Es müssen nicht immer Romane sein - es gibt auch wunderbare Kurzgeschichten, die äußerst lesenswert sind. Wie zum Beispiel die zwölf Kurzgeschichten, die A. L. Kennedy in der Anthologie "Cool Britannia" herausgegeben hat. Es handelt sich dabei um Erzählungen, die sich zum größten Teil mit den Themen Liebe und Orientierung beschäftigen. Der Leser trifft dort nämlich auf Menschen, die auf der Suche sind; Menschen, die auf der Flucht sind; Menschen, die auf der Reise sind und Menschen, die gar nicht so genau wissen, wo sie wirklich sind.
"Cool Britannia" ist eine unvergleichliche Sammlung von Kurzgeschichten - sehr traurig und melancholisch, aber auch sehr ehrlich. Diese kurzen Einblicke in die Gedankenwelten der Figuren sind Zwischenstopps in ihrem Leben, die Auskunft über ganze Lebensgeschichten geben. Jede Kurzgeschichte ist anders, hat ein anderes Thema und einen anderen Schreibstil. Aber alle vereint eins: Sie geben Auskünfte über die Zeit, in der wir leben; über die Probleme, die junge Menschen heute beschäftigen - und sie regen zum Nachdenken an. Durch diese Geschichten wird der Leser zum Beobachter der Wirklichkeit; Momentaufnahmen und ihre exakten Beschreibungen machen diese Erzählungen sehr real, da man sich in einigen mit Sicherheit auch selbst wieder findet.
"Ich fühlte mich, als wäre ich tot gewesen und ins Leben zurückgeholt worden. Ich öffnete die Augen und sah im Dunkeln Michael, der sich über mich gebeugt hatte und mich schüttelte. Irgendetwas hatte ich geträumt, aber der Traum verblasste. Ich befand mich in dieser Zwischenwelt, die nur dann existiert, wenn man plötzlich aus tiefem Schlaf erwacht, und wo man das Gefühl hat, es könne alles passieren, doch in Wirklichkeit passiert gar nichts. Ich versuchte, den Traum in meinem Gedächtnis zu behalten, aber die Bilder entschwanden schnell, und ich konnte sie nicht aufhalten", schreibt Daren King in "Heim Weh".
Im Vorwort der Herausgeberin werden die Autoren der Kurzgeschichten kurz vorgestellt. Es sind junge Schriftsteller aus Großbritannien wie Gwendoline Riley, Nicola Monaghan oder David Constantine. Manche von ihnen haben sich schon durch andere Werke einen Namen gemacht, für andere ist dies eine der ersten Veröffentlichungen. A. L. Kennedys Anthologie "Cool Britannia" rückt sie auf jeden Fall ins rechte Licht und macht Lust auf mehr: mehr Literatur aus der Feder der jungen britischen Schriftsteller - und mehr Kurzgeschichten.