Felix Harrowgate wurde aus Mélusine und dem Mirador verbannt und nach Corambis geschickt, um von den dortigen Zauberern gerichtet zu werden. Sein Halbbruder Mildmay folgt ihm - nicht nur, weil ihn die obligation d'âme dazu zwingt.
In Corambis jedoch ist gerade erst ein Krieg zu Ende gegangen, den einige Rebellen noch ein letztes Mal zu gewinnen versuchten, indem sie eine uralte Maschine in Gang setzen wollten. Doch statt das Land zu retten, tötet die Maschine alle Rebellen, bis auf Kay Brightmore, der blind und entehrt zurückbleibt.
Felix und Mildmay haben derweil ihre eigenen Sorgen und Nöte, sodass es nicht lange dauert, bis auch sie in das Mysterium dieser halberwachten Maschine gezogen werden.
Es ist unglaublich schwierig, den Inhalt dieses letztens Bandes der "Doctrine of Labyrinth" angemessen widerzugeben, ohne wichtige Dinge zu verschweigen oder zu viel zu verraten.
Sarah Monette hat sich mit den letzten drei Bänden hohe Standards gesetzt und ich muss ehrlich zugeben, dass ich meine Bedenken hatte, ob sie es schaffen würde, ein angemessenes Ende für ihre Reihe zu finden, was wirklich nicht an ihr als Autorin, sondern an der Sache der perfekten Enden selbst liegt. Sie hat mich nicht enttäuscht.
Kurioserweise wird Mehitabel Parr, die noch in "The Mirador" eine erzählende Rolle hatte, nun herzlich wenig erwähnt, stattdessen bekommen wir Kay Brightmore, den ehemaligen Margrave of Rothmarlin, als dritten Erzähler, der eine seltsam Shakespeare-ähnlich anmutende Stimme hat, die zumindest meinen Lesefluss das ein oder andere Mal ins Stocken brachte und der doch eine sehr fesselnde Persönlichkeit ist. Sehen kann er genau eine Seite lang, danach schafft Sarah Monette es auf eine atemberaubende Art und Weise, uns als Leser zu zeigen, wie es sein muss - oder wie sie es sich vorstellt -, plötzlich blind zu sein. Es schien mir geradezu verstörend, auch als Leser nicht 'sehen' zu können, was vor sich geht, wo doch sowohl Felix, als auch Mildmay sehr wache, gute Beobachter sind.
Felix und Mildmay selbst streiten, versöhnen sich, streiten, verletzen sich gegenseitig, streiten noch ein bisschen mehr und sind vielleicht genau deswegen die interessantesten und vielseitigsten Charaktere, die mir bisher in einem Fantasyroman begegnet sind. Sie haben nach wie vor ihre eigenen Schwierigkeiten: Felix in seiner Vergangenheit und in den Taten, zu denen er sich gerade dadurch veranlasst fühlt; Mildmay in seiner Wut über Felix, über sich selbst, in seiner Verzweiflung und seiner Stärke, die auch nicht immer anhält.
Es ist nach wie vor eine Freude, die Passagen zu lesen, die von Mildmay erzählt werden, obwohl sich doch, oder so scheint es mir zumindest, einiges in seiner Grammatik getan hat seit dem ersten Band. Oder vielleicht hat man sich als Leser auch schon dran gewöhnt.
Das Land Corambis hat mich erstaunt und fasziniert, da es aus einer sehr ansprechenden Mischung von Steampunk- und Fantasyelementen besteht. Zusätzlich hätte ich nicht gedacht, dass eine Stadt wie Mélusine auf der gleichen Welt wie (und, wenn wir drüber nachdenken, gar nicht so weit entfernt von) einem Land wie Corambis existiert, in dem es Untergrund- und Eisenbahnen gibt und in dem die Leute romantische Novellen über Zauberer aus dem Mirador lesen, das aber dennoch so von Mythen, Tod und ungesunder Magie überzogen ist.
Meinetwegen hätte Sarah Monette ewig weitermachen können mit Felix und Mildmay, doch wenn das wirklich das absolute Ende ist, dann kann ich wunderbar damit leben, denn besser hätte es (fast!) nicht werden können.