Seiner Stellung am Dresdner Hof, wo er nach dem Tode Heinichens an Stelle des hoch verdienten Jan Dismas Zelenka zum Kapellmeister ernannt wurde, verdankte Hasse seiner Opernkunst. Da nimmt es nicht wunder, dass dieses Oratorium auf ein (aus meiner modern-protestantischen Sicht unerträgliches) Libretto der Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen sich in allem wie eine Oper anhört. Die fünf Solisten erhalten abwechselnd (bis auf Navigio, den Bruder des Augustinus) je zwei Arien, die Handlung, sofern von einer solchen hier überhaupt die Rede sein kann, wird durch gesprächsartige Rezitative erzählt. Die beiden Hälften des Stücks werden mit einem Chor abgeschlossen, ebenfalls wie man es von mancher Barockoper her kennt. Von einer Aufführung in Potsdam im Jahr 1768 her ist bekannt, dass die Hauptrollen ausschließlich mit Kastraten besetzt wurden. Marcus Creed hat nur zwei Countertenöre eingesetzt: den exzellenten Axel Köhler als Alipio und Ralph Popken als Augustinus. Nichts gegen Popken, aber sein Timbre lässt den Kirchenvater aus meiner Perspektive verweichlicht erscheinen, was nur bedingt im Sinne des Libretto und ganz bestimmt nicht im Sinne der Kirchengeschichte sein kann. Monica, die Mutter des Augustinus, wird souverän von der leicht dunkel klingenden Mezzosopranistin Mechthild Georg gegeben; Robert Wörle fühlte sich als Simpliciano, so mein Eindruck, unterfordert, denn er legt eine Dramatik in seine Texte hinein, die das Libretto wirklich nicht hergibt - hier ist kein Mozart-Held gefragt, sondern ein väterlicher Berater. Die kleinere Rolle des Navigio unternimmt Gotthold Schwarz ohne irgendwelche Probleme. Musikalisch hat Hasse diesen spröden Stoff hervorragend umgesetzt, und die instrumentalen Passagen, hier von der Akademie für Alte Musik Berlin mit großem Esprit wiedergegeben, sind ein Ohrenschmaus. Leider haben sich die Aufnahmetechniker dafür entschieden, die Stimmen sehr in den Vordergrund zu stellen, was selbstverständlich nur auf Kosten des Orchesters möglich war. - Insgesamt eher eine Aufnahme für Spezialisten, aber durchaus hörenswert.