Das Boxset ist liebevoll in Form eines Buches gestaltet und bietet insbesondere denen viel für's Geld, die die 4 enthaltenen DTP-Alben noch nicht besitzen. Der Inhalt des Buches sind vor allem gut gemachte und in hoher Qualität gedruckte Collagen aus Fotos, Notizzetteln (Textentwürfe, Produktionsnotizen etc.) und ähnlichem, aber auch Texte im Stil von Liner Notes. Da schaut man sicherlich auch in ein paar Jahren gerne mal wieder rein und ist damit aus meiner Sicht die bessere Investition als Boxen in Sarg- oder Altarform, die dann doch irgendwann peinlich berührt weggeräumt werden...
Highlights sind für mich vor allem:
- 2 Songs zum Selbermixen. Für "Bender" und "Juular" sind jeweils fast 30 Tonspuren im Wav-Format enthalten (also nicht nur Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, sondern getrennte Spuren für Kickdrum, Snare und Becken etc.), insgesamt ca. 1,8 Gigabyte Material. Hier merkt man, dass Herr Townsend selbst Spaß an sowas hat.
- 4 Audiokommentare im Stil von DVD-Audiokommentaren - es läuft also im Hintergrund das Album und Devin erzählt in Echtzeit viele interessante Dinge dazu, die man auch als Fan noch nicht wusste.
Dann gibt es noch massenhaft Bonustracks, von denen allerdings die aus meiner Sicht interessantesten (Synchronicity Freaks, Watch You, Ho Krll) schon in anderem Kontext veröffentlicht wurden. Allerdings sind sie hier zum Teil in höherer Qualität (Ho Krll z. B. neu gemixt, Synchronicity Freaks im Gegensatz zur Downloadversion gemastert usw.). Die Demos sind eher von "historischem" Wert, wobei "Madd At My Dadd" ein kleines Grindcore-Highlight ist, das an das "Bent Sea"-Projekt von Schlagzeuger Dirk Verbeuren und Townsend erinnert. Auch wurden allerlei Videos dazugepackt, die allerdings nicht unbedingt "richtigen" Konzert-DVD-Standard erfüllen, sondern schon ein wenig nach Low Budget aussehen. Die beiden Auftritte sind jeweils ca. 30 Minuten lang (die "Ziltoid"-Aufnahmen des Tuska-Festivals 2010 sind NICHT enthalten). Dazu kommt eine Menge weiteres Material, das man sich allerdings größtenteils auch schon im Internet angucken oder anhören konnte. Dass doch recht viel Bekanntes versammelt ist, könnte vielleicht für den ein oder anderen, der bereits die Alben besitzt, etwas enttäuschend sein. Wer bisher nicht unbedingt jedes Lebenszeichen von Herrn Townsend verfolgt hat, wird allerdings eine Menge entdecken können (ich sage nur "Meatball" oder auch einige nette Liveaufnahmen, letztere übrigens auch im unkomprimierten WAV-Format).
Insgesamt wurde bei der "Verpackung" sehr auf hohe Qualität geachtet. Bei den Inhalten wird deutlich, dass man sich bemüht hat, aus den vorhandenen begrenzten Mitteln das beste herauszuholen. So wären neu gemachte "Making-Of"-Videos sicherlich nett gewesen, diese waren aber offenbar nicht mehr im Budget.
Das Gesamtpaket aus den vier Alben, den Fotos, Notizen, Audiokommentaren, Demos, Tonspuren und Einblicken durch die vielen kleinen Videos erzeugt vor allem einen Effekt: Der Künstler Townsend macht sich fast völlig transparent, und das nicht nur, weil die Alben an sich bereits seine künstlerische "Selbstfindung" thematisieren. Die Box erlaubt gerade auch in der Gesamtschau einen sehr klaren Einblick, wie die Musik entstanden ist und was sich der Künstler mit welchem Detail gedacht hat. Diese Einblicke sind dabei weit entfernt von allzu selbstverliebtem Eigenlob (wobei Townsend selbst auf einen gewissen Narzissmus hinweist, der dem ganzen innewohnt). Dazu ein Beispiel: Während das Endergebnis von "Deconstruction" die Assoziation eines fast schon überzogenen Perfektionismus bei der Produktion weckt, machen die dann doch deutlich zu hörenden schrägen Töne in den isolierten Orchestertonspuren deutlich, welche Kompromisse gemacht werden mussten (die gesamten Aufnahmen für das Album mussten in 4 Stunden fertig werden, die Musiker haben die Stücke praktisch ohne zu Üben vom Blatt spielen müssen). Diese Einblicke sind aufgrund Devins außergewöhnlicher Offenheit insgesamt interessanter als man es üblicherweise von vielen anderen Bands kennt (jedenfalls aus meiner Sicht).
Also insgesamt ein gutes Set zum angemessenen Preis, wenn auch nicht ganz so überwältigend, wie es mit unbegrenzten Mitteln vielleicht hätte werden können.