Christakis und Fowler, zwei in der einschlägigen wissenschaftlichen Gemeinde bekannte amerikanische Wissenschaftler (Mediziner und Soziologe der eine, Politikwissenschaftler der andere) haben in der Perspektive von Netzwerken das lesenwerte Buch "Conntected! Die Macht sozialer Netzwerke und warum Glück ansteckend ist" zu den nach ihrer Ansicht "wichtigsten" Fragestellungen des Menschen geschrieben. In bester angelsächsischer Manier erläutern sie den Einfluss sozialer Netzwerke z.B. auf Liebe und Emotionen, Gelddingen und politische Verflechtungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven. Und darin liegt der Erkenntnisgewinn aus dem Werk.
Die Autoren begreifen soziale Netzwerke als Gruppe von Menschen, die miteinander Beziehungen unterhalten und Beziehungen übertragen, um daraus fünf "Netzwerkgesetze" abzuleiten, die man sich präziser formuliert wünscht und die sich teilweise auch widersprechen. Einige auf den ersten Blick plausible Begriffe wie etwa "ein Netzwerk prägen" oder "gestalten" bedürfen schon einer präziseren Erläuterung. Oder grundlegend: Wie ist ein Netzwerk von einer Organisation abzugrenzen, deren Mitglieder ja auch Beziehungen miteinander unterhalten?
Bescheidet man sich stattdessen mit dem Anspruch von angegebenen Hypothesen, dann ist der Erkenntnisgewinn aus dem dargebotenen Lesestoff immer noch beachtlich. Das Buch von Christakis und Fowler vermittelt neue Einsichten, indem scheinbar bekannte Phänomene im Zusammenleben von Menschen durch neue Ergebnisse etwa aus neurologischer und Sozialforschung erklärt und interdepente Beziehungen hergestellt werden.
Wer etwa hätte gedacht, dass alle Menschen nur "sechs Schritte" voneinander entfernt sind, wobei der Einfluss des Einzelnen mit seinen Einstellungen, Gefühlen und Verhaltensweisen im Netzwerk nur "drei Schritte" reicht. Oder sich die maximale Größe eines Netzwerkes von ca. 150 Individuen sowohl für die funktionsfähigen zivilen Dorfgemeinschaften der Hutterer als auch für die militärische Einheit einer Kompanie angeben lässt. Diese Kennzahl wird plausibel begründet durch den erstrebten inneren Zusammenhalt auf Basis einer zwischen den Netzwerkmitgliedern noch funktionsfähigen Kommunikation.
Man fragt sich natürlich auch, ob emotionale Anstreckung einen Freund wirklich um 9 % glücklicher macht oder eine Beziehung um 15 %; desgleichen, ob Glück tatsächlich 50 % durch Genetik bestimmt wird und 10 % durch den Lebensumstand, aber zu 40 % durch persönliche Entscheidung. Definiert man noch dazu Gott als Super-Netzwerker", wie dies die Autoren tun, dann wird hier aufgrund eines offensichtlich eklatanten Kategoriensprungs eindeutig die Grenze einer seriösen wissenschaftlichen Argumentation überschritten.
Und worin liegt nun der Nutzen für den Leser des Buches als Mitglied eines Netzwerkes? Wohl in der Achtsamkeit dafür, dass er in einer gewissen Weise, zumal wenn er in der Mitte von Netzwerkgruppen steht, sein Netzwerk prägt, aber auch selbst geprägt werden kann, und zwar ohne dass es ihm zunächst bewusst ist.