Dieses Buch ist das erste einer ganzen Reihe von Kevin-und-Sadie Geschichten, die Joan Lingard schon in den 70gern und 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also am Höhepunkt des Nordirlandkonflikts, geschrieben hat. Die Geschichte der zwei Teenager Kevin (Katholik) und Sadie (Protestantin) aus Belfast ist abwechselnd kapitelweise immer aus der Warte des einen oder anderen Protagonisten geschrieben (nur 3 Kapitel sind gemischt) und nähert sich dabei von Tag zu Tag dem 12. Juli, der ein Feiertag für die Protestanten mit Paraden und Freudenfeuern ist. Man erfährt viel über das Leben in den jeweiligen Vierteln (auch wie sich die Lebensumstände doch fast exakt gleichen), die Armut, die Vorurteile der jeweiligen Seiten, aber auch die Ausweglosigkeit in der Auseinandersetzung zwischen den Religionen zu irgendeinem fruchtbaren Ergebnis bzw. Ziel zu kommen. Von daher ist das Buch zu empfehlen, denn es stellt eindrucksvoll jüngere nordirische Geschichte dar.
Allerdings hat die Autorin einen recht langsamen und stark beschreibenden Schreibstil, der es dem jungen Leser in der Fremdsprache reichlich schwer macht, den Einstieg bzw. den Zugang zu finden. Es gibt fast keine Action, die Handlung ist sehr begrenzt auf die jeweiligen Seiten bzw. Protagonisten und deren Familien. In der Cornelsen Ausgabe gibt es zwar viele Annotationen (sind auch dringend nötig für die vielen irisch-englischen Slangausdrücke), trotzdem ist das Buch für Schüler der vorgeschlagenen Altersgruppe (9./ 10.Kl.) zu schwierig und langatmig, und es wäre ohne die vielen Hilfen von meiner Seite als Lehrer reichlich quälend gewesen. Ich würde das Buch nicht noch einmal im Unterricht behandeln, außer der Kurs ist hochmotiviert und sprachlich sehr fortgeschritten...