... sondern eine Erfindung des Ehepaar Mohr, mit dem geschickt die Prominenz des durch Joe Vitales Artikel über Dr. Hew Len und dessen bemerkenswerte Erfolge im Hawaii State Hospital weltweit berühmt gewordenen Begriffs Ho'oponopono ausgeschlachtet wird. Wie schlecht die Hintergründe recherchiert sind, zeigt schon die Bezeichnung des Untertitels, der da lautet: "Die neue Dimension der Realitätsgestaltung aus dem alten hawaiianischen Ho'oponopono" Dieser Untertitel ist gleich in doppelter Hinsicht falsch, denn weder ist das, was in dem Buch beschrieben wird Ho'oponopono, noch bezieht sich das Ehepaar Mohr mit ihrem Etikettenschwindel auf das alte Ho'oponopono, das ein sehr komplexes Gruppenritual für Clans und Familien war, das abgehalten wurde, wenn es Streit gab. Eine gute - allerdings englische - Quelle dazu ist
Ho'oponopono: Contemporary Uses of a Hawaiian Problem-Solving Process Nein, was hier ausgeschlachtet wird, ist die Popularität des Self-I-Dentity through Ho'oponopono, wie es von Dr. Ihaleakala Hew Len weltweit unterrichtet wird. Das Verfahren kann übrigens in einem einzigen Wochenende erlernt und dann auch praktiziert werden - diese Mühe haben die Mohrs sich gespart - und wurde von Dr. Hew Lens Lehrerin Morrnah Nalamaku Simeona zu Beginn der 1980er Jahre öffentlich gemacht. Ich habe im Herbst 2008 an Dr. Hew Lens Seminar in Frankfurt teilgenommen, kann also aus eigener Erfahrung feststellen, dass dieses Buch praktisch überhaupt nichts mit dem Original des von Morrnah entwickelten Self-I-Dentity through Ho'oponopono zu tun hat.
Manfred und Bärbel Mohr versuchen hier, Ho'oponopono ihrem Konzept der "Bestellungen beim Universum" einzugliedern bzw. zu unterwerfen, also in ihren eigenen Worten eine "Turbomethode" (Seite 12) bzw. "eine Art Bestellung beim Universum für Fortgeschrittene" (Seite 13f) daraus zu machen. Wie wenig ihnen dabei das Original am Herzen liegt, zeigen die zahlreichen sachlichen Fehler, die im Umgang mit den wenigen Fakten, die ihnen zur Verfügung standen, den Weg ins Buch gefunden haben, von denen ich hier nur zwei beispielhaft erwähnen möchte:
1. "Dr. Len, ein hawaiianischer Arzt..." (Seite 10) Tatsächlich hat Dr. Hew Len ein Doktorat in Psychologie von der Universität in Iowa. Medizin hat er nicht studiert.
2. "Außerdem sieht er (Dr. Hew Len) seine Hauptaufgabe darin, Menschen zu 'erwecken', die aus seiner Sicht 'eingeschlafen' sind." (Seite 29) Ich habe Dr. Hew Len schon einiges sagen hören, aber noch niemals, dass er sich auf andere Menschen bezogen hätte. Er reinigt einfach mit den Teilen in ihm, die Leid in dem verursachen, was er in sich als Welt erfährt. Es geht dabei einzig und allein darum, die Erinnerungen im eigenen Unterbewusstsein zu heilen, in denen im Self-I-Dentity through Ho'oponopono die Ursache allen Leidens gesehen wird.
Worum geht es nun im vorliegenden Buch? Es geht um von den Autoren erdachte Psychotechniken, die allesamt auf der Bewusstseinsebene getrennter Wesen operieren, die versuchen, Trennung zu überwinden, anstatt wie im Origial Self-I-Dentity through Ho'oponopono zunächst zu erkennen, dass es nie eine Trennung gab und wir mittels der von Dr. Hew Len und der Foundation of I gelehrten Techniken erfahren können, wie wird diese auf verschiedensten Bewusstseinsebenen angesiedelten Memories (zu deutsch: Erinnerungen) bereinigen können.
Frau Mohr erfand den Begriff "hoppen" für ihre Techniken, was aus meiner Sicht weniger mit ihrem krampfhaften Versuch zu tun hat, alles, was ihr in die Finger kommt auf eine Weise zu banalisieren, dass es auch in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben gedruckt werden könnte, sondern vor allem mit dem fehlenden Respekt davor, dass es sich bei Self-I-Dentity through H'oponopono um einen tiefgründigen Prozess handelt, in dem selbst die Kraft des Namens schon reinigende Wirkung hat, ähnlich den kraftvollen Mantren des Yoga und des Buddhismus.
Auf der beiliegenden gewohnt amateurhaft produzierten DVD - wie schon auf
Bärbel Mohr's Cosmic Ordering - wirkt Frau Mohr wieder mal gewollt locker und bestätigt den flachen Inhalt des Buches, der in Übungssequenzen repliziert wird.
Fazit: Hier wird einfach nur auf der Welle der Popularität mitgeritten, die durch Joe Vitales Bericht über Dr. Hew Len und Self-I-Dentity through Ho'oponopono ausgelöst worden ist, ohne die Tiefe des eigentlichen Prozesses auch nur im Ansatz zu erfassen. Wie Frau Mohr korrekt anmerkt bedeutet Ho'oponopono u.a. "etwas richtigstellen". Genau dies war meine Absicht, diese Rezension zu verfassen.