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Cosmopolis
 
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Cosmopolis [Gebundene Ausgabe]

Don DeLillo , Frank Heibert
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kein guter Tag, um sich die Haare schneiden zu lassen: Der Weg zu Eric Packers Lieblingsfriseur ist zwar nicht allzu beschwerlich, besonders wenn man in einer komfortablen Stretchlimosine unterwegs ist, aber die 47. Straße führt nun mal quer durch Manhattan, und das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag im April 2000 kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses postmoderne Pandämonium schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen.

Eric Packer ist unermesslich reich, ein gewissenloser Spekulant der New Economy, dessen Blick auf die Wirklichkeit durch Spy-Kameras und Börsennachrichten distanziert und zynisch geworden ist. Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Am Ende des Tages schließlich verliert Packer nicht nur das Geschäft seines Lebens, sondern kommt selbst zu Tode -- ein finaler Akt der sinnlosen Gewalt, der in dieser Geschichte ebenso banal wie logisch erscheint.

Don DeLillos Roman wirft einen schonungslosen Blick ins Innere der aufgeheizten Geldkultur und des hemmungslosen Spekulantentums der neuen Märkte am Beginn des 20. Jahrhundert. Mit virtuellen Valutaverschiebungen werden Milliarden gescheffelt und Finanzimperien für einen Tag aufgebaut, um im nächsten Moment zu kollabieren und dabei ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu reißen. Nach seinem epischen Großwerk Unterwelt und der eher lyrischen Skizze Körperzeit legt DeLillo mit Cosmopolis eine irritierend bösartige Vignette amerikanischer Gegenwartskultur vor, die radikal entlarvend und zugleich wider Willen faszinierend wirkt; ja trotz der Exzesse Packers bisweilen sogar komisch. --Peter Schneck

Hörbuch-Rezension

Düster, trost- und beziehungslos, dekadent und Schrecken einflößend -- Cosmopolis entwirft das Bild eines nihilistischen Zynikers, eines 28-jährigen Börsenspekulanten, der sich an einem Tag im Jahr 2000 mit seiner weißen Stretchlimo quer durch New York chauffieren lässt. Grund: Er will sich die Haare schneiden lassen. Weder der in der Stadt weilende Präsident, noch die Globalisierungsgegner, nicht einmal eine persönliche Morddrohung können ihn davon abbringen. Erst als der Yen sinkt, gerät auch sein Leben ins Wanken. Eric Packer ist der Ingebegriff eines kaputten, identitätslosen Menschen, der alles hat, Reichtum und Macht, der seinen Geist mit Gedichten, die er nach Zeilen auswählt, füttert. Darüber hinaus repräsentiert er den Zusammenbruch der New Economy und der Börsen, verkörpert eine Gesellschaft, in der das Cyberkapital den Menschen beherrscht.

Zumindest in der Wahrnehmung des Protagonisten passiert relativ wenig: weder die Blockierung durch der Globalisierungsgegner, noch der Mensch, der sich selbst verbrennt, auch nicht die Beerdigung eines Rappers -- nichts von allem rührt Eric Packer wirklich an. Gelangweilt schwebt er in seiner Limousine durch die Stadt, trifft eine Geliebte, seine Frau, tötet seinen Sicherheitschef… und scheint für einen kurzen Moment bei dem Frisör, der ihn schon als Kind die Haare schnitt, Ruhe zu finden. Aber eben nur wenige Minuten, dann macht er sich auf den Weg zu seinem Mörder, der ihm seinen Ikarus-Sturz prophezeit. Als gefühlskalter Technokrat begegnet Eric Packer seinen Mitmenschen grundsätzlich mit der Überzeugung, sie hätten nur eine Existenzberechtigung, sofern sie in seinem Leben etwas auslösen können.

Neben der Sozial- beherrscht die Sprachkritik den Roman. Wörter wie „Computer“, „Telefon“, „Walkie-Talkie“ oder „Palm Organizer“ werden hier als anachronistisch gebrandmarkt. Ohne Zweifel liefert der Roman ein ziemlich realistisches Abbild unserer Gesellschaft und ortet ihn durch die allgegenwärtige Kommunikationstechnologie samt Markennamen unverkennbar im Jahr 2000. Sein sich langweilender Protagonist könnte aber genauso gut ein Bruder von Huysmans Adligem Des Esseintes in „A rebours“ sein, der sich gänzlich aus der Realität zurückzieht. Beider Leben könnte man künstlich nennen.

Don DeLillo ist einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. 1971 erschien sein erster Roman Americana. Es folgten: Die Namen (1982), Sieben Sekunden (1991), Unterwelt (1997), Bluthunde (2000), Körperzeit (2001) und Cosmopolis (2003). Don DeLillo wurde mit dem National Book Award und dem Faulkner Award geehrt.

Christian Brückner holt aus dieser erdrückenden Bestandsaufnahme alles raus: Seine Stimme entspricht dem „kühlen“ Sound genauso wie den harten Schnitten dieser Stationen durch Manhattan. Die zahllosen zynischen Reflexionen klingen bei ihm gleichermaßen echt wie die Passagen, die sich durch pausenlose Aktion auszeichnen. Dennoch klingt die Geschichte oft konstruiert und erinnert an ein Thesenstück. Ohne Zweifel muss man sich in diesen Roman erst einstimmen.

Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 358 Minuten, 4 CD. --culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 26.08.2003
Vor kurzem erst hätten die beiden Shooting Stars der amerikanischen Literaturszene, Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, den literarischen Ansatz eines Thomas Pynchon oder Don DeLillo für überholt erklärt, wundert sich Christoph Schröder. Weit gefehlt, denn "Cosmopolis", der jüngste Roman des mittlerweile 66-jährigen DeLillo, der diese Woche auf Deutsch erscheint, straft dieses Statement Lügen, befindet der Rezensent. "Cosmopolis" sei verstörend, brillant geschrieben und superintelligent, schwärmt Schröder, ein "historischer Roman aus dem Cyberspace" von großer diagnostischer Qualität, der beweise, das sich die "radikal-technoide Ästhetik" eines DeLillo noch lange nicht erledigt habe. Charaktere, Psychologie gebe es in dem Roman von gut 200 Seiten kaum, gibt Schröder zu, dagegen ertöne der kühle charakteristische DeLillo-Sound, der sich mit einem "kalten Schnitt" und präzisem analytischem Besteck in das Milieu der Global Players wagt. Formal beschreibt der Roman die Fahrt eines solchen Global Players zum Friseur quer durch die Stadt, die so zu einer Art Stationendrama im Finanzmilieu wird - mit tödlichem Ausgang. Denn, so lautet Schröders Schlussfolgerung, dem permanenten Zahlenrausch und der unentwegten Beschleunigung der Zeit durch Datenströme sei nur noch durch anachronistische Akte Einhalt zu gebieten. Insofern, sinniert der Rezensent, sei dieser Roman womöglich der Abschied von einer Ära, die viele noch als Zukunft betrachteten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 02.09.2003
Beeindruckt zeigt sich Harald Fricke von Don DeLillos jüngstem Roman "Cosmopolis", dem man seines Erachtens zu Unrecht als politischem Chronisten der USA ein Beschweigen aktueller Probleme wie dem Terrorismus vorgeworfen hat. Für Fricke beschäftigt sich DeLillo sehr wohl mit den Ängsten des 21. Jahrhunderts, indem er den Versuch unternimmt, das Strudeln der New Yorker Wirtschaftselite im globalen Marktgefüge zu beschreiben und in Person des jungen Bankers Eric Packer (der im übrigen durch eine Kugel stirbt) das so abstrakt erscheinende Verhältnis von Geld, Markt und Mensch zu erforschen. Darum wirke der nur 200 Seiten starke und verdichtete Roman auch nur auf den ersten Blick wie ein Film Brian de Palmas, meint Fricke: die Welt des Geldes hinter glitzernden Fassaden versteckt, aus getönten Limousinenfenstern betrachtet, mit extravaganten Schwenks und Weitwinkeleinstellungen sowie brutalen Zwischenschnitten dingfest gemacht. Erzählerisch schlägt sich diese Sichtweise mal in atemloser Action, mal in eher existenzialistischen Meditationen nieder, so der Rezensent. Denn in Wirklichkeit gehe es DeLillo darum hinter die Fassaden, hinter die Oberfläche der Dinge zu dringen; "Cosmopilis" ist der Versuch, schreibt Fricke, den "Terror der Verdinglichung" aufzubrechen und den "Markt als lebendigen Organismus" zu begreifen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

"Es ist DeLillos einzigartige Fähigkeit, dass man das Echo der Erschütterungen spürt, ohne dass von ihnen die Rede ist." (Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
"DeLillo hat seine eigene Stimme, harsch, zerklüftet, beunruhigend eloquent." (Anthony Burgess, The Saturday Review)
"Wieder denkt DeLillo über die moderne Welt in einer Sprache und in Bildern nach, wie es hintergründiger kein zeitgenössischer Schriftsteller könnte." (San Francisco Chronicle)
"Die Realität ist immer eine Mischung dessen, was uns vorgegaukelt wird und was wir uns dazu vorstellen." (Don DeLillo)

Kurzbeschreibung

New York an einem Tag im April 2000. Eric Packer, erfolgreicher und steinreicher Vermögensverwalter, fährt in seiner weißen Stretchlimousine durch die Stadt. Weltweit wackeln die Börsenkurse, geraten die Finanzmärkte ins Trudeln. Auch Eric Packers Leben gerät ins Wanken. "Cosmopolis" ist die Geschichte eines Tages im Leben eines besessenen "Global Players" - grotesk, witzig, böse, klug.Eric Packer ist achtundzwanzig und besitzt alles, was man besitzen kann - ein Milliardenvermögen, eine Luxuswohnung, eine reiche Frau. Zweierlei hat sich Eric, ein besessener Global Player, für diesen Tag im April 2000 vorgenommen, als er morgens in seine mit allen digitalen Finessen versehene Limousine steigt - er will zum Friseur auf der anderen Seite der Stadt und an der Börse spekulieren.
Auf der Fahrt durch Manhattan bleibt der Wagen ständig im Stau stecken, denn der Präsident ist zu Besuch, der Beerdigungszug eines Rappers verstopft die Straßen, eine gewalttätige politische Demonstration findet statt, ein Film wird gedreht. Eric, immer online, empfängt währenddessen in seiner Limousine der Reihe nach seine Finanz- und Psychoberater sowie seinen Arzt. Er verlässt den Wagen, um seine Frau oder andere Frauen zu treffen. Die Situation an der Börse wird immer riskanter für ihn, zudem meldet sein Sicherheitsdienst Gefahr. Der Haarschnitt ist noch nicht fertig, als Eric einem anderen Besessenen begegnet.

Klappentext

"Don DeLillo ist ein Meister der Kunst, uns das Beklemmende und Bizarre des ganz normalen Alltagslebens spüren zu lassen; ein Kulturpessimist, der zuweilen selbst der Verzweiflung noch erzkomische Züge abgewinnt."
Die Zeit

"Don DeLillo ist einer der wichtigsten und sprachmächtigsten Autoren unserer Tage."
Applaus

"Wieder denkt Don DeLillo über die moderne Welt in einer Sprache und in Bildern nach, wie es hintergründiger kein zeitgenössischer Schriftsteller könnte."
San Francisco Chronicle -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Er ging durch die Wohnung, achtundvierzig Zimmer. Das tat er, wenn er sich zaudernd und deprimiert fühlte, schlenderte am Sportschwimmbecken entlang, dem Spielsalon, dem Fitnessraum, vorbei am Haifischbecken und dem Vorführsaal. Er blieb am Barsoizwinger stehen und sprach mit seinen Windhunden. Dann ging er in den Nebentrakt, wo es Währungen im Auge zu behalten und Hintergrundberichte auszuwerten galt. Der Yen war entgegen den Erwartungen über Nacht gestiegen."
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