Anton Chigurh (Javier Bardem) hat Freude an der Arbeit. Ja, man könnte es Lust nennen, das wird sofort klar. Er nimmt sie sehr sehr ernst und legt allergrößten Wert auf ihre sorgfältige und pflichtbewusste Erledigung. Aber er ist kein sympathischer Kerl. Er liebt es die Angst in Deinen Augen zu sehen. Und die hast Du wenn er Dich mit seinem starren, durchdringenden Blick fixiert. Wenn sich seine Gesichtszüge jedoch entspannen bist Du tot. Mit einem Bolzenschussgerät, wie man es zur Tötung von Vieh verwendet, reist er durch das Land und bringt für Geld Menschen um, im Auftrag anderer Menschen. Und dieses Mal sind es amerikanische Drogenhändler die ihn bezahlen...
Llewelyn Moss (Josh Brolin) ist Schweißer von Beruf, aber eigentlich ein echter texanischer Cowboy. Allein lauert er in der Wüste von Terrell County, mit von Sonne und Sand gegerbter Haut und zusammen gekniffenen Augen, auf Gabelböcke, um sie zu schießen und entdeckt dabei mehrere in der Landschaft herum stehende Pickups mit vielen Leichen drum herum. In einem der Pickups findet er einen angeschossenen Mexikaner, der um Wasser fleht. Aber Llewelyn hat keins. Als er einen Koffer mit zwei Millionen Dollar bei einem der Toten findet nimmt er diesen mit nach Hause. In der Nacht jedoch plagt ihn sein Gewissen wegen des Mexikaners und er fährt mit seinem Pickup zurück in die Wüste, mit einem Kanister Wasser im Gepäck. Ein Fehler. Denn der Mexikaner ist tot, die Scheibe des Pickups auf seiner Seite zerplatzt und mit seinem Blut verklebt. Und plötzlich fliegen Llewelyn die Kugeln um die Ohren. Er kann leicht verletzt fliehen, aber nun ist Anton Chigurh hinter ihm her...
Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) ist Sheriff von Terrell County. Ein alter Mann vom alten Schlag und die perversen Auswüchse der Gewalt müde. Er und sein Deputy finden die Pickups und die Leichen einen Tag später als Llewelyn. Bell findet und erkennt auch Llewelyns Pickup und ahnt sofort, dass der in Schwierigkeiten steckt. Er macht sich auf die Suche nach ihm, doch das ist schwierig, denn der Vietnam-Veteran Llewelyn ist ein Meister des Versteckens und Chigurh ist ihm wesentlich dichter auf den Fersen...
Wer die Coen-Brüder kennt, die diesen Film 2007 in die Kinos brachten, wird überrascht sein. Nicht dass ihr ganz spezieller, ebenso furztrockener, wie liebenswerter und schräger Humor hier keine Rolle spielte. Aber er tritt doch wesentlich in den Hintergrund und kommt hier nur tief schwarz an die Oberfläche, wie das Öl aus den verdorrten texanischen Böden. Stattdessen ist den Brüdern eine Melange aus lakonischem Western, bedrückendem Film Noir, respekt- und liebevollem Heimat- und finsterem Horrorfilm gelungen, wie man sie noch nicht gesehen hat. Es ist ein Film über eine Welt die aus dem Ruder läuft, in der Gleichgültigkeit, die Beliebigkeit von Wertvorstellungen und Gewalt den Alltag zunehmend bestimmen. Und wer sich darauf einlässt den Spuren der Protagonisten zu folgen braucht ebenso viel Geduld, Ausdauer und Scharfblick wie der Fährtensucher in der texanischen Wüste, um nichts zu übersehen und die Spur nicht zu verlieren. Und für jene die das noch nicht verstanden haben: das ist eine Qualität.
Weit abseits der gängigen Handlungsklischees woben die Coens diesen Film nach dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy („
Kein Land für alte Männer“ von Cormac McCarthy), kenntnisreich und mit überragendem Feingefühl. Der Film weist gewisse Parallelen zu „Fargo“ auf, jedoch weit abseits dessen muckeliger, betulicher Humorigkeit. Und in „No Country...“ ist der Schnee fein säuberlich in Päckchen verpackt. Vergesst aufrechte, siegreiche Helden, deren moralische Unantastbarkeit in der Schnelligkeit und Durchschlagskraft ihrer Colts liegt, vergesst die Verlässlichkeit des Siegs der Gerechtigkeit. Das hier ist nüchtern und wahr. Und deshalb so unvergesslich.
Anton Chigurhs Blick ist tödlicher als seine Frisur. Und das ist Javier Bardems exzellenter Darstellung zu verdanken, der hier eine Figur schuf, die in ihrer existenziellen Bedrohlichkeit einem Hannibal Lecter in nichts nach steht. Josh Brolin wirkt als Llewelyn Moss als sei er aus dem Wüstenboden gewachsen und habe dort vom Anbeginn der Zeiten an gelebt, mindestens aber so lange wie die einheimischen Indianer. Und Tommy Lee Jones, als ebenso netter wie bodenständiger Sheriff Ed Tom Bell, trägt die Last der ganzen Welt auf seinen müden Schultern und droht unter ihr zusammen zu brechen. Auch all die anderen Schauspieler, von den Coens mit viel Liebe für menschliche Authentizität ausgesucht, haben großen Anteil an der überwältigenden Wirkung des Gesamtbildes. Allen voran seien hier die Schottin Kelly McDonald, als Llewelins Frau Carla Jean und Woody Harrelson als doppelbödiger Mafia-Agent Carson Wells erwähnt.
Carter Burwells karger Soundtrack, der erst im Nachspann deutlich merkbar wird, ist scheinbar nicht auf Tonträger erhältlich.
Bild und Ton (Deutsch, Englisch, Türkisch Dolby 5.1) geben keinerlei Anlass zur Beanstandung. Untertitel gibt’s in den genannten Sprachen. Als Extras winken drei der für die Coen-DVDs üblichen, sehr informativen Featurettes: Die Arbeit mit den Coens, Making-of und Tagebuch eines Sheriffs.