Das "Düstere" haftet Otis Taylors Image und tatsächlich auch manchen seiner Songs an. Das gilt auch für sein neues, inzwischen gar zwölftes Album, auf dem der 64jährige Taylor so grimmig-grummelig vom Cover schaut, dass man zunächst gar nicht so recht weiß, ob man dieser "Einladung", sich dem Album zu nähern, folgen möchte.
Hat man sich dazu dennoch entschlossen, wird man indes durchaus belohnt, denn Otis Taylor legt auch auf "Contraband" ebenso gehaltvolle wie immer wieder auf afrikanische Wurzeln und archaischen Blues verweisende Eigenkompositionen vor. Der dem Album den Titel gebende Song führt zurück auf ein Flüchtlings-Camp in Mississippi, in dem entflohene Sklaven Schutz suchten und vielleicht auch fanden. "Mitgefühl" - "Compassion", wie es Otis Taylor im "Banjo Boogie Blues" ebenso erfleht wie einklagt, mag damals zumindest manchen zuteil geworden sein.
Treibender Boogie und eine enervierende Blues-Gitarre unterstreichen die Dringlichkeit dieses Anliegens auf ganz eigene Weise, die Otis Taylors Songs auch diesmal wieder etwas Hypnotisches verleihen. Die CD ist übrigens Gary Moore gewidmet - ja, genau dem Iren, dem manche "echte Blueser" nicht viel abgewinnen mochten, wenn er "Still Got The Blues" zu Gehör brachte. Taylor mochte ihn und seine Sachen. Aber Taylor pfeift wohl ohnehin auf "Besserwisser", die gerne "Reines" goutieren und sich und anderen keine Abweichungen gestatten. Auch das macht Otis Taylor und seine Musik so sympathisch.