oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 0,25 eintauschen?
Consummatus: Roman
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Consummatus: Roman [Gebundene Ausgabe]

Sibylle Lewitscharoff
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 18,90 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 2 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Mittwoch, 30. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Ein Buch, das mich so bewegt und umgetrieben hat wie lange keines mehr. (Denis Scheck, Druckfrisch, ARD )

Verspielt ist dieses Buch, eigenwillig, weise, witzig – und schön. (Angela Wittmann, Brigitte )

Es ist weise, und Weisheit ist hier mehr als Meisterschaft. (Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung )

Kurzbeschreibung

Stuttgart, April 2004. Ralph Zimmermann sitzt im Café Rösler, leert zu viele Gläser Wodka, während Stationen seines Lebens Revue passieren – Tod der Eltern, Kindheit, vor allem die fatale Liebe zu einer Underground-Sängerin, mit der er bis zu ihrem Tod einige Monate lang durch Europa kreuzte.
Die Sehnsucht hatte den Mann ins Jenseits geführt. Mit der Pflicht, Bericht zu erstatten, wurde er von dort zurückgeschickt. Seitdem sind die Toten um ihn, seitdem muß er daran herumrätseln, was sich im Jenseits gezeigt hat: kluge Tiere, zaghafte Tote, die eine Schleuse meiden, hinter der man Jesus lachen hört. Selbst im Café halten sich die Toten in seiner Nähe auf. Andy Warhol, Jim Morrison und Edie Sedgwick sind mit von der Partie, die Eltern auch und natürlich seine Geliebte.
Stunden später macht sich Zimmermann auf den Weg und gerät in ein Unwetter. Schnee hüllt ganz Stuttgart ein. In den Flocken treiben die Toten ihr zartestes Annäherungsspiel.

Klappentext

Ein Buch, das mich so bewegt und umgetrieben hat wie lange keines mehr.
Denis Scheck, Druckfrisch, ARD

Verspielt ist dieses Buch, eigenwillig, weise, witzig - und schön.
Angela Wittmann, Brigitte

Es ist weise, und Weisheit ist hier mehr als Meisterschaft.
Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung

Über den Autor

Sibylle Lewitscharoff wurde 1954 in Stuttgart geboren und lebt in Berlin. Sie veröffentlicht neben Radiofeatures, Hörspielen, literarischen Essays und Erzählungen presigekrönte Romane: Für ihren ersten Roman «Pong» erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis, für «Apostoloff» den Preis der Leipziger Buchmesse 2009.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wie fein die Toten hören! Zu einem Riesenohr vereinigt, segeln ihre Ohren am Himmel und überspannen ihn zu weiten Teilen. Was sich von Zungen löst, was sich in Hirnen formt, erzählte Worte, geträumte Worte, Worte ohne Klang, sie alle werden vom Großen Totenohr erlauscht. Es wedelt, es fächelt, es zuckt wie ein Elefantenohr im Takt zu den Lügen, Beschwörungen, Gebeten, den Sirenengesängen, Notschreien, Märchen in den Babelsprachen der Erde, es hört die Tierlaute und den Krach der Maschinen, hört das Uuuijujuio der Gibbons so präzis wie das Huuijui der Kleinen Hufnase, hört das Schwappen der Meere und die dunkle Verzweiflung der Callas. Hört selbst Fehlwörter und schlampig gesprochene Silben, Wörter, die so huschig erscheinen und wieder verschwinden, daß nicht einmal wer sie geboren hat imstande ist, sie zu verstehen.
Es war einmal. Wann immer dieser Satzstummel vernommen wird, rinnt ein freudiger Schauder über das Totenohr. Es war einmal sind seine liebsten Worte.
Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Ein unauffälliger Mann und eine Frau, die alle Blicke auf sich zog, früher heiße, später nur mehr neugierige. Daß sich so ein Mann und diese Frau treffen mußten, um neun Monate lang durch Europa zu kreuzen, ist einer jener seltenen Würfe, die das Leben manchmal in einem geschlossenen Becher ausbringt. Der Mann bin ich.
Ich. Dem Totenohr ist dieses Wort ein Ärgernis. In seiner Weisheit verschließt es sich jedoch nicht, zuckt bloß, um seinen Unwillen zu bekunden.
Ich, ein Mann mit kleinem Register für die Tat, mit großem fürs Geistig-Sittliche, homo minimus und homo maximus in einer Haut und nicht zu ihrem Glück vereint. Wohin ich mich auch wende, ich komme von den Toten nicht los. Sie drücken mir aufs Herz und pfeifen in meinen Lungen. Ob es mir paßt oder nicht, die Toten sind immer um mich geschart.
Was für das Große Ohr gilt, gilt für die Toten im einzelnen oder wenn sie in kleiner Zahl zusammenkommen nicht. Ihre Verständigkeit läßt zu wünschen übrig. Es mangelt ihnen an Großmut, sie geben sich launisch oder pathetisch, legen es auf Kraftproben an, die zu ihrem Alter und ihrer Lage wenig passen. Doch man soll sich nicht täuschen, sie sind bedeutend klüger, als sie sich geben. Treten sie in großer Zahl auf, ist ihr Wissen überwältigend. Sind einmal alle, wirklich alle beisammen, so haben sie Gott gesehen und fallen ihm zu.

Heute ist Samstag, der 3. April 2004, vom Himmel keine Hilfe zu erwarten. Tiefausläufer bestimmen das Wetter. Langsame Wolken, randlos, weich. Die Erde gleitet fort auf ihrer Bahn, gehüllt in Wetter aller Art. Die Erdmulde, die Stuttgart birgt, gleitet mit und dreht sich mit. Sie ist viel zu klein, um Großwetter zu erzeugen und zu fassen, wie es das Meer kann. Vom Meer sind wir weit entfernt, über unsere Hügel können wir nicht hinwegschauen. Asien liegt schon im Dunkel, bei uns ist es vor drei Stunden hell geworden. Den Lichteinfall dämpfen die ineinandergeschobenen Wolken. Wo ihre Decke aufreißt, fällt schmerzlich Helle ein, da die Sonne aus tiefer Position in unsere Mulde sticht.
Wie an jedem schulfreien Samstag bin ich zum Frühstück ins Café Rösler eingekehrt. Bis auf den Zuckerbehälter und die Pflanze ist der Tisch noch leer. Die Farbe des Tischtuchs ist rosa, ein liebenswürdiges Tantenrosa. Vor mir wallt die Stuttgarter Zeitung wie eine schlappe, mittengescheitelte Fahne auf das Tuch. Eine Zeitung lesen zu wollen, die in einem Bügel klemmt, ist strapaziös.
Andere, größere Strapazen liegen hinter mir. Ich will sie einmal alle nacheinander hernehmen und ganz fein zwischen den Fingern zerreiben. Während ich beim Frühstück allmählich zu mir komme, liegen meine Strapazen schlafend ringsum, unter Kniehöhe, versteht sich. Sobald ich sie erinnere, werden sie geweckt, und ich darf nachkosten, was mir einst Leid bescherte, ohne daß neues Leid von ihnen drohte.
Da wären die Leidsäckchen aus meiner Kinderzeit, noch klein und leicht. Dann das eigentliche Gewicht zerlegt in Augenblicksgewichte, die mir meine Geliebte auferlegt hat. Ich zögere, das Wort Geliebte zu benutzen, meine Freundin war sie nicht, meine Frau noch weniger. Wenn das Wort nicht so ungewöhnlich wäre, würde ich von meinem Närrchen sprechen. Meine Geliebte, mein Närrchen, mein Objekt. Sie hat mich aus der Selbstgenügsamkeit gerissen, indem sie mit dem Handrücken über meine Wange strich und mit ihrer tiefen Stimme Ralphi-Darling zu mir sagte. Meine grausame bezaubernde Teufelin. Nach jeder Liebkosung, noch während ihre Finger in meinem Schopf wühlten, fing sie an zu gähnen. Mit ihr ging es nie gut, ohne sie schlechter. Talab sind wir zusammen gefahren in lautlose Nacht.
Närrchen, sagt Jürg Laederach, wenn er in seinen Passionsspielen Einrede hält und das jüngst Gesagte gleichsam mit dem Schwamm fortwischt. Tote sind ausgewischte Närrchen. Mein Objekt ist ein solches ausgewischtes Närrchen, das seine Einreden am Saum des Schlafs, bei Spaziergängen mit aus dem Himmel getropften Worten hält. Ach was. Sie marschiert ihm ins Hirn, wann sie will. Am hellichten Tag, an jedem Ort, wann immer es ihr paßt. Jetzt.
Mein Name: Ralph Zimmermann, einer von den zigtausend Zimmermännern in der Welt und unter den Toten. Sie hieß Johanna Skrodzki. Genannt wurde sie oder hat solche Nennung selbst betrieben: Jojo (in Frankreich), Joey (später in Amerika), als sie in der Factory berühmt wurde, mehr als eine Sekundenberühmtheit, aber weniger berühmt als Blondie oder Madonna. Diese Namen liegen wie ein ausgehöhlter Weg da, ihrer hat seine Kratzspur in den Ohren einer sehr speziellen Gemeinde hinterlassen. Ihre Gemeinde nenne ich die Todesverbohrten oder einfach Todesbohrer, wobei ich mich selbst nicht hinzuzähle, da ich mich immer geweigert habe, diesem Club anzugehören. Come to die with me, sang sie in ihrem stacheligen Germanenenglisch, und ich verging vor Scham, wenn ich dabei war und mich für jedes ihrer Worte verantwortlich fühlte. Huschen im Rudel vorüber, tun so, als wollten wir uns zu ihm setzen, und er merkt's nicht mal. Spürt kaum, wie Joey an ihm entlang streicht. Nur seine Härchen am Unterarm richten sich auf. Das Hinterzimmer des Rösler ist ein guter Ort, um ihn einzukreisen. Objekt? Hat er wirklich Objekt gesagt? Mit den Todesbohrern liegt er allerdings richtig, zumindest bei einigen von uns. Andy: Typ höflicher Drillbohrer, Jim: unsere große Black & Dekker, Edie: prima Bohrfutter.
Uneingeweihte möchten vielleicht fragen: Andy, welcher Andy, welcher Jim und was für eine Edie? Unter diesen Namen sammelt sich die flirrende Restmaterie von Andy Warhol, Jim Morrison und Edie Sedgwick, dem Factorystar der Jahre fünfundsechzig, sechsundsechzig. Vinyl, Kitchen, Beauty No 2. Das Mädchen mit den Gazellenbeinen, Poor Little Rich Girl, jene verirrte großäugige Tochter aus dem superreichen Clan der Sedgwicks. Zu viele Amphetamine, zu viel Sex, zu viele verbrannte Matratzen. Vor der Haustür immer eine bestellte Limousine - warten, warten, warten, stundenlang, die ganze Nacht.
Einige von diesen Todesbohrern waren ihrerseits schon tot, als ich 1981 mit Joey zusammenkam. Es waren so glanzvolle Figuren darunter wie Jim und Edie. Die beiden habe ich nie kennengelernt, ebensowenig Andy, der damals noch lebte. Obwohl diese extrem anziehenden Leute allein zu Joey gehörten, bevölkerten sie bald auch meinen Kosmos und setzten sich darin fest.
Neben Männern wie Andy oder Jim nehme ich mich aus wie ein Würstchen. Dennoch bin ich in einen einzigartigen Käfig geschlossen, wie alle anderen Leute auch, die das Schicksal mit mir teilen, daß ihre Verführungskraft zu gering ist, um Hunderte, gar Millionen von Menschen in ihren Bann zu schlagen.
Meiner Wichtigkeit zu entkommen ist unmöglich, obwohl sie geschmolzen ist, seit ich in Verbindung mit den Toten lebe. Die wischen an mir vorüber, versuchen, wenn irgend möglich, mich aus der Reserve zu locken. Was ihnen selten gelingt - in meinem Charakter steckt etwas von Jesus, seiner...
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de