Wenn Coraline durch eine bestimmte Tür in der von ihrer Familie bewohnten alten Villa geht, betritt sie ein anderes, ähnliches Haus, in dem alles so vertraut aber auch seltsam anders ist. Aber da sind auch andere Eltern, unheimliche Eltern. Und die wollen ihr kleines Mädchen nicht mehr in die Realität zurückkehren lassen. Nur in einer streunenden schwarzen Katze findet Coraline einen Verbündeten...
Wenn er sich hinter die Schreibmaschine klemmt, kommt garantiert ein packendes Werk heraus: Neil Gaimans Bücher (u.a. Niemansland, Der Sternenwanderer) haben es nicht umsonst an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft. So auch sein unheimlicher Roman Coraline", der von dem vielfach ausgezeichneten Craig Russell für eine Graphic Novel adaptiert worden ist.
Russel setzt dabei auf Gaimans Originalstory und bebildert diese in stimmungsvollen Zeichnungen. Die Vordergründe und Personen lässt er dabei filigran in warmen Farben erscheinen und stellt diese in Kontrast zu den in kalten Farben gehaltenen kargen Hintergründen, was den Leser in die Unwirklichkeit des unheimlichen Handlungsortes, die alte Villa mit dem großen Garten, förmlich hineinzieht.
Die wissensbegierige Coraline, die Protagonistin der Geschichte, wird als junges Mädchen auf der Entwicklungsschwelle von der Kindheit in einen neuen und unbekannten Lebensabschnitt, der Pubertät, dargestellt. Diese Entwicklung wird mit der Haupthandlung passend verknüpft, in der Coralines überschreiten der Türschwelle in die erstaunliche, aber auch schaurige und morbide Parallelwelt gleichfalls eine Reise in ein unbekanntes und zu entdeckendes Terrain beschrieben wird.
Graig Russels Comicadaption von Neil Gaimans Roman Coraline wandert einen gelungenen Grad zwischen der Beschreibung eines kindlichen Reifeprozesses und eines gruseligen Schauerromanes mit erzählerischen Elementen eines Kinderbuches. Eine Graphic Novel, die mich in allen Belangen überzeugte.
Allen denen, die vor lauter Verstand die letzten Banden zu ihrer Kindheit schon längst verloren haben, kann es als letzte Brücke dorthin dienen. Und genauso denen von uns, die als Kind schon sicher waren, dass es den Schwarzen Mann unter dem Bett wirklich gibt.