Immer wieder hört man gutes von Hugo Pratts Comic-Serie Corto Maltese. "Die Südsee- Ballade" ist der erste Band der Serie, der veröffentlicht wurde, obwohl es mittlerweile auch Geschichten gibt, die vor den hier geschilderten Ereignissen spielen. Auf anraten von Bekannten habe ich mir also diesen Band gekauft, um die hochgelobte Charakterisierung der Figuren zu sehen, und die Südseeatmosphäre zu erleben, die Pratt wie ein Meister einfangen soll.
Leider wurde ich sehr enttäuscht. Die Skizzenhaften Zeichnungen haben oftmals zwar ihren Reiz, wirken dafür in mindestens ebenso vielen Bildern statisch und unausgegoren. Dazu kommt, daß Hintergründe selten gezeichnet werden, was mir zumindest die Stimmung und Atmosphäre der Umgebung vorenthielt. Statt Szenerien und Kulissen hat man häufig große Sprechblasen voll mit Text in den Panels. Diese Monologe wirken zusammen mit den steifen Figuren unnatürlich und künstlich, was für mich eine Barriere zwischen den Charakteren und mir erzeugte, die meiner Ansicht nach alles andere als natürlich sprechen. Obwohl ihre Handlungen und Aktionen durchaus menschlicher als die vieler anderer Comichelden sind, wirkt der Plot, manchmal ziellos, und es werden wahllos Elemente aus Abenteuergeschichten eingestreut. An einer Stelle rettet der Protagonist Corto Maltese zum Beispiel einen Jungen aus den Fluten, nur um selber von einer Riesenkrake unter Wasser gezogen zu werden, die er zwar besiegt, dabei aber mit einem Fuß in eine Riesenauster gerät (das alles auf vier Seiten). Wenn Pratt sich in die Enge schreibt, werden die Hauptfiguren durch blöde Zufälle gerettet; feindliche Kugeln treffen immer unwichtige Statisten, und in Situationen höchster Not kann Corto immer wieder darauf vertrauen einen alten Bekannten zu treffen, der ihm aus der Lage hilft.
Vielleicht war dieser Comic bei seinem ersten Erscheinen in den Siebziger Jahren fortschrittlich, heutzutage langweilt er eher. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)