Ich habe den Gedanken an eine Helmkamera lange mit mir herumgetragen; nachdem wir aber im Nachhinein gerne auch ein paar Filme von unseren Touren hätten und im Sommer eine dreiwöchige Tour um die Karpaten herum ansteht, habe ich kurz entschlossen zugeschlagen, als der Preis der Contour GPS nun im Mai 2012 überraschend auf 249.- gesenkt wurde. Die Kamera kam amazontypisch am nächsten Tag - allerdings war die Verpackung schon einmal unsachgemäß geöffnet worden, die Einzelteile flogen lose in der Produktverpackung herum und die Kamera lud den Akku nicht, weder mit einem passenden Nokia-Ersatzakku, der gerade greifbar war, noch mit einem anderen Kabel. Amazon hat prompt (mehr oder weniger über Nacht) Ersatz geliefert, gerade rechtzeitig zur Abfahrt zu einem Moppedtreffen nach Polen. Diesmal kam ein originalverpacktes Gerät, der Akku lud einwandfrei, es handelte sich also eindeutig um ein Geräteproblem.
Es sind (ganz klar war mir das aufgrund der Produktbeschreibung nicht) serienmäßig zwei Halterungen für die Kamera dabei, zum einen die selbstklebende, drehbare Halterung (mit Arretierung, auf der Contour-Website als "Rotating Flat Surface Mount" zu finden), zum anderen eine selbstklebende flache Halterung ("Profile Mount"). Die Halterungen sind überraschend zierlich (von den Website-Bildern zu schließen hatte ich ziemlich wuchtige Exemplare erwartet), aber völlig ausreichend dimensioniert.
Die Helmhalterung habe ich über Nacht mit Hilfe eines Spanngurtes fest angepresst, um die volle Klebefläche auf die Helmoberfläche zu bringen; das hat einwandfrei funktioniert und die 3M-Klebepads machen bisher einen guten Eindruck. Vorher hatte ich nur sorgfältig die Halterung parallel zur Sichtachse justiert; die Drehhalterung lässt nur eine Bewegung der Kamera nach oben/unten zu, nicht aber hin zum/weg vom Helm. Eine vertikal schräge Fläche am Helm ist jedoch zur Anbringung brauchbar, da die Linse verdrehbar ist, um jederzeit ein horizontal sauber ausgerichtetes Bild zu haben; die integrierten Laserpointer zur Justierung funktionieren auch noch bei greller Sonne vor einer weißen Hauswand. Noch ein Firmwareupdate gemacht (vierzehnjährige Söhne "Ach Papa, laß' mich das machen" sind durchaus hilfreich, wenn's schnell gehen muß) und ab ging's zum Moppedtreffen. Die Kamera ist insgesamt ein Leichtgewicht am Helm (und ein nettes Gegengewicht für den Cardo Helmfunk auf der linken Helmseite). Die Borg lassen grüßen - YOU WILL BE ASSIMILATED, RESISTANCE IS FUTILE :-)
Allerdings werde ich jetzt wohl die Drehhalterung an der Verkleidung anbringen und die flache Halterung am Helm. So kann ich je nach Beladungszustand des Motorrades (höhenverstellbares Federbein...) noch die Kamera justieren. Am Helm reicht letztlich eine fixe Position, die man aber sehr sorgfältig ausbaldowern muß; die ersten Versuche zeigten doch, daß ich beim Fahren den Kopf mehr nach unten geneigt halte als bei Trockenübungen im Stand.
Wäre das Cardo nicht bereits auf der linken Helmseite plaziert, hätte ich die Kamera links angebracht, um nicht immer das Gas loslassen zu müssen, um die Kamera zu bedienen. Das geht aber auch mit rechts überraschend gut; der Aufnahme-Schiebeschalter ist dick und fett, einfachst zu erreichen und entsprechend klar zu bedienen. Mini-Schalter an Kameras ohne entsprechendes Feedback, wie ich sie bei anderen Modellen gesehen habe, sind einfach nicht brauchbar. Gesamtes An- und Abschalten der Contour geht nach ein paar Versuchen auch sehr gut; der Druckschalter ist hinreichend gut fühlbar, ein kurzer Druck reicht zum Anschalten und nach ein paar Sekunden kommt ein Bestätigungston. Sowohl An-/Aus als auch Aufnahmestart/stopp werden mit im Helm (XLite Endurohelm mit Visier) deutlich hörbaren Piepstönen quittiert; ob man's in einer Schuberth-Kopfisolierzelle auch noch hört, weiß ich nicht...
Einmal mehr war ich froh, mein iPhone vor ein paar Monaten gegen ein Android-Handy getauscht zu haben - für beide gibt es eine Contour-App, mit der man auch unterwegs auf die gesamten Detail-Einstellungen der Contour zugreifen kann und auch das Bild justieren kann; für's iPhone/iPod braucht man aber noch eine teure Zusatzkarte ("Connect View Card"), die in die Contour gesteckt wird, damit das Apple-Produkt überhaupt mit der Kamera kommunizieren kann. Normales Bluetooth ist offenbar nix für iOS-Systeme, es muß gleich wieder was Proprietäres sein, warum auch immer. Genau diese Gängelung aus Cupertino, die Apple gottlob nur bei iOS, aber nicht beim MacOS auslebt, hat mich zum Systemwechsel hin zu Android bewogen... Mit Android klappt die Kamera-Kommunikation jedenfalls ohne Zusatzkarte und damit verbundene Zusatzkosten.
Abspielen kann man die Filme (zumindest derzeit) nicht von der Kamera aus - aber die SDHC-Karte in's Handy stecken und abspielen klappt problemlos (natürlich nicht mit Apple, iPhone und iPod haben keine Kartensteckplätze...). Mein Samsung Galaxy S Plus spielt die GB-großen Dateien bei gleichzeitigem Downscaling mit den entsprechenden kostenlosen Apps aus dem Google PlayStore noch ruckelfrei ab; so kann man bei längeren Touren auch zwischendurch mal prüfen, was man da so aufgenommen hat. Das Handbuch der GPS kann bei Contour auch als pdf heruntergeladen und auf dem Smartphone mitgenommen werden.
Zu den Bild-Ergebnissen: Gestochen scharfe Bilder, ohne jegliche Ruckler oder Fragmente, bei bis zu 120km/h getestet. Und dabei hatte ich bisher nicht mal Zeit für einen Weißabgleich. Im HD-Normalmodus mit 30 Bildern/sec. habe ich knapp 1GB/15min verbraucht. Die Kamera wird ohne MicroSDHC-Karte ausgeliefert; ich habe mir die Transcend Ultimate 32GB Class 10 MicroSDHC bei Amazon mitbestellt, die einwandfrei arbeitet. Ich habe im Web Hinweise von Contour gefunden, daß nur bis Class 6 Vorteile zu erwarten sind (sprich, mit Class 10 wird's nicht mehr besser), aber da auch Class 6 je nach Hersteller durchaus variieren kann und 32GB-Karten nicht von allzuvielen namhaften Herstellern zu bekommen sind (die taiwanesische Firma Transcend ist im Speicherbereich alles andere als ein No-Name), war mir die Class 10 gerade recht. Wer weiß im Übrigen, was Contour über künftige Firmware-Updates noch aus der Kamera herausholen kann...
Ein wichtiger Hinweis: Sandisk Ultra - Karten, die in der Regel meine erste Wahl sind, sind laut Contour-Website (-> FAQ im Support Center) nicht(!) verwendbar, die Ultra-Technologie funktioniert nicht mit der Kamera und führt zu Abbrüchen und Aussetzern.
Der Ton ist völlig in Ordnung - allerdings gibt's beim schnelleren Fahren nur noch Windrauschen, ich sitze jedoch auf meiner Africa Twin Reiseenduro auch nicht mit dem Kopf auf dem Tank hinter der Verkleidung, sondern hoch im Wind; die Kollegen auf Fireblades und Ninjas mögen da durch Windabschottung einen besseren Motorsound produzieren können, wie das auch bei Youtube zu finden ist. Sprache und Umgebungsgeräusche abseits vom Motorradfahren werden einwandfrei aufgenommen und wiedergegeben. Ein Anschluß für ein externes Mikrofon ist nicht vorhanden und würde wohl auch der Wetterfestigkeit zuwiderlaufen.
Die Contour GPS gefällt mir aus mehreren Gründen besser als die (inzwischen unwesentlich billigere) ContourRoam:
- Wechselbarer Akku (die preisgünstigeren Nokia-Standardakkus passen, wie vielfach berichtet, problemlos), wir hatten noch zwei von älteren Handys herumliegen. Laufzeit des Akkus ist bei der GPS mit gut 2h angegeben. Das GPS-Modul zieht auch im Standby Strom; durch die wechselbaren, günstigen Akkus ist das also kein Problem; die Roam mit fest verbautem Akku darf man in diesem Falle vom Helm nehmen und laden....
- Auswechselbares Linsenschutzglas - ich habe im Web (Touratech) schon ein Set mit Ersatzscheiben, Mini-Schraubendreher und zusätzlichem Filterring für 37mm-Filter gefunden. Auch da steckt die ContourRoam zurück, das Glas ist wohl im Beschädigungsfalle nicht vom Nutzer wechselbar. Die englischsprachigen Bewertungen der Contour-Kameras bei amazon.com sind (einschließlich der Kommentare von augenscheinlichen Contour-Mitarbeitern) diesbezüglich sehr informativ.
- Vernachlässigbarer Fischaugen-Effekt. Der 135 Grad-Aufnahmewinkel der Contour GPS bewirkt nur eine minimale Krümmung des Bildes hin zu den Rändern; ich persönlich finde den 178 Grad-Winkel der ContourRoam und des teuren Topmodelles sehr anstrengend anzusehen, jedenfalls bei Straßenaufnahmen; bei Sportaufnahmen wie Kiten etc. mag das anders sein. Für die seitliche Helm- oder Verkleidungsmontage am Motorrad sind 178 Grad vermutlich praktisch ungeeeignet; mit dem schmaleren Winkel der GPS filme ich (jedenfalls mit der drehbaren Halterung, die etwas dicker "aufträgt") tatsächlich gerade noch am Helm vorbei und sehe doch links und rechts noch viel von der Landschaft. Wer die Unterschiede in den Winkeln sehen will, wird bei Youtube natürlich fündig. Im Vergleich mit der breit abstehenden Alternative GoPro HD-Kamera ist die Contour in jedem Falle ein Winzling am Helm, der überhaupt nicht auffällt.
Die bei Contour kostenlos herunterzuladende Storyteller-Software läuft auch auf meinem Macbook einwandfrei; die GPS-Daten sind - wie auch immer - in den .mov-Dateien mit drin; Datei kopiert, abgespielt Storyteller zeigt nebendran gleich die Karte mit der Strecke und dem sich bewegenden Punkt darin.
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