Der Kunstmann Verlag hat schon 2009 mit dem Buch von Matthew Johnstone "Mit dem schwarzen Hund leben" den Versuch gewagt, ein Thema aus dem Bereich der Psychotherapie mit sehr wenig Text und dafür vielen Bildern zu bearbeiten.
Matthew Johnstone hat selbst viele Jahre unter schwersten Depressionen gelitten und seine Frau hat es geschafft, ihn liebevoll durch diese Jahre zu begleiten und damit nicht unwesentlich zu seiner Genesung beigetragen.
Sie haben, jeder aus einer anderen Perspektive, mit "dem schwarzen Hund" gelebt und sich danach entschlossen, einen ganz besonderen Ratgeber zu verfassen "wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren".
Es ist ein Buch mit wenig Text, der aber sehr sensibel und eindrücklich die verschiedenen Stadien und Erscheinungsformen der Krankheit treffend beschreibt. Besonders beeindruckend sind die Zeichnungen und Bilder, die die beiden für das Leben in der Depression gefunden haben.
Insgesamt trifft das für alle Betroffenen absolut empfehlenswerte Buch einen Ton, der gut geeignet ist, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und die gesellschaftliche Vereinsamung zu durchbrechen, unter der depressive Menschen und ihre Angehörigen und Freunde leiden.
Mit "Couch Fiction" von Philippa Perry legen die Leute von Kunstmann nun eine Art Einführung in die Psychotherapie vor, die gemacht ist wie ein Comic Strip. Es wird die Geschichte einer Psychotherapie erzählt mit einem erfundenen Klienten, in dessen Geschichte aber viele tatsächliche Fallgeschichten aus Perrys Praxis eingeflossen sind. Der Klient heißt James und ist ein erfolgreicher Anwalt. Aber er hat ein Problem: aus irgendeinem Grund kann er es nicht lassen Dinge zu stehlen. Vom ersten Anruf, über den Beginn der Therapie und die bald sich einstellenden Widerstände wird all das beschrieben, was in einer Therapie geschieht. Unten auf den Seiten wird das Geschehen auf den Comics fachgerecht erklärt, sodass man am Ende eines interessanten und lebendigen Buches etwas Wesentliches gelernt hat. Etwas, was Perry in ihrem Vorwort so beschreibt:
Es geht darum, "wie wir echten Kontakt mit anderen, mit uns selbst und mit unserer Umwelt vermeiden, um den Gefühlen, die echter Kontakt hervorrufen könnte, aus dem Weg zu gehen. Sind wir uns dieser Störungen im Kontakt mit der Welt nicht bewusst, kann daraus eine Neurose entstehen und wachsen. Manchmal glauben wir, eine Beziehung zu jemandem oder etwas zu haben, während diese Beziehung in Wirklichkeit nur in unserer Vorstellung besteht, da wir den Kontakt mit der betreffenden Person oder Sache weitgehend vermieden haben. Wenn wir ein solches Verhaltensmuster beibehalten, werden wir neurotisch und berauben uns wertvoller Erfahrungen im Leben."
Das Vermeiden von Kontakt und Gefühlen ist eine kreative Anpassung an die Lebensbedingungen in der Kindheit, durch die es dem einzelnen Menschen gelungen ist, zu überleben. Wenn sich später, im Erwachsenenleben das Umfeld geändert hat, bleiben die Individuen den in der Kindheit erworbenen, damals durchaus sinnvollen Angewohnheiten so verhaftet, dass es nicht gut für sie ist und sie krank werden, an fehlendem Kontakt zu sich, zu anderen und zur Welt.
Dieses Thema liegt dem hier anzuzeigenden Buch zugrunde. Es eignet sich ganz hervorragend als aufgelockerte Einführung in die Thematik, als angstlösende Lektüre für all jene , die vielleicht schon lange spüren, dass irgendetwas ihr Leben und ihr Glück behindert, die sich aber nicht trauen, dem in einer Therapie auf die Spur zu kommen und heil zu werden.