Das Buch faßt Aufsätze zur Unternehmensstrategie zusammen, die zu einem erheblichen Teil von BCG-Gründer Henderson in den 70er Jahren geschrieben wurden, und deren mathematische Logik BCG verschwieg, um Kunden vermeintliches "insider-wissen" zu verkaufen.
Fast alle frühen BCG-Konzepte - von der "Erfahrungskurve" bis zur 2*2-Portfolio-Matrix basieren auf System-Dynamics-Modellen, d.h. Simulationsmodellen aus partiellen Differential-gleichungen, die Jay W. Forrester ab 1959 entwickelte, und 1961 in "Industrial Dynamics" veröffentlichte.
Beispiel: Die "Erfahrungskurve" eines Marktsegementes simuliert den Verlauf von hedonisch inflationsbereinigten Grenzausgaben und hedonisch inflationsbereinigtem Preis des Marktsegmentes mit einem dynamischen Cournot-Nash-Gleichgewicht aus stochastischen ITO-Prozessen, unter den Annahmen daß
(a) jeder Wettbewerber den Barwert seiner dynamischen Prodzentenrente maximiert, und
(b) jeder Wettbewerber mehrere Real Options hat (auf Abschöpfung des Marktanteiles, auf höhere Verschuldung etc.)
Die Mathematik dazu umfaßt 20 Seiten Differentialgleichungen (ich habe es durchgerechnet - aber diese Formeln nennt Henderson nicht, und somit ist der Wert seine Aufsätze fast Null - oder es ist plagiiert
.
Beispiel: Henderson hatte seine Idee zur Erfahrungskurve aus 2 Artikeln, die Hirschmann im Januar 1964 und im Mai 1965 in der Harvard Business Review schrieb - und besaß nicht die Höflichkeit Hirschmann zu zitieren ! Des weiteren Verwies Hirschmanns Artikel vom Mai 65 auf einen Aufsatz des McKinsey-Partners Hertz in der Ausgabe der Harvard Business Review vom Januar 1964, der heute als Urvater der Real Options Theorie gilt. Man kann beweisen -obwohl der Beweis den rahmen dieser kritik sprengen würde, das Hendersons Erfahrungskurven-Theorie eine Real Option auf den Verkauf von Marktanteil durch Hochpreis-Politik enthielt, und daß er diese Idee aus dem Artikel von McKinsey-Partner Hertz entnommen hatte. Somit beruht der Gründungsmythos von Boston Consulting zu einem erheblichen Teil auf einem Artikel, den der Erbfeind McKinsey schon 2 Jahre vor Henderson veröffentlicht hatte, ohne daß Henderson den Anstand besaß Hertz zu zitieren. Wenn McKinsey Humor hätten, dann würden Sie den frechen Plagiator Henderson
mit einem spöttischen Artikel enttarnen.
Des weiteren hat Henderson die "Entdeckung" der Erfahrungskurve bei Texas Instruments 1966 bewußt irreführend beschrieben, denn TI hatte schon 1961 -alle 5 Jahre vor Henderson - ein System-Dynamics-Modell für die Simulation von Marktsegmentveränderungen, daß ein Schüler von Forrester namens Edward R.Kinsley für TI entickelt hatte.Dies bewist ein ausfürhlicher Abschnitt in Forrester "Industrial Dynamics" 1961., MIT Press (Seite 320-321) Also hatte Henderson NICHT ein völlig neues Modell entwickelt, sondern in ein bestehendes System-Dynamics-Modell ganze 2 Gleichungen eingebaut: je eine Gleichung für die Erfahrungskurven-Effekte beim hedonischen Preisindex, und für die mikroökonomischen Kosten.Henderson hat den Namen und die Vorarbeiten von Kinsley in den über 400 Ausgaben seiner Zeitschrift 'Perspectives' niemals erwähnt.
Fazit: Fast alle frühen Artikel der BCG basierten auf System-Dynamics-Modellen - auch die Matrix und CFROi dienen implizit
der Parametrisierung dieser Modelle oder sie sind daraus abgeleitet. BCG nennt nicht die Formeln, um sie
(a) zu verkaufen, und
(b) damit der Kunde die zum Teil zweifelhaften Annahmen einiger Modelle nicht prüfen kann. Beispiel: CFROI und die Matrix führen nur dann zur Optimierung führen nur dann zur Optimierung, wenn die Grenzen des Marktsegmentes stabil bleiben.
Somit ist das Buch NICHT wissenschaftlich und dient dem Verkäufer um Neugierde zu wecken. Wer sich für diese Materie interessiert, der lernt mehr aus Forrester "Industrial Dynamics" von 1961- auch wenn dieser Klassiker heute 40 Jahre alt ist. Abgesehen davon fielen mir eine Reihe von sehr schweren Übersetzungsfehlern auf.
Beispiel: Henderson stieß auf den Erfahrungskurven-Effekt nicht in einer "Prozeß-Industrie" sondern in der processing industry (original) , nämlich 1965 bei der Norton Company in der Sparte Industriebänder. Dies geht aus der privaten Korrespondenz von Henderson hervor, die ein englisches Werk "Strategies of Growth" von Peter McKiernan in Auszügen verwendet.
Beispiel 2: Henderson beschrieb in "The Experience Curve-Price Stability"(1974) eine Real Option auf die Abschöpfung von Marktanteil, die man mit einer Optionspreisformel berechnen kann.
Im Original schrieb Henderson"As soon as your costs are below the current price, you have got an OPTION..." womit Henderson eine Real Option meinte, die man zur Berechnung von Flexibilität verwendet. (Es ist eine American Put Option mit kontinuierlicher DDividende auf Abschöpfung des Marktanteiles in der Wachstumsphase durch eine Festpreis-Strategie". In der deutschen Übersetzung hat man OPTION falsch mit "Möglichkeit" übersetzt.
Wer sich für die Werke von Henderson privat interessiert, der sollte das englische Original lesen, denn die deutsche Ausgabe ist lieblos übersetzt, und erreicht nicht die Prägnanz des Originales.