Das Buch ist sicher kein schlechter Einstieg für Freunde der ornithologischen Geschichte. Wie aber der Buchtitel schon anklingen lässt, ist die Abhandlung in der Tat knapp gehalten. Man bekommt erste Eindrücke - viel mehr aber auch nicht. Das Buch ist zu sehr auf den Bereich Publikationen und die damit verbundenen kontroversen Meinungen und Diskussionen ausgerichtet. Es spart somit viele Aspekte der ornithologischen Geschichte aus bzw. behandelt sie nur stiefmütterlich. Die Geschichten der Sammler (im Feld wie Jules Bourcier, Rieffer und die Kuriositätenkabinette), der Maler (Jean Gabriel Prêtre, Louis Agassiz Fuertes), der Balg-Händler (Maison Verreaux, Émile Parzudaki, Richard Henry Puech-Dupont (Autor von Monographie des trachydérides de la famille des longicornes)) und deren gesellschaftlichen Hintergründe waren mir eindeutig zu dünn. Eins wird im Buch aber auch klar: Schon damals gab es kontroverse Diskussionen um die Nomenklatur (auch heute noch gibt es diese Diskussionen z.B. Buarremon assimilis oder Buarremon torquatus assimilis), schon damals wurde von den Herren Wissenschaftlern abgeschrieben (auch Fehler), schon damals gab es Konkurrenz- und Futterneid. Ein Teil der amerikanischen Geschichte wird völlig ausgeblendet, z.B. Harry Church Oberholser, John Todd Zimmer, William Henry Phelps, James Lee Peters, Carl Eduard Hellmayr, Walter Edmond Clyde Todd etc. - völlige Fehlanzeige. Wahrscheinlich hat der Autor Michael Walters recht, wenn er eine nahezu perfekte Geschichte der Vogelkunde ausschließt. Diese Herkulesaufgabe würde wohl ein mehrbändiges Monumentalwerk werden.
Der Schluß dokumentiert die Klassifikation der einzelnen Autoren. Wer liest sich Namen für Namen je nach Autor durch? Ich glaube fast niemand. 50 Seiten nur verschiedene Familiennamen. Langweiliger geht es fast nicht. Ein Verweis auf die Originalbücher hätte gereicht.