Nachdem Neal Stephenson Ende vergangenen Jahres mit "Quicksilver" das erste Drittel seines zwischen Restoration und Spanischem Erbfolgekrieg spielenden Wälzers über Wirtschafts-, Geistes- und politische Geschichte des Barock vorgelegt hatte, folgt nun der Nachschlag; der abschließende Band, "The system of the world", ist für den Herbst angekündigt.
Einige Rezensoren (sowohl im Internet als auch in der Presse) hatten "Quicksilver" - nicht völlig ohne Grund - eine gewisse Weitschweifigkeit vorgeworfen.
"The confusion" geht diese glücklicherweise ab:
So tritt Daniel Waterhouse, der englische Philosoph, Physiker und gescheiterte Puritaner etwas in den Hintergrund (hat aber als die Person, welche Isaac Newton in dessen großer Lebenkrise Halt gibt und ihn anhält, die Anstellung eines Aufsehers der britischen Münze anzunehmen, doch noch einmal eine Schlüsselrolle inne).
Auch Eliza, welche weiterhin am Hofe des Sonnenkönigs reüssiert und dabei natürlich immer wieder in Lebensgefahr gerät, nimmt nicht die zentrale Position ein.
Diese gehört nämlich dem Söldner und Abenteurer Jack Shaftoe; Shaftoe war - wir erinnern uns - nicht nur Opfer einer allmählich sein Hirn angreifenden Syphilis geworden, sondern auch noch algerischen Korsaren in die Hände gefallen.
Nachdem ein längeres hohes Fieber die Syphiliserreger in seinem Körper abgetötet und ihn so vor der Demenz bewahrt hat, entwickeln er und einige seiner Leidensgefährten (darunter ein Jesuitenpadre aus japanischem Hochadel, der vor seiner Ordination natürlich noch den Umgang mit dem Katana erlernt und ein spanischer Grande mit einem Tourette - Syndrom, das ihm das Leben bei Hofe nicht wirklich vereinfacht hatte...)den Plan, mit Unterstützung ihrer Eigentümer einen aus Mexiko zurückkehrenden spanischen Vizegouverneur kurz vor dem sicheren Hafen von Cadiz zu überfallen, um sich mit ihrem Anteil an der Beute freizukaufen.
Als sich diese Beute aber als weit größer als erwartet entpuppt, beginnt eine gnadenlose Jagd, die Shaftoe und seine Haudegen einmal um den Globus führt und ihnen einen ganzen Haufen neuer, exotischer und hartnäckiger Feinde (unter anderem eine mahrattische Königin, das Bakufu des Tokugawa-Shogunats, die spanische Inquisition in Mexiko, die Warenterminbörse von Lyon und zuletzt Ludwig der XIV. persönlich) einbringt, während ihre weiteren Abenteuer immer wieder zu kleineren Beben in der europäischen Wirtschaftsordnung führen...
Witziger und pikaresker als Stephenson es tut, könnte man die europäische Geschichte des ausgehenden 17. Jahrhunderts und die Vorboten der Aufklärung nicht darstellen, die Charakter sind herrlich exzentrisch, die Recherche makellos. Stephensons spöttische, sowohl im Dialog als auch in der Erzählung teils bewußt altertümelnde, teils für witzige Anachronismen sorgende Sprache tut ein übriges zum Lesevergnügen.
Ach ja, und eines noch: Das Buch endet mit dem übelsten Cliffhanger, der mir untergekommen ist, seit ich als kleiner Junge "The empire strikes back" im Kino gesehen habe...