War der erste Teil des baroque cycle zum Teil noch etwas langatmig gehalten, vor allem im Teil der das Leben von Daniel Waterhouse in London beschrieb, so geht es im zweiten Teil zur Sache.
Eliza und Jack sind diesmal die Hauptakteure und beide Geschichten werden ineinander verwoben erzählt, wobei die zeitliche Abfolge gewahrt bleibt und somit eine klare Struktur erhalten ist.
Sowohl die aberwitzigen Abenteuer von Jack über den gesamten Globus hinweg wie auch Elizas Netz von Kontakten, Intrigen und Verwirrungen im Europe des 17. / 18. Jahrhunderts machen ständig Lust auf mehr. Aber auch Daniel ist nicht außen vor und es ergeben sich immer wieder neue Querverbindungen auch über die beiden Haupthandlungsstränge hinweg.
Genau dies ist es was dieses Buch wieder (wie schon Teil 1) zu einem Werk macht, dass vom Leser Aufmerksamkeit abfordert, dafür aber reich belohnt, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Allerdings fällt es diesmal erheblich leichter als in Teil 1, da es Stephenson gelingt, in The Confusion trotz seines für ihn typischen Detailreichtums die Story stärker am Laufen zu halten, so dass niemals Langeweile aufkommt. Allein die Schilderungen der Geldgeschäfte, die Eliza im Auftrag der verschiedenen Machthaber durchführt und ihre Fäden dabei im Hintergrund zieht, lohnen sich allemal! Beeindruckend auch wie die Entstehung des Bankwesens (Wechselpapiere, Papiergeld, usw...) in dieser Zeit (parallel zu den ganzen philosophischen Theorien von Newton und Leibniz) geschildert wird. So macht auch das Nachschlagen von Fakten im Geschichtsbuch noch Spaß - nicht unbedingt notwendig für das Verständnis der Story, aber interessant, und wenn ein Roman zu sowas inspiriert ist er eh schon mindestens 5 Punkte wert!
Ebenso genial wie im ersten Teil ist die Art und Weise, wie Stephenson die damalige Zeit auch durch sprachliche Mittel lebendig werden lässt (inwieweit dass die deutsche Übersetzung schafft kann ich nicht beurteilen).
Wem Quicksilver gefallen hat, der wird Confusion lieben!
Allerdings muss man Quicksilver gelesen haben, um Confusion auch nur annähernd genießen zu können.