Die gute Nachricht zuerst: Das Buch umfasst tatsächlich alle Bereiche der Corporate Identity. Die hätte man sich allerdings in einem Kurzaufsatz bei Wikipedia ebensogut, übersichtlicher und kompetenter anschauen können. Die schlechte Nachricht: Sowie es in die Tiefe geht, werden die Schwächen des Buches deutlich. Bei der Beschreibung, wie man zu einer eigenen Positionierung kommt, macht Frau Weinberger exakt die Fehler, die Laien eben machen, wenn sie nicht zu Profis gehen. Dafür hätte man kein Buch gebraucht. Die graphischen Beispiele, die sie bringt, sind nicht nur gruselig, sondern weisen zum Teil echte handwerkliche Mängel auf. Wo aber sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei einem Ladengeschäft mit lokaler Kundschaft und einem Internetvertrieb mit breiter internationaler Aufstellung? Worauf müsste man da achten? Kein Wort darüber.
Und schließlich sind fast alle genannten Beispiele solche von Coaches. Kurz: Frau Weinberger tummelt sich offenbar nur im unmittelbaren Bekannten- und Kollegenkreis. Eben dem, der hier auch so freundliche Rezensionen für sie abgegeben hat. Glaubwürdigkeit ist übrigens auch Bestandteil der Corporate Identity, liebe Frau Weinberger.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf verweisen, dass die AIDA-Formel, die Frau Weinberger als ihre Erfindung herausstellt, bereits seit 1898 existiert und bereits seit Jahrzehnten fester Bestandteil jeder kaufmännischen Ausbildung im Kommunikationsgewerbe ist. Dass Frau Weinberger sie falsch übersetzt macht das nicht besser. Eigentlich lässt das nur zwei Schlüsse zu: entweder wusste sie das wirklich nicht - das allerdings hieße, dass sie das Kleine 1x1 ihres eigenen Business nicht beherrscht - oder sie kannte die Fakten, hat sich aber darauf verlassen, dass die Laien, an die sich ihr Buch wendet, das schon nicht merken werden. Besorgniserregend ist beides.
Schließlich empfand ich einen Punkt als ganz besonders ärgerlich, mit dem man in Büchern selten konfrontiert wird: Permanent belästigt das Buch, nur unzureichend bemäntelt, mit Werbung, die in der Verkleidung von auffällig ausführlichen Kontaktangaben zu Kunden und Dienstleistern daherkommt oder in Form von Beiträgen von Gastautoren (ausnahmslos mit "Zum Thema... ist es mir gelungen...zu gewinnen" angeführt), die teilweise nicht einmal wirklich zum Thema passen. Wen kümmerts? Hauptsache der Name, die Kontaktadresse und Arbeitsfeld konnten ausführlich genannt werden. Oh, und machen Sie sich doch gern die Mühe, mal den begeisterten Rezensionen hier nachzugehen und Sie werden dahinter die erwähnten Gastautorinnen aus dem Buch finden, die hier so zu sagen ihrer eigenen PR-Publikation applaudieren. Das ist mal richtig übel.
Als Profi muss ich klar sagen: Finger weg von diesem Buch. Es ist nervig, sachlich nicht immer korrekt, führt auf den falschen Weg und hält nicht, was es verspricht. Eigentlich sollte es von den Autoren und Co-Autoren gratis als Werbebroschüre abgegeben werden.
Das ist schade, denn ein gutes allgemeinverständliches Buch über dieses Thema, das sich nicht an Graphik Designer sondern ihre Kunden richtet, wäre dringend nötig. Ich werde wohl weiter warten müssen.