Wir haben fast alle Conny-Bücher. Dieses dichte ich immer ein bisschen um, weil mir ein paar Aspekte in diesem Buch übel aufstoßen bzw- weil es unser Alltagspraxis nicht entspricht.
Zum einen erkläre ich meiner Tochter immer, dass man nicht automatisch ins Krankenhaus MUSS wie hier geschrieben, wenn man ein Kind bekommt. Der kleine Bruder unserer Tochter kam nämlich zuhause zur Welt. Mamas MÜSSEN nicht automatisch ins Krankenhaus, wenn sie ein Kind gebären. Es ist sogar ein gute Sache nach einem anderen Ort zu suchen, wenn man nicht auf die dort zunehmende Kaiserschnitt-Verursachung & -Förderung steht...
Zum anderen ist Connys Mama ganz fleißig, das Babybett in Connys Zimmer aufzustellen - da gehören Babys nicht hin. Sie gehören ins Elternschlafzimmer. Am praktischsten im Babybalkon. Zum einen, um das Risiko des plötzlichen Kindstods zu senken. Zum anderen, weil alles andere wegen dem nächtlichen Stillen abolut keinen Sinn macht. Und -nicht zu vergessen: weil es einfach viel schöner ist, sein Kind nah bei sich zu haben und die Mutter-Kind-Bindung sich voll entwicklen kann. Hier erklär ich meiner Tochter immer, dass ich da Connys Mama mehr als nur ein bisschen "blöd" finde und den Kopf schütteln muss.
Dann der Kiwa - natürlich ist der Kinderwagen in den westlichen Industrieländern üblich und gesellschaftliche Praxis geworden. Dem kindlichen Bedürfnis nach körperlicher Nähe wird er aber nicht gerecht - hier fänd ich auch eine Aktualisiserung des Buches auch ganz schön. Babys sind Traglinge - getragene Babys sind meist zufriedener, schreien weniger und sind sicherer gebunden. Es gibt mittlerweile soviele Mütter, die ihre Babies ins Leben tragen - das wär für die größeren Geschwister durch ein Buch auch nochmal schön abgebildet zu sehen.
Lustig eigentlich, dass meiner Tochter gar nicht auffällt, dass alles in diesem Band sich von ihrer und der Realität ihres Bruders unterscheidet. Aber sie liebt halt Conny ;o)
Den Vogel schießt die Textzeile "Conny mag RICHTIGE Milch lieber ab". Connys kleiner Bruder wird gestillt (wenigstens das!) und Conny möchte auch mal probieren. Die Milch schmeckt wohl süß, etc. pp. Und dann kommt der Satz "Conny mag RICHTIGE Milch lieber".
WTF??!! Was für ein verqueres Weltbild ist das? Die "Richtige" Milch ist ja eigentlich mal ursprünglich die für Kälbchen gedacht gewesen... Insofern wäre es ganz schön, wenn die Autorin dort schriebe: Conny mag Kuhmilch lieber.
Die "richtige" Milch für Menschen ist wohl unbestreitbar Muttermilch...
Sicher kann man das alles als Haarspalterei abtun - jedoch möchte ich, das mein Kind durchs Lesen/Vorgelesen bekommen, keinen Mist in den Kopf implantiert bekommt und sich kulturell und sozial mal besser verhält, als wir es tun.
Ich kann das Buch nur empfehlen, wenn man den Text abwandelt und vielleicht sogar die Illustrationen ändert.
Oder wenn man dem Mainstream-Klischee im Buch entspricht - dann ist man ja super abgebildet und das Buch fürs Kind so nachvollziehbar und passend.