mandys Gesang eine Einheit bilden. Man hätte ja auch denken können, dass so viele Coverversionen verschiedenster Künstler den Fluss des Albums verhindern.
Nun noch einmal zu den Liedern: „Senses working overtime", Carole Kings "I feel the earth move", Blonies „One way or another" und natürlich „Drop the pilot" sprühen nur so vor Energie und wechseln sich gut mit den Mid-Tempotracks und Balladen ab. Bei den Balladen fällt besonders Cat Stevens „Moonshadow" positiv ins Auge, da Mandy es sehr gefühlvoll singt. Aber auch „Can we still be friends", welches vielen noch gesungen von Robert Palmer im Ohr klingen mag, entwickelt durch Mandys Interpretation einen ganz eigenen Charme. Auch Elton Johns „Mona Lisa and Mad Hatters" gehört sicherlich zu den Sternstunden dieses Albums. Mandy covert ebenfalls Jack Johnsons „Breaking us in two", Joni Mitchells „Help me" sowie „Have a little faith in me" von John Hiatt (u.a. auch schon von Joe Cocker gesungen) sehr schön. Einzig „Anticipation" von Carly Simon geht bei mir im vergleich zu den anderen elf Stücken nicht so gut ins Ohr. Das mag aber auch darin liegen, dass ich das Original schon unspektakulär finde.
Fazit: Hier stimmt einfach alles: Musik, Stimme, Songauswahl! Zudem wird deutlich, dass Moore nur das richtige Material braucht, um sich stimmlich in voller Blüte zu präsentieren. Da bleibt nur zu hoffen, dass ihr eigenes Material, wie sie es schon mit „Only hope" gezeigt hat, es jemals mit diesem Album aufnehmen kann.
Anspieltipps: „The whole of the moon", „Moonshadow", „Drop the pilot", „Have a little faith in me"