Eins vorab: ich fand dieses Buch enttäuschend und kann mir vorstellen, dass es leider dazu beiträgt, dass Rezensenten angesehener Medien das Thema "Historischer Roman" meiden.
Es erzählt die Geschichte der Sklavin Charis. Nachdem ihr Herr von Räubern erschlagen wurde, erbt sie ihr neuer Besitzer Saturnius. Ihm folgt sie nach Norden, nach Aquae Mattiacorum (Wiesbaden) Dort will die Heilssekte des 'Corpus Sacrum', der Saturnius anhängt, das Zentrum ihres Kultes errichten. Charis verliebt sich in Demetrius, einen germanischen Sklaven. Sein Herr Restitutus, Curator des Sironatempels, misstraut der neuen Sekte und stellt sich öffentlich gegen sie. Doch die Macht der Sekte wächst, bis bei ihrer geplanten Machtergreifung Rufianus, der Kommandant der in Mainz stationierten 22.Legion, dem ganzen Spuk ein blutiges und feuriges Ende bereitet.
Na ja - nur was hat das mit dem Limes zu tun? Null komma nix, außer einer gewissen geografischen Nähe. Das ist auch kein Wunder, denn zur Zeit der Handlung (140 n.Chr.) war am Limes, im Gegensatz z.B. zur Zeit ab 212 n. Chr., einfach tote Hose. Auch das militärische Leben an der Grenze oder im freien Germanien spielt keine Rolle. So könnte sich die pompös-schwülstige Handlung in jeder beliebigen Stadt dahinschleppen.
Die Sprache haut den stärksten Antikenfan aus den Sandalen: 'Da wandte er sich brüsk und schritt von dannen, die Straße nach Nida zu. Widerstrebend folgten die Barbaren ihm, denn wahrhaft gerne hätten sie wohl den Befehl bekommen, den Frechling nieder zu strecken. Ein Blitz flutete kaltes weißes Licht herab.'Oh Gott, so hat man vielleicht um 1880 deklamiert! Ein Stück weiter ruft Demetrius, der versklavte Nordmann:'Dies Wetter, das da aufzieht, ist wohl nicht geeignet, weiter ohne bergendes Dach zu weilen.' Und von Charis wird berichtet: 'Da hüpfte ihr Herz, als sie diese Stimme hörte! Mörser und Schürze ließ sie fallen, stürzte in ihr Gemach, streifte eilig ein frisches Untergewand über und eine saubere Palla, die Kette aus Sucinum und ein Kopftuch zum Schutz gegen die Sonne. Dann rannte sie hinaus mit Bangen, ob er nicht schon aufgegeben habe und wieder abgefahren sei: Der Nordmann nämlich, der mit einem Karren vor der Toreinfahrt stand.' Die Heilssekte selbst, das Corpus Sacrum, wirkt statt bedrohlich eher lächerlich, eine Mischung aus Mithraskult, Sonnentemplersekte und Mainzer Karnevalszug.
Ich bin ja nur Geschichtsstudentin und keine Literaturkritikerin. Aber meinem Gefühl nach strotzt das Buch vor schiefer Sprachbilder. Der schurkische Markomanne betritt 'die Gasse mit schwingenden Schenkeln', von einer 'windschlüpfrigen Holzhütte' ist die Rede, zuletzt kommt es gar so weit, dass 'Schwälle entfackelter Hitze durch die Empfangshalle röhren' und es 'nach schwelendem Fleisch' riecht. Dass der Text mit lateinischen Wörtern sowie Zitaten gespickt ist, (die sofort übersetzt werden), fördert keine antike Atmo sondern erschwert nur den Lesefluss. Auch die lateinisch-griechischen Texte vor jedem Kapitel, deren Bezug zur Handlung meist rätselhaft bleibt, bringens nicht. Wenn dann noch ein Aureus als 'Scheidemünze' bezeichnet wird und von Rohrstöcken sowie Kartoffelsäcken die Rede ist, weiß ich wirklich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll.
Zwei Sterne kriegt der Autor Möhn für die sorgfältige Ausstattung mit Karten, Zeittabelle, Begriffserläuterungen und einem Nachwort. Darin werden die in die Handlung hinein gezwungenen Verbindungen zwischen bronzenen Dodekaedern, Haarfärbe-Seifenkugeln, der Antikythera-Maschine und der Bagdad-Batterie wenigstens etwas erläutert.
Schade, das Buch trägt den dreisten Untertitel 'Der Limes Roman', aber das Limes-Thema wurde voll verschenkt. Wahrscheinlich hat sich der Autor einfach von dem Bezug auf das frischgebackene Welt-Kulturerbe verkaufsfördernde Publizität erhofft. Da sollte Möhn mal lieber mein Lieblingsbuch 'Der Abend des Adlers' in die Hand nehmen!!!!