Also der Anfang des Films enttäuschte mich. Ich dachte, das wäre wieder mal ein Fehlkauf (ich hatte den Film ohne Vorkenntnisse sehr billig vom Wühltisch eines Discounters gekauft, weil mir das Cover gefiel - es zeigt den Titel >COUNTDOWN<, wobei die zwei "N"s spiegelbildlich geschrieben sind - witzig, aber dieses russische "N" ist eigentlich ein "H"). Ich ließ den Film nach der anfänglichen Einstufung als Langweiler sehr unbeeindruckt vorbeiflimmern und wunderte mich darüber, dass die Russen so etwas für einen tollen Actionfilm halten. Nach etwa vierzig Minuten zeitgleich mit der Geiselnahme in einem voll besetzten Moskauer Zirkus durch islamische Fanatiker und tschetschenische Freiheitskämpfer bekommt der Film aber tatsächlich die Kurve, wird noch sehr spannend und es gelang ihm, meine Aufmerksamkeit bis zur letzten Minute aufrecht zu halten. Neben den Action-Szenen um den besetzten Zirkus und der Befreiung der Geiseln gibt es noch die durchaus interessanten Szenen in einem russischen Frachtflugzeug, das mit einer schmutzigen Bombe auf Rom zufliegt. Alles wie bei James Bond, nur ein paar Nummern kleiner.
Vom technischen Standpunkt ist der Film professionell gemacht. Er ist sehr gut ausgeleuchtet, hat teilweise eine attraktive Farbgebung, klare Trennung von Vorder- und Hintergrund durch Unschärfen (was ich mag) und zeigt auch wunderbar weite, fast menschenleere Landschaften in Russland. Der Soundtrack ist sehr räumlich und erstaunlich gut gewesen, sogar auf meiner vorsintflutlichen Anlage. Die Story, die angeblich auf der wahren Geschichte des russischen "Helden des Volkes" Alexei Galkin beruhen soll (der Filmheld heißt aber Alexei Smolin), erinnert irgendwie an amerikanische Filme wie >Stirb langsam< oder >Alarmstufe Rot<, in denen ein einzelner Kämpfer eine Terroristen-Gruppe aufmischt. Aber die genannten amerikanischen Filme fand ich doch besser, denn sie enthalten auch etwas Humor, der in diesem Film leider völlig fehlt. Die deutschen Dialoge des Films >Countdown< sind total konventionell und ich fand sie wirklich schlecht. Bei der Besetzung der Schauspieler, von denen ich nicht weiß, wie bekannt sie in Russland sind, hat man meiner Meinung nach auch gehörig daneben gegriffen. Gut besetzt fand ich die Journalistin und den Sohn des tschetschenischen Ministerpräsidenten. Der Oberbösewicht ist ein kleiner Mann, von dem man nicht einmal erfährt, wieso er so ein Schuft ist. Oder ich hab's nicht mitbekommen. Der ausführende Bösewicht (im Zirkus) ist eine Art blonder Bodybuilder-Dressman, dem man seine Boshaftigkeit nicht so richtig abnehmen kann. Und es gibt noch zwei weitere wichtige Finsterlinge, so dass man sich hier ziemlich verzettelt hat. Etwas mehr bond'scher Endgegner wäre besser gewesen.
Ich habe lange zwischen 3 und 4 Amazonen-Sternen geschwankt, aber dann doch vier Sterne vergeben, weil der Film letztendlich doch noch sehr positiv überraschte. Kaufen Sie also den Film, um der russischen Filmindustrie unter die Arme zu greifen und / oder den "Helden des Volkes" zu ehren :-). Vielleicht werden die Filme aus Russland ja irgendwann noch besser, wenn mehr Rubel rollen. Dies war ja schon einmal besser als das, was man an deutschen Filmen so sieht.