David Foster Wallace hat sich selbst getötet. Gründe werden wir nie erfahren. Aber man liest natürlich seine Essays jetzt anders. Das Land, sein Land Amerika, wie es in diesem Essay Band erscheint, bietet in jedem Fall genug Gründe für Verzweiflung.
Sein grandioses Portrait für den Roling Stone über die Wahlkampftour von John McCain 2000, das um die Hälfte gekürzt wurde für den R.S. ist hier in voller Länge zu lesen. Ich kenne keinen Text, der genauer und witziger und klarer den Irrsinn des Wahlkampfs, der Lügen, der Taktik, der kranken Maschine beschrieben hätte, als dieser Text. Im übrigen für alle Wahlkämpfe, nicht nur für Amerika, denn hier zeigt ein naiver, neugieriger, sehr kluger Autor, wie der Homo Politicus und das "System" Demokratie funktioniert. Nach der Lektüre ist der Sieg Obamas noch erstaunlicher...
Außerdem gibt es ein großartiges Portrait der amerikanischen Porno Industrie, die mehr umsetzt, als ganz Hollywood und in diesem Text rüberkommt wie der schmutzige kleine Bruder, der schamlos auslebt, was der große Bruder in Hollywood sich nicht traut, oder nur andeutet. Seine Thesen von der krankhaften Überdrehung pornografischer Filme zu immer härter und weiter und wilder sind beängstigend.
Darüber hinaus gibt es diverse Texte zu Literatur und anderen Autoren, Wörterbüchern, zum 11. September 2001, und einem Lobster Festival, das dem Buch auch seinen Namen gab.
Dieser Autor ist ein Verlust für die Welt, seine witziger, melancholischer, dabei unglaublich scharfsinniger Blick auf die Dinge, den Irrsinn des Lebens, der Kultur wird fehlen. Seine Sprache, die in teilweise endlosen Sätzen die Oberfläche der Dinge durchdringen will und es häufig genug schafft, diese Sprache, die sich den Klischees verwehrt, den Einfachheiten und direkten Antworten und über die Umwege, Nebenwege, die Assoziationen und Fußnoten dem, was Wirklichkeit wohl ist, auch nahe kommt.
Alle Bücher, aber vor allem die Essays von Foster Wallace sind Must-Reads!