Wie wohl ein Großteil der Leserschaft dieses Werkes bin auch ich durch die Schule in Kontakt mit Paul Austers "Moon Palace" gekommen, weil es im Rahmen des Zentralabiturs 2008 Thema für den Englisch-Leistungskurs war.
Thema des Romans ist die Ich-Findung des jungen Protagonisten Marco Stanley Fogg in den späten Sechzigern/Anfang der Siebziger in den Vereinigten Staaten. Foggs Leben ist vor allem vom Außenseitertum, das er sich zum Teil selbst zuzuschreiben hat, und seinem Dasein als Waise geprägt, denn seine Mutter verstarb bei einem Autounfall, als Fogg 11 Jahre alt war, und die Identität seines Vaters wurde von seiner Mutter geheim gehalten.
Zunächst einmal ist die Thematik an sich interessant, jedoch war ich geschockt, als ich "Moon Palace" zum ersten Mal las. Der Hang zur Selbstzerstörung der Hauptfigur erschien mir völlig unverständlich und abwegig und auch Austers Schreibstil erschwerte mir den Zugang zur Lektüre erheblich. 10 gelesene Seiten fühlten sich an, als hätte man soeben 50 gelesen. Auch das für die Postmoderne typische Spiel mit Zufällen, Parallelen und Sackgassen ödete mich an, weil mir diese angebliche Rafinesse einfach als zu plump und vorhersehbar erschien. Beispiel: Nach einer sehr weltverneinenden und minimalistischen Phase, in der Fogg im Central Park als Obdachloser lebt, fängt er einen Job bei einem alten, kauzigen Mann an, zu dem er eine Art Hass-Liebe aufbaut. Später stellt sich rein zufällig heraus, dass dieser schwierige und mittlerweile verstorbene Mensch sein Großvater war. Die Verwendung dieses Kniffs schien mir einfach mehr als ausgelutscht.
Als ich Austers Werk allerdings für das Abitur nochmals zur Hand nahm, änderte ich meine Meinung über "Moon Palace", denn der Roman hat sehr viel Potential für jemanden, der sich sehr intensiv damit auseinander setzt. Im Grunde gelingt es Auster, den amerikanischen Traum von mehreren Seiten her - auch kritisch - zu beleuchten, zu hinterfragen, sodass sich am Ende die Frage stellt: Ist die Geschichte Marco Stanley Foggs wirklich eine typisch amerikanische Geschichte mit dem typischen "American Dream"? Letztendlich verbergen sich im Roman einige kluge Sätze und viel Wahrheit.
Schade ist nur, dass es wahrscheinlich für viele Leser nichts bietet, weil der Roman sehr viele Bezüge zur amerikanischen Geschichte nimmt und man ihn vielleicht zweimal oder mehrmals lesen muss, damit ihm alle Geheimnisse entlockt werden. Wäre ich durch das Abitur nicht dazu gezwungen gewesen, so wären mir viele Glanzlichter in "Moon Palace" auch entgangen und das ist wahrlich sehr schade.
Was der Cornelsen-Ausgabe von "Moon Palace" noch anzurechnen ist, ist ein Zugangscode am Ende des Buches, mit dem man sich auf einer Cornelsen-Seite einloggen kann, die sehr viel Zusatzmaterial zu "Moon Palace" bietet. Weniger gut fand ich allerdings die Vokabelhilfen dieser Ausgabe, da meistens Vokabeln angegeben sind, die man aus dem Kontext erschliessen kann oder sie schlichtweg schon kannte, während unbekannte Wörter, deren Bedeutung man auch im Kontext nicht erraten kann, nicht angeben sind.