Kaum gibt es wohl ein Land, dass ungeeigneter wäre als Brutstätte des Reggae zu gelten als unser schönes Deutschland. Und dennoch der Trend marschiert unaufhaltsam Richtung Charts. War Gentleman hier noch 1999 mit seinem "Troddin' On" eine progressive Ausnahme, überrascht es 2004 niemanden mehr, das der gebürtige Kölner mit seinem neuen Album "Confidence" von Null auf Eins in die Album-Charts hoppelt. Zugegeben Gentleman hat kräftig geübt: als er Mitte der Neunziger als pausbäckiger Bub nach Jamaika reiste wusste er nicht einmal, was ein Off-Beat ist. Heute geht der seit sieben Jahren mit einer Jamaikanerin verheiratete Spitzbartträger in den collsten Clubs Kingston Towns ein und aus. Mit "Connfidence" darf es dann diesmal auch ein wenig mehr authentischer Reggae sein als noch beim kommerziell aufgepeppten "Troddin' On". Songs wie "Send A Prayer", "Face Off", das angehippte "No Time Like Now" oder "Strange Things" machen es da einem nicht gerade leicht zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden. Aber was heißt eigentlich Fälschung? "Confidence" beweist, dass man auch ein Tillmann Otto auf ganzer Linie überzeugen kann, wenn er sich politisch korrekt und mit multikultureller Botschaft im Takt von Bob Marley und Peter Tosh wiegt. Schön und gegönnt.