Es ist fast schon ein Sprichwort: Um den Fado zu mögen, müsse man Portugiese sein. Ich machte mir bislang auch wenig aus Fado. Bis ich Mariza hörte.
Es gibt immer wieder Künstler, die bereits bestehende Formen aufgreifen und zur eigentlichen Reife und Blüte führen. Sicher gilt dies auch von Fadosängern wie Amalia Rodrigues oder Carlos do Carmo. Aber für mich steht Mariza einzigartig da.
Ihre atemberaubend phantastische Stimme, ihr poetisches Einfühlungsvermögen, ihr absolut sicherer Instinkt, musikalisch nie danebenzugreifen, berechtigen, hier von Genie zu sprechen.
Und dann ist da dieses Konzert in Lissabon! Es gibt Konzerte, bei denen günstige Konstellationen zusammentreffen, um sie in den Rang des Magischen zu heben. Unvergessliche Momente, die Studioaufnahmen normalerweise nicht erreichen.
Ich höre Mariza und werde zu Tränen gerührt. Man sagt den Portugiesen nach, sie seien ein melancholisches Volk. Vielleicht auch wegen ihrem Fado, der sein Lied von Traurigkeit und Sehnsucht anstimmt? Es ist faszinierend, gestandene Männer zu sehen, wie ihnen bei Fadoabenden in der Taberne vor Rührung das Wasser in den Augen steht.
Es gibt nur eins, was diese CD noch übertrifft: Die DVD zum gleichen Konzert.