Gerade in England ist über Kostümgeschichte viel geschrieben worden. Doch kaum ein Buch eröffnet dem Leser so tiefe Einblicke in die Kleidung vergangener Epochen wie Nancy Bradfields "Costume in Detail 1730-1930". Das Buch gehört zu den älteren Werken der Kostümkunde, welche auch nach einigen Jahrzehnten nicht ihre Relevanz verlieren (das Buch wurde zuerst 1968 veröffentlicht und erfuhr seitdem zahlreiche Neuauflagen). In jahrelanger Arbeit hat die Autorin Großbritannien bereist und in Kostümsammlungen Originalstücke begutachtet und analysiert. Der Lohn dieser Arbeit ist diese fast 400 Seiten starke Buch mit ihren Zeichnungen und Skizzen von Damenkostümen. Die Abbildungen sind durchgängig schwarz / weiß - die große Detailtreue läßt jedoch keine Farbbilder oder gar Fotos vermissen. Nimmt man sich ein wenig Zeit um sich "einzusehen", eröffnet sich sehr schnell die zunächst verwirrend erscheinende Vielzahl an Zeichnungen, Skizzen und kleinen Notizen. Der Zeitrahmen von 300 Jahren ist in fünf Kapitel aufgeteilt die jeweils eine bestimmte Modeepoche repräsentieren. Zu Beginn jedes neuen Zeitabschnitts werden kurz die Veränderungen in der Mode dargestellt und anhand von Abbildungen der Zeit sichtbar gemacht. Derart gerüstet geht es dann ins Detail: jede Doppelseite befaßt sich mit einem, manchmal auch mehreren Kleidungsstücken. Es werden mehrere Ansichten des gleichen Stückes gezeigt, wie Vorder- und Rückenansicht, Detailzeichnungen, Innenansichten, usw. Dazu erklärt ein knapper Text aus welchem Material das Originalstück besteht und auch zur Konstruktion werden Erklärungen gegeben. Was "darunter" getragen wurde wird ebenso festgehalten, auch wenn die jeweiligen Stücke nicht extra dargestellt sind, da sich diese in den wenigsten Fällen erhalten haben. Wie haben Sonnenschirmen zur Zeit des Regency ausgesehen? Eine Doppelseite zeigt auch diese Accessoires. Ob Schuhe, Hüte, Kappen, Taschen, Fächer - wo andere Kostümbücher aufhören (nämlich bei der Oberbekleidung) fängt Bradfields Buch erst an. Niemand der erst einmal mit diesem Werk gearbeitet hat wird es jemals wieder missen möchten. Von großem Wert ist es für Rekonstruktionen historischer Kostüme, Theater und Film und Kostümstudien. Der einzige Wunsch den es offen läßt, ist der nach einem Pendant für die Herrenmode. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)