Conrad Veidt (*1893+1943) war einer der bedeutendsten Schauspieler des ganz jungen Films - und ist heute beinahe vergessen. Von Caligari bis Casablanca reichte seine Karriere, dabei war der "Dämon der Leinwand" im Privatleben ein sehr friedlicher, liebevoller Mensch, der den Nazis bereits 1934 den Rücken kehrte.
Seinem umfangreichen Werk widmet sich das Buch von John T. Soister. Und es ist ein hervorragendes Buch!
Neben den aller ersten Stummfilmen, die heute durchaus bizarr wirken, über die Aufklärungs- bzw. Sittenfilme, darunter auch bedeutende Werke wie "Anders als die Andern", einem bereits 1919 erschienenen Plädoyer für die Straffreistellung der Homosexualität, sind vor allem die expressionistischen Klassiker wie "Das Kabinett des Dr. Caligari" "Orlacs Hände" oder "Der Student von Prag" kennzeichnend für Veidts Karriere.
Später im frühen Tonfilm wurde sein Rollenbild nüchterner und er gab sich auch in Komödien wie "Der Kongress tanzt" die Ehre. Nach der sogenannten "Machtergreifung" wanderte Veidt nach Großbritannien aus, wo er u.a. in der Verfilmung des Lion Feuchtwanger Meisterwerks "Jud Suess" (nicht zu verwechseln mit dem Harlanschen Film 1940) zu sehen war und dem wunderbaren Fantasy Film "Der Dieb von Bagdad". Durch seinen viel zu frühen Tod, nur 50 jährig, hat er tragischerweise seine Karriere als "Nazischerge" beendet, eben in Casablanca.
Jedem seiner Filme ist ein eigenes Kapitel gewidmet, und neben den "technischen Daten" sind eine ausführliche Inhaltsangabe, zahlreiche, zeitgenössische Kritiken, sowie Notizen und Wissenswertes gesammelt.
Dabei ist John T. Soisters Buch nicht nur ein "Muss" für den Veidt Fan und den Liebhaber von Stummfilmen und Vor- bis zweite Weltkriegsfilmen, sondern auch ganz "normale Leser" werden dieses Buch mögen:
Die Inhaltsangaben der Filme sind gut geschrieben und lesen sich so spannend wie Kurzgeschichten. In den Notes and Quotes finden sich Anekdoten und Wissenswertes rund um den Film und die Menschen vor und hinter der Kamera.
Außerdem ist das Buch nicht nur eine bloße Werkschau eines Schauspielers. Durch die ausführlichen Inhaltsangaben zu den Filmen ist es auch ein Spiegel der Zeiten, der Themen, die die Menschen nach dem ersten Weltkrieg beschäftigten, der Probleme der Weimarer Republik und des beginnenden Nationalwahn der frühen dreißiger Jahre, der Kriegvorbereitungen und "5. Kolonne" Furcht der Briten und Amerikaner.
Neben der hervorragend recherchierten und wie beschrieben sehr ausführlichen Filmographie ist auch ein sehr guter biografischer Teil der Veidt Kennerin Pat Wilks Battle sowie ein Nachwort des Filmkritikers und -kenners Henry Nicolella enthalten.