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Eric Packer ist unermesslich reich, ein gewissenloser Spekulant der New Economy, dessen Blick auf die Wirklichkeit durch Spy-Kameras und Börsennachrichten distanziert und zynisch geworden ist. Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Am Ende des Tages schließlich verliert Packer nicht nur das Geschäft seines Lebens, sondern kommt selbst zu Tode -- ein finaler Akt der sinnlosen Gewalt, der in dieser Geschichte ebenso banal wie logisch erscheint.
Don DeLillos Roman wirft einen schonungslosen Blick ins Innere der aufgeheizten Geldkultur und des hemmungslosen Spekulantentums der neuen Märkte am Beginn des 20. Jahrhundert. Mit virtuellen Valutaverschiebungen werden Milliarden gescheffelt und Finanzimperien für einen Tag aufgebaut, um im nächsten Moment zu kollabieren und dabei ganze Volkswirtschaften in den Abgrund zu reißen. Nach seinem epischen Großwerk Unterwelt und der eher lyrischen Skizze Körperzeit legt DeLillo mit Cosmopolis eine irritierend bösartige Vignette amerikanischer Gegenwartskultur vor, die radikal entlarvend und zugleich wider Willen faszinierend wirkt; ja trotz der Exzesse Packers bisweilen sogar komisch. --Peter Schneck
Zumindest in der Wahrnehmung des Protagonisten passiert relativ wenig: weder die Blockierung durch der Globalisierungsgegner, noch der Mensch, der sich selbst verbrennt, auch nicht die Beerdigung eines Rappers -- nichts von allem rührt Eric Packer wirklich an. Gelangweilt schwebt er in seiner Limousine durch die Stadt, trifft eine Geliebte, seine Frau, tötet seinen Sicherheitschef und scheint für einen kurzen Moment bei dem Frisör, der ihn schon als Kind die Haare schnitt, Ruhe zu finden. Aber eben nur wenige Minuten, dann macht er sich auf den Weg zu seinem Mörder, der ihm seinen Ikarus-Sturz prophezeit. Als gefühlskalter Technokrat begegnet Eric Packer seinen Mitmenschen grundsätzlich mit der Überzeugung, sie hätten nur eine Existenzberechtigung, sofern sie in seinem Leben etwas auslösen können.
Neben der Sozial- beherrscht die Sprachkritik den Roman. Wörter wie Computer, Telefon, Walkie-Talkie oder Palm Organizer werden hier als anachronistisch gebrandmarkt. Ohne Zweifel liefert der Roman ein ziemlich realistisches Abbild unserer Gesellschaft und ortet ihn durch die allgegenwärtige Kommunikationstechnologie samt Markennamen unverkennbar im Jahr 2000. Sein sich langweilender Protagonist könnte aber genauso gut ein Bruder von Huysmans Adligem Des Esseintes in A rebours sein, der sich gänzlich aus der Realität zurückzieht. Beider Leben könnte man künstlich nennen.
Don DeLillo ist einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. 1971 erschien sein erster Roman Americana. Es folgten: Die Namen (1982), Sieben Sekunden (1991), Unterwelt (1997), Bluthunde (2000), Körperzeit (2001) und Cosmopolis (2003). Don DeLillo wurde mit dem National Book Award und dem Faulkner Award geehrt.
Christian Brückner holt aus dieser erdrückenden Bestandsaufnahme alles raus: Seine Stimme entspricht dem kühlen Sound genauso wie den harten Schnitten dieser Stationen durch Manhattan. Die zahllosen zynischen Reflexionen klingen bei ihm gleichermaßen echt wie die Passagen, die sich durch pausenlose Aktion auszeichnen. Dennoch klingt die Geschichte oft konstruiert und erinnert an ein Thesenstück. Ohne Zweifel muss man sich in diesen Roman erst einstimmen.
Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 358 Minuten, 4 CD. --culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Degenerierter Superkapitalismus,
Von Lamacz (Burgdorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Cosmopolis (Gebundene Ausgabe)
Don deLillo schreibt über den superreichen Eric Parker. Ein Mann, Ende Zwanzig, der es in der Welt von Finanztransaktionen und Superkapitalismus zum Gipfel des Erfolgs gebracht hat. Allerdings lebt Parker nur noch einer abstrakten Gedankenwelt, die versucht weltliche Finanzbewegungen anhand von Mustern und Zyklen vorhersehbar zu machen. Daran scheitert er und das ist auch der Anfang seines Endes. Sein letzter Tag findet größten Teils innerhalb seiner Stretchlimo statt aus der er das Chaos seiner Umgebung nur naiv betrachten kann. Auf seinem Weg zum Friseur nähert er sich, wie eine Motte dem Licht, seinem sicheren Tod. In dem Tagebuch seines Mörders kann man lesen, warum er sterben soll. Die Leben der beiden Besessenen treffen sich und werden zu einem gemeinsamen Schicksal.Das Buch ist klug geschrieben, messerscharf, böse und kalt. Man kann es kaum aus den Händen legen. Man wird von der Geschichte mitgerissen und in die degenerierte Gedankenwelt der Hauptfiguren entführt. Mit keinem kann man sich identifizieren, weil Beide die krankhaften Enden einer kalten Gesellschaft bilden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Bonjour tristesse,
Von
Rezension bezieht sich auf: Cosmopolis (Gebundene Ausgabe)
Durchweg positive Kritiken zum neuen Roman von Don le Lillo in Presse und TV. Mein erster Buch des US-amerikanischen Kultautors, der vor allem durch seinen Roman "Sieben Sekunden" seinen unbestrittenen Weltruhm begründete. Ich bin in bezug auf diesen Autor aber skeptisch. Nein, "Cosmopolis" konnte mich nicht überzeugen. Keine wirkliche Botschaft für mich erkennbar. Tatsächlich aber unbeschreibliche Langeweile beim Lesen. Natürlich ist es schon wieder ein Superreicher, der sich in seiner Strech-Limo - ähnlich gelangweilt wie der Leser - kreuz und quer durch NYC fahren lässt und als Art öffentliches Verkehrsmittel bereitwillig zahlreiche Personen aufnehmen und wieder entlassen will. Es geht naturgemäß am Rande um viel Geld, welches bei einer waghalsigen Spekulation auch schnell verinnt. Dies scheint den fahrfreudigen Besitzer wenig bis gar nicht zu stören. Hauptsache man schafft den Friseurtermin. Oder auch nicht. Ist im Grunde egal. Sterben mit frisierten Haaren oder sterben mit unfrisierten Haaren? Dem "Titelhelden" ist das naturgemäß völlig gleichgültig. Überhaupt: Gleichgültigkeit auf allen (Buch-)Seiten. Eben jene Gleichgültig erschloss sich auch mir beim Lesen diese Buches. Im Ergebnis ist es also vollkommen egal, ob dieser Roman gelesen oder aber tatsächlich nicht gelesen wird. Spannung nur am Ende: Ob mich frühere Werke dieses Autors bewegen und mitreissen und unterhalten können? Dieses Buch konnte es nicht. Schade.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Sperrig und wenig mitreißend,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Cosmopolis (Gebundene Ausgabe)
Für mich war Cosmopolis nur sehr mühsam zu lesen. DeLillo bemüht sich, Dialoge bruchstückhaft und ästhetisiert wirken zu lassen, als ob ihm eine normale Erzählform zu gewöhnlich und banal scheint. Die Figuren wirken kalt und voller Sehnsucht nach dem Ende. Ich kann darin weniger das New Yorker Börsenleben erkennen als den Wunsch DeLillos, besonders klug und geistreich wirken zu wollen. Absurde und groteske Handlungsfäden werden mit sperrigen Beschreibungen und Dialogen zusammen gehalten. Ich habe es bereut, dieses Buch gekauft zu haben. Für so etwas bekommt man vielleicht von Kritikern einen Preis, mich als Leser aber nervt es und hinterlässt keine nachhaltigen Erinnerungen.Ich gebe drei Sterne, weil es mir nicht gefällt, in seiner Art aber konsequent und handwerklich gut gemacht wurde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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