Diese drei Gesichtspunkte charakterisieren das neue Werk, das ich mal als E.P. bezeichnen möchte. 6 Titel und eine Gesamtspielzeit von 30:20 Minuten. Auch mit viel Wohlwollen ist das kein Album, sorry. Wenn denn wenigstens die Qualität der Songs so hochwertig wäre, dass man 30 Minuten Highlights bekäme, aber das ist nicht der Fall. Beinharte rosarote Brille Fans jubeln sowieso über Alles, okay. Der kritischere Hörer wird enttäuscht. Und dabei fängt es mit Gira la Testa (bezeichnenderweise auch der einzige Titel der Scheibe, den Branduardi auf der aktuellen Tour zum Album live spielt) noch richtig toll an. Ein schönes Lied, ganz im Zuge und Stil alter Branduardi Klassiker wie z.B. Si puo fare oder Ball in fa diesis minore. Daumen hoch für einen Supersong mit leicht irischen Anleihen. Aber alles, was danach kommt, kann vom Niveau absolut nicht mithalten. Und das hat mehrere Gründe. Vorneweg: An der Produktion liegt es nicht. Das Album klingt fantastisch, was auch an der Rückkehr von Fabrizio liegen dürfte, der dem Klang seinen Stempel aufdrückt und die sehr klinisch und elektronisch klingenden Alben Infinitamente Piccolo und Altro ed altrove vergessen macht. Nun aber zum Hasen im Pfeffer. Babriallen, der zweite Titel der Scheibe, ist beileibe kein schlechter Song, wenn die Melodie nicht fast 1:1 bei sich selber abgekupfert worden wäre. (Man höre mal ins Domenica e Lunedi Album rein) Dennoch mit viel Wohlwollen eine schöne Nummer, vielleicht einen Tick zu lang, da der Song keinen eigentlichen Refrain und keine Abwechslung hat, so daß die immer gleiche Melodie totgespielt wird. Il lungo addo, Stück Nummer drei, eine Coverversion von Elvis Costello, reißt einen auch nicht vom Hocker. Es handelt sich auch nicht wirklich um eine der besten Kompositionen von Costello - zu sperrig die Melodieführung. Geht als Durchschnitt gerade so durch. Mit der nächsten Nummer legt Branduardi in puncto "bei sich selbst abgeschrieben" noch eine Nummer drauf. Hinzu kommen bei diesem Stück eindeutig schiefe Töne beim Gesang - auch bei Titel Nummer fünf liegt er schön daneben. Das tut weh. Was war da los im Studio? Das hätte man korrigieren müssen. So ist es definitiv ein Totalausfall. Die letzten beiden Songs reißen auch keine Bäume mehr aus, sie sind unspektakulär (auch die Gastsängerin überzeugt nicht). Und so ist dieses eine der schelchtesten Veröffentlichungen des Barden, was schade ist, denn die neuen Songs auf Senza Spina waren allesamt erstklassig und bis zum nächsten Popalbum werden wohl wieder fünf oder sechs Jahre ins Land gehen.