Arcangelo Corelli (1653-1713) ist ein italienischer Komponist des Barock, der heute fast völlig vergessen ist. Neben einer Reihe von Violinsonaten sind es besonders seine zwölf Concerti grossi aus op. 6, die sich größerer Beliebtheit erfreuen. Dabei handelt es sich um kurze, abwechslungsreiche Kompositionen, die sofort einnehmen und gleichberechtigt neben den weitaus bekannteren Concerti grossi Georg Friedrich Händels stehen.
Die ersten acht Konzerte bieten einen mannigfachen Einblick in die Kunst des Italieners. Der wechselt gekonnt schnelle und langsame Sätze ab und erzeugt dadurch ein Spektakel der Extraklasse. Beim Hören dieser wundervoll frischen, espritgeladenen Stücke kann man sich kaum mehr lösen von den einmaligen, unbeschreiblichen Klängen. Ähnlich wie Vivaldi schafft es Corelli, dass keines der Werke dem anderen gleicht.
Ein besonders schönes Beispiel für seine Kunst ist gleich das erste Concerto in D Dur. In regelmäßiger Abfolge stehen langsame und schnelle Sätze einander gegenüber. Während in den schnelleren Sätzen ein reger Austausch zwischen dem aus zwei Violinen und einem Violoncello bestehenden Concertino stattfindet, schwebt dieses in den langsamen oftmals getragen über dem Orchester. Man höre sich alleine die entrückenden Melodien des dritten Largos an, das sogleich in ein keckes Allegro mündet!
Berauschende Klangfarben und überraschende Kontraste sind auch Eigenschaft des achten Konzertes in g moll, des sogenannten "Weihnachtskonzertes". Faszinierend ist hier der tiefsinnige gemessene Abschnitt nach dem Anfangsvivace. Corelli setzt hier ungewöhnlich viele Tempowechsel. Zudem variiert er gewitzt mit der Instrumentierung. Von aparter Schönheit ist die abschließende Pastorale, die der italienische Komponist ad libitum gespielt haben möchte.
Die letzten vier Concerti grossi unterscheiden sich dahingehend von den übrigen acht, als sie zahlreiche Tänze enthalten, die den Werken, die nun auch rein künstlerisch hochwertiger sind, etwas Rhythmisches verleihen. Als Beispiel nehme man getrost das zehnte Konzert in C Dur: Die Einleitung stellt ein wundervolles Preludio dar, worauf sogleich eine ausgelassene Allemande folgt. Im weiteren Verlauf der Komposition setzt Corelli - satztechnisch brillant - noch eine Courante und ein Menuett ein. In den anderen drei letzten Konzerten findet man außerdem eine prächtige Gavotte, mitreißende Gigues und zwei wundervolle und naseweise Sarabandes.
Wer die vorliegenden Stücke in einer schlanken, transparenten, aber dennoch fesselnden und packenden Einspielung auf Originalinstrumenten hören möchte, der kann ohne Einschränkungen - wie so oft - auf Trevor Pinnock und sein herausragendes English Concert bauen. Der nostalgische, lautere Klang der Originalinstrumente allein rechtfertigt den Kauf dieser CD schon. Pinnock nuanciert farben- und kontrastreich und schafft durch seine haargenaue und detailverliebte Akzentuierung ein Barockspektakel, das sich gewaschen hat. Weiterhin ist auch die Aufnahmequalität hervorragend.
Fazit: Concerti grossi, die zu Unrecht fast vergessen sind. Ein Muss für jeden Freund barocker Kleinodien.