Hat man öfters mal Besuch in der eigenen Stadt, noch dazu solchen, der aus diversen Ländern mit diversen Sprachen in ganz Europa kommt, ist dieses Buch extrem hilfreich. Denn es bewahrt einen davor, immer wieder neue Reiseführer zu kaufen, wenn nach dem Franzosen dann noch das Paar aus Italien eintrifft. Die Texte finden sich hier komplett in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Noch dazu ist es eine gute Ergänzung zu den üblichen Standardreiseführern. Hier geht es nicht um die üblichen Denkmäler, Museen, Theater und anderen Kultureinrichtungen. Hier geht es um die Sehenswürdigkeiten, die die Einheimischen der Stadt auch nutzen und die in anderen Reiseführern in der Regel nur ganz hinten unter Sonstiges zu finden sind.
Restaurants, Cafes, Clubs, Bars, Shopping und ein Spa finden sich hier und werden nur durch ca. ein halbes Dutzend wohl unverzichtbare Spots für Sightseeing ergänzt. Alle Orte haben hier eines gemeinsam: Sie sehen echt gut aus. Das Buch lebt nicht von den Texten, sondern von den großartigen Photographien. In einigen Fällen wirken die dargestellten Plätze auf den Photos noch deutlich schöner als die Realität. So machen zum Beispiel die 103 Bar oder auch das Anna Blume in der Realität eines durchaus etwas abgeranzteren Eindruck als hier dargestellt. Möglicherweise liegt die Wirkung der Bilder auch darin begründet, dass die meisten Läden hier leer, ohne Menschen außerhalb der Öffnungszeiten aufgenommen wurden, was das ganze eleganter erscheinen lässt.
Und wie beurteilt der einheimische Berliner nun die Auswahl? Im Westen ist Adnan natürlich schon ein Klassiker. Aber optisch spannender finde ich das P12 nur ein paar Meter weiter, und die spannenderen Gäste hat inzwischen das auch nicht weit entfernte Ouest. Beide Orte vermisst man hier. Dass man das Kuchi hier findet, ist natürlich richtig. Hätte aber nicht auch das Nu mit seiner Inneneinrichtung und seiner kreativen, asiatischen Küche einen Platz hier verdient? Insgesamt fällt auf, dass man in Westberlin eher bei den alteingesessenen Klassikern geblieben ist. Neues ist mir zu wenig vertreten. Das gilt für Restaurants, aber auch für Shops. Und wie wäre es mit Cocoon als Beautysalon? Das hätte auch gepasst.
Zuhause sind die Autoren dagegen offenbar in Mitte. Die Auswahl der Orte im Buch ist von Eva Padberg und dem Photografen Russel James getroffen worden, und man merkt dem Buch an, dass sich die beiden in der Umgebung der Mitteprominenz deutlich mehr zu Hause fühlen als in den anderen Bezirken Berlins. Im Buch sind natürlich das Cookies vertreten, sowie die Bar Tausend und das Grill Royale. Die wichtigsten Shops in der Friedrichstraße finden sich hier. Und der schöne, neue Friseurladen von Shan Rahimkhan fehlt natürlich auch nicht. Natürlich gibt es auch in Mitte noch viel mehr Spannendes, aber dennoch ist die Auswahl hier ohne Einschränkung gelungen.
Häufig Reisende werden sich bei diese Buch an die Serien "Cool Restaurants" und "Cool Hotels" erinnert fühlen, die im selben Verlag veröffentlicht worden sind. Im Gegensatz zu diesen hat man hier den Photos ein bisschen mehr Text zur Begleitung mitgegeben. Während man die Restaurants und Shops hier in einem Buch mit einigen Sehenswürdigkeiten integriert hat, hat man die Hotels hier außen vor gelassen. Dadurch fehlen die in Berlin für ihr Innendesign durchaus berühmten Hotelrestaurants wie das Facil. Auf der anderen Seite gibt es dazu schon genug andere Literatur, man wollte sich hier einfach nicht wiederholen.
Zusammengefasst: Ein nützlicher Reiseführer für einen Kurztrip mit Schwerpunkt Mitte, dessen Stärke vor allem in den großartigen Photografien liegt.